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Rheinbach Classics: 20.000 Pferdestärken touren durch die Stadt

Rheinbach Classics : 20.000 Pferdestärken touren durch die Stadt

Der exklusivste Autosalon Rheinlands stand in Rheinbach zwei Tage lang unter einem strahlenden Stern: Die Sonne beschien mehr als 500 Oldtimer aller Zeiten, die beim Korso von "Rheinbach classics 2007" durch die Stadt tourten.

Drei Tage lang, von der Opernaufführung "Nabucco", der Wertungsprüfung der Oldies am Samstag, bis zum Korso am Sonntag, herrschte Ausnahmezustand in Rheinbach. Die Bewunderung galt demokratisch jeder PS-Zahl: Die BMW-Isetta erregte das gleiche Aufsehen, wie die Chromklassiker, die amerikanischen Thunderbirds.

Die Resonanz auf der Hauptstraße erinnerte an den Starrummel eines Sunset-Strips in Hollywood. Überall klickten Handykameras. Videofilmer hielten die PS-Schönheiten fest, die sich in spiegelnden Chrom mit viel Lack präsentierten.

Zehntausende von Menschen feierten die herausgeputzten Blech-Diven mit stehendem Applaus, nur übertönt vom Grummeln der PS-starken Motoren, der bei der "Cobra" mit einem Pedaltritt brüllte und beim "Protos", einem Siemens-Rennwagen aus dem Jahr 1920, wie ein Schiffsmotor röhrte.

Cabrios rollten "topless" ohne Verdeck, das Heck und die Rücksitze garniert mit posierenden "Sugar-Babys" im 50er-Jahre-Look. GA-Moderator Ludger Gerhards und Rheinbach-Classic-Sprecher Jens Hoffmeister halfen frischen Fans mit ihren Erklärungen an den Bühnen auf die Sprünge.

Erregten die VW-Käfer, Pontons-Mercedes, Porsches und Isabellas Déjà-vu-Erinnerungen bei den Älteren, brachte der fünfjährige Joscha Glinker, angesichts eines der amerikanischen Riesenschiffe, die Begeisterung generationsübergreifend auf den Punkt: "Puh!" Insgesamt bewegten sich geschätzte 20.000 Pferdestärken in 400.000 Kubikzentimeter Hubraum in Rheinbach, sagte ein Kenner der Materie.

Eine Herausforderung an die Veranstalter war bereits der Ansturm auf die beiden Korso-Sammelplätze an den Märkten und an der Münstereifeler Straße. In Kürze waren die vorbereiteten Teilnehmerbändchen weg, wie die Parkplätze, trotz der Vorbereitung auf 400 Wagen - unzählige kamen unangemeldet.

Am Himmeroder Wall herrschte eine andere Welt: War türkis und blutrot beim Blech "en vogue", legten zeitbewusste Damen Wert auf weiße Pünktchen. Sie beherrschten die Kleidung vom Stirnband bis zu den Ballerinas, auf schwarzem Grund bei Bettina van Elsbergen und auf rot bei Lena Kühle.

Die 50er Jahre erlebten eine Renaissance: Petticoats bauschten sich, rote Lack-Pumps ließen ihr Stakkato über den Wall hören. Mit zwölf Bands auf vier Bühnen tauchten die Rockfans in die Jugendzeit ein. Die Band "Bobbin Baboons" trieb Rock- und Hillybilly-Fans auf die Tanzfläche, und die Tänzer den Bobbin-Cellisten "Wild Bobbin Meffju" zum Sprung auf die Alu-beschlagene-Seite seines Bass-Cellos. Die Drehungen zum Hit "I `m a wanderer" ließ Lagen von Unterröcken fliegen, und erlaubten einen Blick auf schwarze Strumpfhalter.

Andere "Sweethearts" rüsteten sich auf dem Markt auf. Was früher als peinlicher Kitsch galt, wieder Nierentischstil der 50er Jahre, erreichte wieder Beachtung: Petticoats gab es von 65 bis 110 Euro. Der Hut im Lampenschirm-Format kam mit 30 Euro günstiger, superbreite Gürtel mit Kirschenmotiv gab es schon für erschwingliche 13 Euro, im Vergleich zu den PS-starken Hinguckern.

Eine der letzten "Enten", die vom Stapel liefen, war für 7500 Euro zu bekommen. Für ein Mercedes Coupé 280 mit 3,5 Liter Motor eines Bonner Arztes wurden 30.000 Euro veranschlagt. Andere sprachen nicht über Preise oder über Benzinverbrauch. "Elvis 1" von Cadillac-Horst schluckt 25 Liter Normal. Das stört Horst Schmoll nicht. Der Elvis-Fan von der Tolle bis zu den spitzen Schuhen fährt nur Cadillacs des Typs, den sein Idol gefahren ist.
Weitere Fotos unter www.ga.de