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Areal an der Pallottistraße in Rheinbach : Ehemalige wollen Vinzenz-Pallotti-Kolleg als Kulturstätte erhalten

Areal an der Pallottistraße in Rheinbach : Ehemalige wollen Vinzenz-Pallotti-Kolleg als Kulturstätte erhalten

Eine Gruppe von ehemaligen Schülern, Lehrern und Unterstützern des Vinzenz-Pallotti-Kollegs in Rheinbach möchte das 2016 geschlossene Schulgebäude und die Pallottikirche als Kultur- und Tagungsstätte erhalten. Das Motto: „Viel Platz für Kultur“.

Die Abrissbagger haben an der Pallottistraße in Rheinbach bereits ganze Arbeit geleistet. Die Internatsgebäude des Vinzenz-Pallotti-Kollegs (VPK) sind 2018 verschwunden. Auf dem Areal wachsen 285 Wohneinheiten für rund 900 Menschen. Der Freundeskreis Pallottistraße 1 möchte unter dem Motto „VPK – Viel Platz für Kultur“ die Pallottikirche und weitere Teile des VPK wie das Patres-Wohnheim erhalten. Am Samstag, 20. Juni, 19 Uhr, präsentiert „Viel Platz für Kultur“ den Musikjournalist Linus Volkmann mit „Sprengt die Charts – Wie werde ich Popstar?“ im Autokino. Stephan Faber (53) ist ehemaliger Pallottischüler und Projektleiter von „Viel Platz für Kultur“.

Was ist das Besondere am noch bestehenden Gebäudeensemble? Warum muss es aus Ihrer Sicht erhalten bleiben?

Stephan Faber: Das Ensemble muss erhalten bleiben, weil es seit vielen Jahrzehnten ein markanter Punkt in Rheinbach ist. Die Substanz zwischen altem Kloster und Kirche ist keineswegs heruntergekommen: Es braucht vielleicht ein bisschen frische Farbe und ab und an eine neue Armatur, aber in sich ist das Ganze top in Schuss. Wir glauben, dass man diesen Ort mit einer neuen Idee und einem neuen Konzept fortführen kann, als eine „Kirche der Ruhe“, ein Ort der Bildung, der Kultur und der Unterhaltung. Wir glauben, dass man all das in diesem Ensemble unterbringen kann – mit verschiedenen Elementen und verschiedenen Partnern. Letztlich kann so ein sogenannter Dritter Ort entstehen, wie es von der Förderung durch das Land auch gefordert wird.

Was ist ein Dritter Ort?

Faber: Die Definition kommt aus Amerika. Der erste Ort ist der, wo ich mit meiner Familie wohne. Der zweite ist die Arbeitsstelle und der Dritte Ort ist ein Ort in der Kommune, der mir zur Verfügung steht, um eine Tasse Kaffee zu genießen, ein Buch zu lesen, eine Veranstaltung besuchen zu können oder sich fortzubilden. Es ist ein Stadtzentrum mit verschiedenen Angeboten. Es gibt in NRW viele Kulturzentren, die eigentlich Dritte Orte sind. An der Pallottistraße gibt es auch eine große Küche, weshalb man sich dort allerhand vorstellen könnte. Und das ist, was diesen Ort, der schon da ist, so perfekt macht: Es ist eine Fülle von Möglichkeiten.

Gibt es einen Markt für Seminare und Tagungen in Klosteratmosphäre oder hören Sie nicht schon Investoren mit den Hufen scharren, die Wohnraum errichten wollen?

Faber: Es gibt natürlich die Investoren, die am liebsten Wohnraum generieren würden. Damit ist aber verbunden, dass alles, wie es so schön heißt, „niedergelegt“ wird – dass die Kirche, das Patres-Wohnheim und wohl auch das Hermaneum abgerissen werden. Letzteres steht zwar unter Denkmalschutz, aber man weiß, dass das in Deutschland keine Investoren abhält. Wir sagen: Letztlich entsteht auf dem hinteren Teil des Pallotti-Areals jede Menge Wohnraum. Wir haben aber überlegt, ob man den vorderen Teil des Gebäudes nicht zu einer Art Mehrgenerationenwohnen umbaut. Die entsprechenden Installationen gibt es bereits. Es gibt dort im Patres-Wohnheim auch einen Aufzug und ein behindertengerechtes Bad.

Rennt der Verein offene Türen ein, wenn er am Rande eines Neubaugebietes eine Kirche und frühere Klosterräume erhalten will?

Faber: Man würde es ja meinen. Die Stadt hat uns gegenüber erklärt, dass sie die Kirche erhaltenswert findet und es einen Abriss nicht geben darf. In dem Konzept, das letztlich den Architektenwettbewerb gewonnen hat, steht, dass die Kirche als zentraler Platz für das neue Quartier gesehen wird. Die Beziehung ist nur kompliziert zu den eigentlichen Eigentümern: den Pallottinern. Das hätten wir als Letztes gedacht.

Was macht es kompliziert?

Faber: In den Gesprächen mit den Pallottinern heißt es immer: Macht eine Kulturkirche wie etwa in Köln. Ja, gerne, aber das Ganze muss sich auch wirtschaftlich tragen. Gerade jetzt, in einer Krise, die zeigt, wie stark Kultur unter Druck steht, wenn ein oder zwei Monate kein Betrieb ist. Kernstück unserer Idee ist, dass wir ein Seminar- und Tagungshaus haben, das Geld abwirft und hilft, die anderen Sachen mitzufinanzieren.

Was ist in einem Raum wie der Pallottikirche denn alles denkbar?

Faber: Eigentlich alles. Ein Kino ist etwas, was in Rheinbach fehlt. Das sieht man am Erfolg vom Autokino und des Sommerkinos, das auch immer sehr gut besucht ist. Man kann auch in die Pallottikirche gehen, um Ruhe zu finden. Unsere Idee ist, die Kirche nicht zu profanieren, sondern als geweihten Raum stehen zu lassen. So könnte man unter anderem Hochzeiten dort feiern, die dann fortgesetzt werden könnten im restlichen Gebäude. Mit Pallottinerpater Horst Liedtke haben wir einen spirituellen Freigeist, der nicht sofort die Kirche zusperrt, wenn wir mal etwas Eckigeres oder Kantigeres in der Kirche vorhaben. Man könnte die Kirche auch als Ausstellungsraum nutzen oder als Konzertraum. Nach wie vor soll die Orgel in Erscheinung treten.

Das klingt nach einer großen Bandbreite.

Faber: Durch die Architektur ist das eine enorme Spielfläche. Wir planen etwa Konzerte im Liegen zu machen. Die Bänke kommen beiseite und dank der vorhandenen Fußbodenheizung können sich die Besucher auf den Boden legen und dann ein Konzert im Liegen genießen. Das ist das Spannende an dem Raum. Darum würde ich ihn nie zerteilen. Es ist ein Raum, wegen dem bestimmte Künstler, die sich im Raum Köln oder Bonn aufhalten, auch nach Rheinbach kommen werden. Das wäre eine wahnsinnige kulturelle Bereicherung. Zugang soll es auch für Vereine und Institutionen aus Rheinbach und dem Umland geben. Ein Partner von uns ist die Landesmusikakademie, die Interesse an der Kombination Kultur, Kirche, Unterbringung und Verpflegung hat.

Die nächste VPK-Veranstaltung ist der Auftritt von Linus Volkmann im Autokino – eine Lesung zur Pop-Kultur. Ist das ein Fingerzeig, wohin die Reise bei Ihren Veranstaltungen geht?

Faber: Das ist eine Facette. Bands haben es im Autokino nicht so leicht und zum Autokino eher ein ambivalentes Verhältnis. Linus arbeitet mit vielen Einspielern, die wir zusammen produziert haben für Arte. Das wird gut kommen auf einer LED-Wand im Autokino. Urbane Popkultur würden wir gerne nach Rheinbach bringen. Mit „Rheinbach liest“ könnten wir uns vorstellen, Künstler und Autoren von außen nach Rheinbach zu holen. Linus hat mit Jan Böhmermann den Grimme-Preis gewonnen. Und er ist einer der letzten echten Musikjournalisten in Deutschland.

Wen würden Sie sich persönlich mal als Bühnengast wünschen?

Faber: Mir wäre es wichtig, kulturell eine große Vielfalt darzustellen. Dass man vielleicht irgendwann ein eigenes, einwöchiges Festival mit unterschiedlichen Bands und Lesungen hat. Etwas, womit man die ganze Stadt zum Vibrieren bringt – nicht nur, wenn die Oldtimer durch die Straßen fahren. Was gar nicht so unrealistisch ist, ist dass Peter Licht bei uns spielen wird. Er ist ehemaliger Pallottischüler. Schön wäre zu zeigen, was aus ehemaligen Pallottinern geworden ist. Etwa Gereon Krahforst, Hauptorganist von Maria Laach, oder Thomas Greuel, der unter anderem als einer der drei „Platin-Tenöre“ mit André Rieu getourt ist. Insgesamt bin ich mir sicher, dass wir mit dem Ensemble aus Akustik und Architektur auch große Stars in die Pallottikirche anlocken können.