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Fünf Jahre Haft: Drogenkurier hatte fast neun Kilo Kokain versteckt

Fünf Jahre Haft : Drogenkurier hatte fast neun Kilo Kokain versteckt

Er hatte Kokain im Wert von 450.000 Euro unter dem Fahrersitz versteckt. Das Bonner Landgericht verurteilte einen Drogenkurier zu einer Haftstrafe von fünf Jahren – trotz der rührseligen Geschichte, die er erzählte.

Das nennt man kurzen Prozess: Keine vier Stunden dauerte die Hauptverhandlung vor dem Bonner Landgericht am Dienstag. Am frühen Nachmittag wurde der angeklagte Albaner dann wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln und Beihilfe zum Drogenhandel zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der 33-Jährige war exakt vor einem halben Jahr auf der Autobahnraststätte Peppenhoven in eine Routinekontrolle des Zolls geraten. Die Beamten entdeckten dabei knapp neun Kilo Kokain in einem Versteck unter dem Fahrersitz seines BMW X3.

Es habe sich um eine „anlasslose Kontrolle“ gehandelt, so einer der Zollbeamten, denen der Mann auf seiner Fahrt Richtung Süden am 8. September 2020 auf der A 61 aufgefallen war, bei seiner Aussage als Zeuge. Offenbar haben die erfahrenen Zöllner aber doch einen Blick dafür, bei welchem Fahrzeug sich ein genaueres Hinschauen lohnen könnte. Jedenfalls dauerte es nicht lange, bis den Beamten unter dem Fahrersitz, des aus Amsterdam kommenden Oberklasse-SUV mit italienischem Nummernschild, einige abgenutzte Schrauben auffielen. Und tatsächlich: In einem doppelten Boden entdeckten die Zöllner zehn aus einer weißen Substanz gepresste und mit diversen Stempeln versehene Tafeln. Exakt 8.963,21 Gramm Kokain mit einem Wirkstoffgehalt von 6.390 Gramm maßen die Kollegen nach der Sicherstellung des Materials.

Wenig glaubwürdige Geschichte

„Hier haben wir wieder einmal einen Angeklagten, der das unfassbare Pech hatte, ausgerechnet bei seiner allerersten Kurierfahrt erwischt zu werden, mit deren Erlös er seine arme und schwerkranke Familie unterstützen wollte“, kommentierte der Vertreter der Staatsanwaltschaft süffisant das Geständnis des Angeklagten. Der Mann hatte sich bereits den Ermittlern vor Ort geständig gezeigt und angegeben, er habe den Auftrag übernommen, weil ein von ihm betriebener Autohandel in seiner italienischen Wahlheimat in Folge der Corona-Krise nicht mehr laufe. Es sei seine erste Fahrt gewesen und er habe seine krebskranke Mutter und den herzkranken Vater unterstützen müssen.

Eine Geschichte, die der Vertreter der Anklage nach seinem Bekunden in seiner Laufbahn bereits mehr als 50 mal in der einen oder anderen Form gehört hatte. Er hege daher große Zweifel insbesondere an der Tatsache, dass es sich um die erste Fahrt des Angeklagten gehandelt haben soll: Drogen im Marktwert von rund 450.000 Euro und ein Kurierfahrzeug, das ebenfalls mehrere zehntausend Euro wert sei, vertraue das organisierte Verbrechen in der Regel keinem Anfänger an. Dennoch – er konnte die Geschichte jedenfalls nicht widerlegen und plädierte daher dafür, den Mann zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren zu verurteilen. Das Geständnis sei auch deshalb etwas dünn, weil sich der Angeklagte nicht zu seinen Auftraggebern geäußert hatte.

Dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprach das Gericht schließlich genau. Der Anwalt des Kurierfahrers hatte auf eine Strafe von höchstens drei Jahren und neun Monaten plädiert: Sein Mandant habe doch ein „schnörkelloses Geständnis“ abgelegt.  Und es könne doch ruhigen Gewissens niemand erwarten, dass er seine eigene Sicherheit und die seiner Familie aufs Spiel setze, indem er die Hinterleute verrate.