1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Rheinbach

Dauerhaft geschlossen: Der „Treffpunkt“ in Rheinbach schließt

Dauerhaft geschlossen : Der „Treffpunkt“ in Rheinbach schließt

Die vorletzte Gaststätte in Wormersdorf macht für immer dicht. Für viele Vereine und Anwohner fällt damit ihr Stammlokal weg – ein Besuch „Im Treffpunkt“ gehörte bei Veranstaltungen im Ort jahrelang zur Tradition.

Die Wormersdorfer, die ihren Heimatort gerne auch als das „Land der Liebe“ bezeichnen, sind bekannt dafür, gerne zu feiern. Egal, ob Karneval, Vatertag oder runder Geburtstag, bislang gab es einen ortsbekannten Treffpunkt, den nicht nur fast jeder kannte, sondern der ganz offiziell auch noch so hieß: die Gaststätte „Im Treffpunkt“ von Mario Weber (53) und seiner Mutter Ingrid Willms (71). Ob die Fidelen Burgfrauen Wormersdorf, der Männergesangverein oder die Karnevalsgesellschaft Wormersdorf 2009 – für viele Vereine war Webers „Treffpunkt“ die gastronomische Anlaufstelle im Ort. Dabei liegt die Betonung auf „war“: Denn Wirt Weber musste seine Gaststätte schließen, und zwar für immer. Die Corona-Krise sei schuld, sagt er.

„Wir gehen zu Ingrid und trinken noch ein Bier!“ Das war ein geflügelter Satz Wormersdorf, der wohl unzählige Mal beispielsweise nach einer der Tollitätenproklamationen in der Tomburghalle gefallen ist. Es war fast schon ein Stück Tradition, erklärt Jürgen Nohles, dass sich viele Jecken zum feuchtfröhlichen Ausklang des Abends bei der ehemaligen Wirtin Ingrid Willms trafen. Nohles weiß, wovon er redet: Er war selber zweimal karnevalistischer Würdenträger im Land der Liebe, einmal 2016 als Prinz an der Seite von Gattin Claudia und zwei Jahre später als Jungfrau Antonia I. im Gespann eines Dreigestirns. „Die Gemütlichkeit und die Gastlichkeit hier waren schon etwas Besonderes“, lobt Nohles. Nicht von ungefähr sei der Treffpunkt auch „Hofburg“ fast aller Tollitäten gewesen.

Ingrid Willms übernahm „Treffpunkt“ 1972

Ingrid Willms, die aus Niedersachsen stammt, und lange Zeit in der Bonner Region als Servicekraft gearbeitet hatte, übernahm im Jahr 1972 den „Treffpunkt“. Da gab es die Gaststätte bereits zwölf Jahre, erinnert sie sich. Woran sie ebenfalls noch lebhafte Erinnerungen hat: „Damals gab es fünf Kneipen in Wormersdorf.“ Derweil ist nach dem Aus für den Treffpunkt nur noch eine Gaststätte übrig geblieben: das „Gästehaus zur Tomburg“.

Dass er den Treffpunkt schließen musste, führt Mario Weber auf die Corona-Krise und den erneuten Lockdown seit November zurück. Weber, der 2003 die Geschäfte in der Gaststätte übernommen hatte, hadert dabei vor allem mit der Bundesregierung. Denn eine Überbrückungshilfe sei ihm nicht gewährt worden, sagt er. Die seit November komplett weggebrochenen Einnahmen zu kompensieren, sei ihm ohne Unterstützung schwergefallen. Ein Lichtblick war immerhin gewesen: „Meine Vermieterin ist mir mit der Pacht entgegengekommen.“ Auch habe es damals noch die Option gegeben, dass der „Treffpunkt“ in besseren Zeiten wieder öffnen kann, falls sich kein anderer Betreiber finden ließe, schildert Mario Weber die Situation.

Doch dann kam alles anders: Mitte März war laut Weber die Entscheidung gefallen, dass das ganze Haus verkauft werden soll. Derzeit steht die komplette Immobilie, Baujahr 1960, noch auf der Seite einer regionalen Bank zum Verkauf.

Die goldenen Zeiten waren schon lange vorbei

Mario Weber und Mutter Ingrid, die in der Kneipe weiterhin ausgeholfen hatte, fällt der Abschied schwer. Sicherlich seien die goldenen Zeiten längst vorbei gewesen und sie zuletzt froh, „wenn wir plus/minus Null nach Hause gegangen sind“, so Weber. Trotzdem hätten Sie gerne noch ein Weilchen weitergemacht. Allein schon mit Blick auf die Mitglieder fast aller Vereine im Dorf, die sich hier regelmäßig getroffenen hatten: „Wir hatten 95 Prozent Stammkunden, aber Corona hat uns den Rest gegeben.“

Für die Vereine sei die Schließung eine „Vollkatastrophe“, glaubt Weber. „Für uns ist das sehr traurig“, bestätigt Roswitha Born, Präsidentin der Fidelen Burgfrauen Wormersdorf: „Wir sind schon seit Urzeiten in den ‚Treffpunkt’ gegangen.“ Schweren Herzens habe man bereits alle Karnevalsbilder in der Gaststätte abgehängt. Diese könnten allerdings bald einen neuen Platz bekommen: Die Burgfrauen wollen ihren gastronomischen Treffpunkt nämlich verlagern – in die letzte Kneipe von Wormersdorf, das „Gästehaus zur Tomburg“.