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Baggerfahrer arbeitet als Freiwilliger an der Ahr: Eine Schaufel für ein Halleluja

Baggerfahrer arbeitet als Freiwilliger an der Ahr : Eine Schaufel für ein Halleluja

Der Rheinbacher Günter Döhnert macht sich wochenlang mit seinem Bagger auf dem Weg in die Flutgebiete an der Ahr. Auf eigene Kosten. Was er vor Ort erlebt hat, wird ihm nach eigener Aussage für immer im Gedächtnis bleiben.

Für Günter Döhnert steht außer Frage, dass er im Angesicht der Jahrhundertkatastrophe eine Schippe drauflegen muss. Worten ließ er bereits mit einem einwöchigen Aufräum-Einsatz in den Flutgebieten an der Ahr mit seiner Firma Taten folgen. Danach entschloss sich Rheinbacher zu einer wirklich ungewöhnlichen Hilfsmaßnahme. Döhnert reichte kurzerhand seinen Jahresurlaub ein und mietete sich auf eigene Kosten einen Bagger seiner Firma an. Damit schaufelte er in Bad Neuenahr-Ahrweiler zerstörten Hausrat in Container, kratzte auf Camping-Plätzen der Region Reste von Bungalows zusammen und zog in der Region Autowracks aus Tiefgaragen. Doch seine Mission ist damit nicht beendet.

Döhnert ist Polier und seit Jahrzehnten versiert im Führen beliebiger Baumaschinen. In den vergangenen Wochen waren besonders seine Fähigkeiten an den Steuerknüppeln eines 18-Tonnen-Baggers gefragt. „Einen Baggern zu bewegen ist keine Kunst“, sagt der 59-Jährige. „Aber mit Baggern arbeiten sehr wohl.“ Seine Arbeit sei alles andere als grobschlächtig. Hier sind nur wenige Zentimeter Platz zum Rangieren, da ist behutsames Anpacken gefragt, um nicht mehr zu zerstören als ohnehin schon geschehen. „Bei Einsätzen in Gebieten wie dem Ahrtal kommt es daher besonders auf Fingerspitzengefühl an. Ich denke schon, dass gewisse Übung dabei den Meister macht.“

Im Ahrtal familiär verwurzelt

Döhnert lebt in Rheinbach-Kurtenberg, auch sein Keller stand nach der Flut unter Wasser. „Aber als ich gesehen habe, wie das Hochwasser an der Ahr gewütet hat, musste ich etwas tun“, sagt der Bauarbeiter. „Gute Bekannte und Freunde von mir leben in Altenahr. Ich bin dort seit vielen Jahren familiär verwurzelt. Ich habe einen starken Bezug zur Ahr-Region. Deshalb ging es mir besonders nahe, meine zweite Heimat derart in Trümmern zu sehen.“

Also beschloss der Rheinbacher, zu helfen. „Gerade in den Anfangstagen der Aufräum-Arbeiten bestand enormer Hilfsbedarf. Zuwegungen waren vielerorts unpassierbar. Schutt, Müll und Inventar lagen bergeweise auf den Straßen. Deshalb bemerkte ich schnell, dass ein Bagger vor Ort dringend benötigt wurde“, sagt Döhnert. Der Helfer sprach sich mit Koordinatoren vor Ort ab, lief zum Chef seiner Firma und nahm kurzerhand seinen gesamten Jahresurlaub. Bei der Anmietung des Fahrzeugs war ihm seine Fima zusätzlich behilflich. „Anschließend habe ich einen Bagger mitsamt Tieflöffel, Sortiergreifer und Palettengabel ausgeliehen, um damit vor Ort optimal mithelfen zu können.“ Das ließ sich der Polier rund 5000 Euro kosten. Gut investiertes Geld, wie er findet. „Das ist meine Art und Weise, um Gutes zu tun. Und ich weiß genau, dass mein Geld genau an den Stellen ankommt, an denen es am dringendsten gebraucht wird.“

Mehrere Tage brachte Döhnert in Altenburg zu, schaufelte Tonnen von Bauschutt in Lastwagen. Danach war eine Deponie in Kreuzberg sein Einsatzort. „Die Riesenberge aus Müll mussten sortiert werden. Weißware, Metallschrott und Schwemmholz lagen dort kreuz und quer beieinander“, sagt er. Danach ging es für den Baggerfahrer ins Sahrbachtal. „Dort half ich bei der Instandsetzung von Straßen, die wieder befahrbar gemacht werden mussten.“ Auch in Pützfeld rammte Döhnert seine Schaufeln ins Erdreich. „Ich stand mit meiner Maschine etwa eine Woche auf einem Campingplatz, oder dem, was davon übrig war.“ Der Bauarbeiter räumte Müll beiseite, entfernte Wagenladungen voll Schrott und Schwemmholz sowie die Plattenbeläge der einzelnen Parzellen. „Entkernung und Begradigung“, wie Döhnert es nennt.

Döhnerts Sommerurlaub war schweißtreibend. Gearbeitet hat der 59-Jährige meist von 7 bis 21 Uhr. Danach ging es zurück nach Rheinbach. Am kommenden Tag das selbe Spiel von vorn. „Aber das macht nichts. Die geringe Distanz ist kein Problem“, sagt Döhnert. „Das gleiche würde ich jederzeit wieder tun.“

Über das Zusammenspiel mit anderen Hilfsorganisationen, Bundeswehr oder Freiwilligen kann Döhnert nichts Negatives sagen. „Es waren derart viele Helfer vor Ort, das war atemberaubend. Von überall her kamen viele junge Leute mit Gummistiefeln, Schaufeln und Eimern oder Schubkarren – aber das war eben auch bitter nötig. Jede helfende Hand wurde gebraucht.“ Auch neue Bekanntschaften hat Döhnert geschlossen. „Ich habe tolle neue Leute kennengelernt, wir haben uns bei der Arbeit optimal ergänzt.“ Dass die Bundeswehr ihn und andere Helfer mit Treibstoff versorgte, kam dem Baggerfahrer außerdem sehr zu pass. „Denn wenn ein solches Großgerät entsprechend beansprucht wird, sind schnell 100 Liter Diesel pro Tag weg.“ Auch in Sachen Verpflegung will Döhnert nicht klagen. „Die Anwohner haben alles in ihrer Macht stehende getan, um die Helfer zu versorgen.“ Mal gab es Chilli-Eintopf, mal Brötchen. Auch an Cola, Wasser oder Limo habe es nie gehapert. „Sicherlich war es meist keine 3-Sterne-Küche, aber wir konnten damit sehr zufrieden sein.“

Einzig die unzulängliche Koordination des Verkehrs haben ihn in den Anfangstagen Zeit und Nerven gekostet. Unverständlich bleibt für ihn, dass derart viele Katastrophen-Touristen ohnehin schon mehrheitlich blockierte Straßen verstopften. „Auch die Anreise der vielen Freiwilligen per Auto hätte anders koordiniert werden müssen, um die wenigen intakten Wege nicht so stark zu überlasten.“

Als Lohn für seine Mühen erwartet Döhnert nichts. „Unter Umständen gibt es in meinem Fall die Chance, das Helfer-Organisatoren mir die Mietkosten erstatten können. Aber das war nie meine Intention. Es ging immer darum, Menschen zu helfen. Und das habe ich mit dem Bagger getan.“ Döhnert klingt nach seinem dreiwöchigen Katastrophen-Einsatz im Ahrtal zufrieden, glücklich beinahe. Als eine Woche später sein Telefon klingelt, steht fest, dass er an seinem ersten freien Wochenende seit Langem erneut in seine zweite Heimat reisen wird. Um alten und neuen Freunden zu helfen.