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Politischer Streit in Rheinbach: Bestattungsunternehmer gab Karikatur in Auftrag

Politischer Streit in Rheinbach : Bestattungsunternehmer gab Karikatur in Auftrag

Kritik am Wechsel der früheren CDU-Fraktionsvorsitzenden zur UWG. Bei der Rheinbacher Union sind die Fronten verhärtet.

In der Rheinbacher Stadtpolitik wird seit jeher mit harten Bandagen gekämpft. Wer da nicht hart im Nehmen ist, der hat es schwer. Es gab schon zugemauerte Türen und Knochen auf dem Schreibtisch der Verwaltungsspitze.

Jüngstes Eskalationsbeispiel: Eine Karikatur im Anzeigenteil der Lokalzeitungen, die ganz offenbar die frühere Chefin der CDU-Stadtratsfraktion Silke Josten-Schneider zeigt. Sie steht in Siegerpose auf dem Balkon des Ruhms, und ganz unten am Ende der Treppe liegen Menschen devot im Staub. Die Wimpel weisen sie als Unabhängige Wähler aus. Insider der Vorgänge in Rheinbach wissen: Es gibt seit langem zwei Lager bei den Christdemokraten der Glasstadt. Kristallisationspunkt war über viele Jahre der damalige Fraktionschef Bernd Beißel.

Anfang Juni kam es zum großen Knall

Seine politische Arbeit zeigte Langzeitwirkung. Auch nach seinem Abgang blieben die alten Reflexe erhalten. So dass in den vergangenen Jahren mehrmals Mediatoren eingesetzt wurden, um die Gräben zu überbrücken, die innerhalb der CDU-Fraktion existieren. Ohne Erfolg. Anfang Juni kam es bei der Parteiversammlung zur Aufstellung des Bürgermeisterkandidaten zum großen Knall. Während Oliver Wolf als Kandidat für die Nachfolger von Bürgermeisters Stefan Raetz nominiert wurde, strafte die Partei Silke Josten-Schneider ab. Sie unterlag im Ringen um den Wahlbezirk fürs Stadtratsmandat. Daraufhin trat sie aus der CDU aus und zog fünf ihrer Anhänger mit. Eine Woche später wechselten sie zu den Unabhängigen Wählern (UWG) Rheinbach. Deren Zahl der Mandate im Stadtrat wuchs damit über Nacht von drei auf acht an.

Die Karikatur, die den ganzen Vorgang aufspießt, hatte nun Bestattungsunternehmer Norbert Birkelbach als Anzeige aufgegeben. „Damit sollte das Überlaufen von Silke Josten-Schneider zur UWG kritisiert werden“, sagte Birkelbach dem General-Anzeiger. Er habe den Auftrag dazu von Ferdinand Pfahl erhalten. Der Besitzer mehrerer Bestattungsunternehmen hat immer wieder seine Meinung zur Tagespolitik in der Stadt kundgetan. Lange Jahre war er selbst CDU-Ratsherr, bis er im Jahre 2004 bei der Kandidatenaufstellung das Nachsehen hatte – gegen Silke Josten-Schneider. An sie verlor er vor 16 Jahren den begehrten Innenstadtwahlbezirk und zog sich damals aus der Politik zurück. Offenbar sitzt der Stachel tief.

Die Karikatur dürfte aber auch als Kritik an der örtlichen UWG verstanden werden, die sich vor der neuen Meisterin in den Staub wirft. Offenbar um ein redaktionelles Problem handelt es sich, dass auf den Wimpeln nicht UWG sondern UWD steht. Was den Verantwortungshinweis im Sinne des Presserechts angeht (V.i.S.d.P.) hatte sich Birkelbach nur mit seinem zweiten Vornamen Maria nennen lassen und damit den Absender verschleiert. Er handelte ja nur im Auftrag.