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Corona-Pandemie: Händler sieht Buchhandel gut aufgestellt

Buchhändler im Rhein-Sieg-Kreis : Händler sieht Buchhandel trotz Corona gut aufgestellt

Buchhändler Christoph Ahrweiler sieht den Handel mit Literatur trotz Corona-Pandemie und Internetkonkurrenz nicht in der Krise. Am Montag öffnen die Läden wieder, am Donnerstag ist Welttag des Buches.

Die Wege zum Traumberuf verlaufen nicht immer linear: Bei Buchhändler Christoph Ahrweiler, Inhaber der Buchhandlungen Kayser in Rheinbach und Wesseling, ging der Weg in die Selbstständigkeit über Kliniken in Mannheim, in denen er als Psychotherapeut arbeitete. Den mutigen Schritt in den Einzelhandel als „eigener Chef“ vor fünf Jahren hat der 53-Jährige bis heute nicht bereut. Trotz der Corona-Pandemie und obwohl es von vielen Seiten Konkurrenz gibt, insbesondere durch Online-Händler, sieht Ahrweiler zum Welttag des Buches am Donnerstag, 23. April, den Buchhandel gut aufgestellt.

Ahrweiler steht für einen Typus von Buchhändlern, der nicht darauf wartet, dass die Kunden den Weg sein Geschäft finden mögen: „Man muss viel machen, um präsent zu sein. Sich immer etwas zu überlegen, was die Menschen in die Buchhandlung lockt, das ist eine dauerhafte Herausforderung“, sagt er im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Die analytischen Fähigkeiten, die er aus seinem erlernten Beruf als Psychotherapeut mitbringt, helfen ihm dabei, den Buchmarkt, Neuerungen und das Kundenverhalten immer wieder neu zu bewerten.

Innovativste Branche im Einzelhandel

„Generell sind wir eine der innovativsten Branchen im Einzelhandel“, meint Ahrweiler. „Wir müssen uns schon lange mit Amazon und Co. herumschlagen und haben darum schon früh digitale Wege beschritten“, sagt der Buchhändler aus Rheinbach. Diese Wege zahlten sich während der Corona-Krise aus.

Der Onlineshop der Buchhandlung war besonders vor Ostern gut besucht und half dabei, den von der vorübergehenden Schließung von Geschäften entstandenen Umsatzausfall ein Stück weit zu kompensieren. Vom Angebot, Ahrweiler und sein Team per Telefon, per E-Mail oder Whatsapp zu kontaktieren, werde rege Gebrauch gemacht. „Ich merke, dass es mir fehlt, mit den Menschen zu sprechen, sich auszutauschen und ein Späßchen zu machen“, berichtet der 53-Jährige. Ab Montag, 20. April, dürfen Buchhandlungen allerdings wieder öffnen, wenn sie sich an entsprechende Abstands- und Hygienevorschriften halten.

Sieben Jahre ist es her, dass sich Christoph Ahrweiler eine Frage stellte, die sein Leben entscheidend verändern sollte: „Willst du das wirklich bis zur Rente weitermachen oder gibt es auch noch was anderes, was du machen könntest?“, lautete die Frage. Der gebürtige Bonner arbeitet zu diesem Zeitpunkt in Mannheim – pendelt zwischen Kurpfalz und dem Rheinland. Viele Jahre arbeitet er als Psychotherapeut: sowohl selbstständig in eigener Praxis als auch in Kliniken. „Mannheim liegt zwar am Rhein – aber es ist nicht das Rheinland“, findet er.

Obgleich er nach eigenem Bekunden gerne macht, was er tun, hört er, wie es in ihm arbeitet: „Es war schon immer ein Wunsch von mir, eine Buchhandlung zu haben oder in einer zu arbeiten – etwas mit Büchern zu machen“, berichtet er. Da das Netzwerken eine seiner Stärken ist, nimmt er Kontakt zum Börsenverein des Deutschen Buchhandels auf, besucht ein Quereinsteiger-Seminar und wird dann gewahr, dass nicht weit weg von seiner Geburtsstadt Bonn ein Buchhändler in Rheinbach aus Altersgründen einen Nachfolger für sein kleines Unternehmen sucht.

„Das hat natürlich etwas mit Mut zu tun, das anzugehen und vor allem im Einzelhandel etwas zu übernehmen“, räumt Ahrweiler ein. Und obgleich er im Rheinland auch eine therapeutische Stelle gefunden hätte, die aus seiner Sicht interessant gewesen wäre, geht er das Wagnis ein, selbstständiger Buchhändler eines inhabergeführten Ladens zu werden, der Mitte Februar sein fünfzigjähriges Bestehen feiern konnte. 2017 übernimmt Ahrweiler in Wesseling dann noch den 125 Quadratmeter großen Buchladen von Georg Müller. Ahrweilers Kunst des Netzwerkens zahlt sich aus: In Rheinbach gibt es eine Fülle von Veranstaltungen rund ums Lesen, bei denen die Buchhandlung Kayser mit von der Partie ist. „Wir arbeiten etwa mit dem Literaturverein ‚Rheinbach liest’ und vielen Schulen zusammen. Wenn man einen Kontakt hat, muss man den natürlich auch pflegen“, so Ahrweiler.

Leseempfehlungen während der Pandemie

Aber: Trotz der vielen Veranstaltungen und der Verantwortung als Selbstständiger möchte sich Ahrweiler selbst noch Zeit zum Lesen gönnen. Schließlich kämen viele Kunden ins Geschäft, die einen Lesetipp haben wollten. Empfehlungen auszusprechen, stärke die Kundenbindung und trage somit zu stabilen Umsätzen bei – auch während der Corona-Krise. „Vielen ist die deutschlandweite Buchpreisbindung gar nicht so bekannt. Sie glauben, dass Bücher im Internet immer billiger sind. Das ist aber nicht so“, so Ahrweiler.

Mitten in der Krise hat Kayser jetzt einen neuen Newsletter entwickelt und an seine Kunden versandt. Der „Literaturkurier“ ist randvoll mit Literaturempfehlungen der Mitarbeiter für alle Generationen und Geschmäcker. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Ideen“, sagt der Kayser-Chef. Im vergangenen Jahr habe der deutsche Buchmarkt sechs Millionen Leser verloren. „Dem wollen wir entgegenwirken.“