„Krieg der Geranien“ im Rheinbacher Theater Das sind die kuriosesten Nachbarschaftsstreits aus Voreifel und Vorgebirge

Rheinbach · Im Rheinbacher Theater am Lohmarkt bricht im Mai und Juni der „Krieg der Geranien“ aus. Im neuen Stück braucht es dafür zwei sehr unterschiedliche Paare, die ungünstigerweise direkt nebeneinander wohnen. Dass solche Streitereien durchaus aus dem Leben gegriffen sein können, zeigt ein Blick ins GA-Archiv.

Am Gartenzaun hört die Toleranz oft auf. Die Ursachen für Nachbarschaftsstreitigkeiten sind dabei oft kurios. (Symbolbild)

Am Gartenzaun hört die Toleranz oft auf. Die Ursachen für Nachbarschaftsstreitigkeiten sind dabei oft kurios. (Symbolbild)

Foto: picture-alliance/ dpa-tmn/Jens_Schierenbeck

Es geht um scheinbar banale Themen: Eine Hecke wächst zu hoch, Kinder spielen zu laut, Autos stehen da, wo sie angeblich nicht stehen sollen. Und schon gibt es Zoff in der Nachbarschaft. Das Rheinbacher Theater am Lohmarkt zeigt ab dem 10. Mai in der Eigenproduktion „Krieg der Geranien“, welche absurden Auswüchse so ein anfangs oft kleiner Zwist am Gartenzaun haben kann. Und wie sieht es in der Realität aus? Ein Blick ins GA-Archiv zeigt, welche – von außen – absurden Nachbarschaftsstreitigkeiten in Vorgebirge und Voreifel bereits Gerichte und Polizei beschäftigten.

■ Kleinkrieg ums Baumhaus

In Meckenheim-Merl hatte ein Familienvater eigentlich eine gute Idee. Er baute seinen Kindern ein Baumhaus im Garten. Am Ende hatten im Jahr 2003 allerdings auch Anwälte und der Bauausschuss der Stadt einiges mit der überdachten Plattform zu tun. Denn die Nachbarn von gegenüber fühlten sich beobachtet. „Es ist eine Zumutung, dass die Kinder andauernd in Wohn- und Schlafzimmer anderer Leute gucken können“, wurden sie im GA zitiert. Es herrschte schließlich „Kleinkrieg in der Nachbarschaft“, zerkratzte Autos und Schikanen gegen die Kinder inklusive. Der Bauausschuss musste klären, ob so ein „Gebäude“ überhaupt zulässig sei, Anwälte übernahmen die Korrespondenz zwischen Baumhausbesitzern und Nachbarschaft. Viel Ärger um eine Bretterbude, für die die ursprünglichen Bewohner gegen Ende wahrscheinlich zu alt waren. Der Bauausschuss plädierte übrigens dafür, das Baumhaus zu dulden. Warum die Nachbarn nicht einfach Vorhänge an ihren Fenstern installierten, ist nicht überliefert.

■ Fliegende Pollen

Gartengestaltung ist Geschmackssache: Die einen mögen es penibel gepflegt, andere lassen lieber der Natur ihren Lauf. Um die magische Grenze, die aus menschlicher Sicht an der Grundstücksgrenze verläuft, schert sich die heimische Flora allerdings wenig. In Swisttal-Buschhoven flogen im Jahr 2004 Blütenpollen von unbebauten und ungemähten Grundstücken in die wohlgepflegten Gärten eines Baugebietes. Ein so starker Pollenflug, dass sich die dortigen Anwohner belästigt fühlten. Um „weitere Beeinträchtigungen und privatrechtlichen Streit zu vermeiden“, wie es damals im GA hieß, erging vom Swisttaler Bauamt die Aufforderung, die unbebauten Grundstücke entsprechen zu bearbeiten. „Kopf ab“ lautete das Urteil für die inzwischen mannshohen Disteln und andere pflanzliche Delinquenten.

■ Buttersäure gegen Gäste

Wenn es bei Nachbarschaftsstreitigkeiten bei Schriftverkehr bleibt, ist das zwar ärgerlich, aber immerhin im zivilen Rahmen. Im GA-Archiv finden sich allerdings auch zahlreiche Berichte über eskalierte Auseinandersetzungen, die nicht selten für mindestens einen Beteiligten im Krankenhaus endeten. Nicht selten flogen schon die Fäuste. Zu einer raffinierteren Waffe griff 2010 ein Anwohner von Swisttal-Odendorf, der sich offenbar am Betrieb einer gegenüberliegenden Gaststätte störte. Seine Beschwerden: Ruhestörungen, fremde Autos auf seiner Parkfläche, dort entleerte Aschenbecher. Nachvollziehbare Ärgernisse. Weniger nachvollziehbar: Der Mann soll auf vor der Gaststätte stehende Tische und Stühle Buttersäure gekippt haben – eine Substanz, die vor allem für ihren widerlichen Geruch berüchtigt ist. Zwar widersprach der Nachbar dem Vorwurf, das Amtsgericht Rheinbach verurteilte ihn trotzdem wegen Sachbeschädigung. Zeugenaussagen und Bilder einer Überwachungskamera überzeugten den Richter.

■ Sieben Mülltonnen am falschen Platz

Um unliebsame Gerüche ging es auch 2016 in Bornheim: Dort zog ein Ehepaar gleich über zwei Instanzen vor Gericht. Stein des Anstoßes: der neue Standort der insgesamt sieben Mülltonnen des benachbarten Mehrfamilienhauses. Der lag nämlich genau neben dem bevorzugten Sitzplatz des Paares. Die Tonnen würden nicht nur „mutwillig laut zugeknallt“, sondern vor allem im Sommer übel stinken, so der Vorwurf. Über die Frage, wie sehr der Geruch eine Belästigung sei und ob es nicht ortsüblich wäre, Mülltonnen an die Grundstücksgrenzen zu stellen, urteilten die beiden damit befassten Gerichte übrigens unterschiedlich. Bevor allerdings Richter und Co. einen aufwendigen Ortstermin organisieren mussten, „um einen sinnlichen Eindruck von der Müll-Lage zu haben“, wie es im GA-Artikel dazu heißt, fanden die Nachbarn selbst zu einer Einigung. Die Tonnen zogen einige Meter um.

■ Aufmerksame Helfer

Bevor nun der besorgte Blick über die Grundstücks- oder Wohnungsgrenze schweift, weil sich der Gedanke aufdrängt, ob von nebenan Ungemach droht: Fälle mit hilfreichen Nachbarn gibt es ebenfalls reichlich. Sie rufen etwa rechtzeitig die Feuerwehr, wenn es nach Rauch riecht, den Rettungswagen bei kleinen und großen Unfällen, oder die Polizei, sobald sie etwas Verdächtiges bemerken.

Vielleicht lohnt es sich, mit einer gemeinsamen Aktion den Zusammenhalt in der Nachbarschaft zu stärken. Zum Beispiel mit einem Besuch im Theater am Lohmarkt, um zu schauen, wie sich dort der „Krieg der Geranien“ zwischen zwei Paaren entwickelt. Dabei kann man dann gemeinsam lachen, sich hoffentlich nicht zu sehr selbst wiederkennen – und anstoßen: „Auf gute Nachbarschaft“.

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