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Heimat- und Eifelverein weihte neue Beschilderung ein: Das Geheimnis des Brotpfades

Heimat- und Eifelverein weihte neue Beschilderung ein : Das Geheimnis des Brotpfades

Weg Nummer 1, Wanderweg A7 oder Wanderweg A6 - wie nüchtern klingen diese Wegebezeichnungen. "Brotpfad", "Pilgerpfad" oder "Kapellenpfad" hingegen weisen auf eine interessante Historie hin. Die will der Eifel- und Heimatverein Rheinbach vor dem Vergessen bewahren.

Deshalb werden auf den rund 180 Wanderwegen rund um Rheinbach Hinweisschilder aufgestellt mit den historischen Wegebezeichnungen.

Bürgermeister Stefan Raetz, der Vereinsvorsitzende Heinz Kessel und Wegewart und Koordinator Karl-Heinz Schlosser enthüllten gestern an einer Weggabelung oberhalb des Waldfriedhofes die ersten Schilder bei der Eröffnungswanderung mit rund 60 Teilnehmern: "Schlebacher Weg" in die eine, "Der längste Weg" in die andere Richtung.

Auf massiven Holzpfosten sind die Holzschilder angebracht, gefertigt von Jugendlichen der Neuen Pfade unter Leitung von Schreinerin Andrea Kroymann. Die Namen wurden eingefräst und in Weiß herausgearbeitet. Fertig sind "Der längste Weg", "Schlebacher Weg, "Dreeser Weg", "Locher Weg", "Pionierweg", "Brotpfad", "Kapellenpfad" und "Pilgerpfad", weitere sollen noch in diesem Jahr folgen.

Für Bürgermeister Raetz war klar, dass die Menschen "früherer Zeiten sich schon etwas dabei gedacht haben, wie und wo sie die Wege angelegt haben" und dies werde in den historischen Namen deutlich. Dass der "Locher Weg" einst durch den Wald nach Loch führte, erklärt sich aus dem Namen selbst.

Ähnlich verhält es sich mit dem "Schlebacher Weg", der zu den Wohnweilern Groß Schlebach, Scherbach und Krahforst bis in die Sürst führt oder der "Dreeser Weg", der in umgekehrter Richtung von Schlebach aus durch den Rheinbacher Wald und die Feldflur nach Oberdrees führt.

Interessant ist die Geschichte des "Brotpfades", der von der Ipplendorfer Kirche in Wormersdorf über die heutige Floßstraße, Wolfsgasse und querfeldein über die "Glockenwiese" und Tomberger Straße durch den Wald führte. Er führt weiter nach Neukirchen und dann zum "Weiler Nussbaum" in die Sürst.

Der Eifel- und Heimatverein erläutert dazu: Seine Entstehung verdankt der Brotpfad einer Kapitalstiftung Wormersdorfer Bürger aus dem Jahre 1835, die als sogenannte Gertruden- oder Armenstiftung angelegt war.

Demnach wurde am vierten Fastensonntag - Laetare - nach dem Hochamt Brot ausgegeben. Es war Aufgabe der Messdiener, jedem Besucher der Stiftermesse ein Brot zu überreichen.

Nach der biblischen "wunderbaren Brotvermehrung" wurde dieser Sonntag auch "Brotsonntag" genannt. Zu der Stiftungsmesse kamen auch viele Gläubige aus den umliegenden Ortschaften, insbesondere aus der Sürst. Der Weg, den diese Messbesucher nahmen, erhielt daher die Bezeichnung "Brotpfad".

Ein alter Pilgerweg ist der "Kapellenpfad", der von der Ipplendorfer Kirche in Wormersdorf zur Waldkapelle führt. Was der gebürtige Wormersdorfer Professor Heinrich Joseph Floß, Theologe, Philosoph und Forscher der Geschichte seiner Heimat, im 19. Jahrhundert über die Entstehung des Pilgerweges geschrieben hat, hält der Eifel- und Heimatverein fest: Die Einwohner von Wormersdorf zogen aus Dank für die zweimalige Verschonung vor Brandschatzung durch vorüberziehende Truppen von der Ipplendorfer Kirche in sakramentaler Prozession zur Waldkapelle.

1884 vom Verschönerungsverein angelegt wurde der "Pilgerpfad", der durch den Stadtwald an den Pilgerpfadsweihern vorbei zur Waldkapelle führte.