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Rettung für die Wiesenknopf-Ameisenbläulinge: Artenschutzprojekt soll Starthilfe für seltene Schmetterlinge geben

Rettung für die Wiesenknopf-Ameisenbläulinge : Artenschutzprojekt soll Starthilfe für seltene Schmetterlinge geben

In den Kreisen Rhein-Sieg und Euskirchen starten ein Artenschutzprojekt für einen selten gewordenen Schmetterling. Auf zwei Wiesen in Wormersdorf soll so der Wiesenknopf-Ameisenbläuling überleben.

Die Biologischen Stationen in den Kreisen Rhein-Sieg und Euskirchen haben sich einiges vorgenommen. Ein neues Artenschutzprojekt soll den Populationen der immer weiter zurückgedrängten Hellen und Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulinge das Überleben sichern. In den nächsten drei Jahren  – mit einer Option auf eine Verlängerung bis 2025 – ist der Schutz der beiden Arten nicht nur auf NRW beschränkt, sondern auch im Grenzgebiet zu Rheinland-Pfalz soll den Schmetterlingen geholfen werden.

In beiden Bundesländern wurden parallele Hilfsprogramme aufgelegt. Mit 286.000 Euro unterstützt die NRW-Stiftung den Prozess, der die bestehenden Habitate pflegen und optimieren soll. Außerdem sollen durch die Schaffung neuer Bläulingswiesen die zum Teil stark fragmentierten Teilpopulationen stärker miteinander vernetzt werden. Zu diesem Zweck hat die NRW-Stiftung eine einen Hektar große Wiese in Wormersdorf erworben, Verhandlungen über den Kauf eines weiteren Grundstücks laufen. Beim Startschuss für das Projekt zeigten sich die Partner am Mittwoch auf den Tomberger Wiesen ausgesprochen zufrieden.

Während der Wiesenknopf auf der ehemaligen Pferdekoppel schon sprießt, wird im Herbst die zusätzliche Fläche erst einmal vorbereitet. „Wir mähen die Wiesen nur zu bestimmten Zeiten im Frühjahr und Herbst, damit sie unter anderem nicht zu fett wird“, erklärte Projektbetreuer Steffen Steenken von der Biologischen Station Rhein-Sieg-Kreis. Die Bläulingswiese braucht eine bestimmte Feuchtigkeit. „Die Kooperation mit Rheinland-Pfalz ist etwas ganz Besonderes. Denn auch im Ahrtal finden sich Populationen der Bläulinge“, weiß Dietmar Steinwarz, Geschäftsführer der Biologischen Station.

Schon vor sechs bis sieben Jahren war die Projektidee entstanden, es folgten Diskussionen und dann noch einmal eine Verzögerung durch Corona. „60 Schmetterlingsarten sind bereits ausgestorben, 494 sind vom Aussterben bedroht. Als Ursachen kann man den Klimawandel, die intensive landwirtschaftliche Nutzung und den Einsatz von Pestiziden ausmachen. 76 Prozent der Biomasse von Insekten ist seit 1980 zurückgegangen. Insekten sind heute Gegenstand der Politik“, verdeutlichte NRW-Stiftungsvorstand Karl-Heinz Erdmann, dass die Zeit drängt.

In NRW gibt es noch drei Arten von Ameisenbläulingen. Die meisten Populationen der Hellen und Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulinge finden sich im Rhein-Sieg-Kreis unter anderem an der Sieg und im Kreis Euskirchen. Um Überlebenschancen zu haben, brauchen beide Falterarten die Knotenameise und den Großen Wiesenknopf. Die Verbindung von Falter, Wirtspflanze und Wirtsameise reagiert empfindlich auf eine intensive landwirtschaftliche Nutzung. Daher wird eine Kooperation mit den Kommunen und den lokalen Landwirten als zielführend angestrebt. So werden die Städte und Gemeinden bei der Pflege ihrer Grünflächen beraten, zum Beispiel an den Siegdeichen und den zahlreichen Wegrainen als Verbundachsen für Bläulinge.

Landwirte können im Zuge des Vertragsnaturschutzes Fördermittel für eine bläulingsgerechte Bewirtschaftung ihrer Wiesen beantragen. Laut NRW-Stiftung stehen zudem zusätzliche Mittel zur Förderung von Neuaussaaten und der Pflanzung von Wiesenknöpfen bereit. Außerdem hat die Stiftung ihre Bereitschaft erklärt, weitere Flächen mit einem besonders hohen Entwicklungspotential zu kaufen. „Es ist mir eine große Freude, dass dieses Projekt jetzt starten kann“, so Erdmann.