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Rheinbacher Campus wird erweitert: Elf Millionen Euro für die Lehre

Rheinbacher Campus wird erweitert : Elf Millionen Euro für die Lehre

Das Prinzip klingt einfach: Man nehme eine Fassade, baue alle montierfähigen Teile ab, lege diese zur Seite und hole sie dann wieder hervor, wenn das Gebäude gewachsen ist. Nachhaltiges Bauen ist nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern ein Trend, der Konjunktur hat. Wie es konkret funktioniert, das können die rund 3200 Studierenden des Rheinbacher Campus der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg bald hautnah beobachten.

Wenn das Hochschulgebäude im kommenden Jahr erweitert wird, gehen die Bauarbeiter mit Nachhaltigkeit zu Werke. Für insgesamt 36 Millionen Euro entstehen in Sankt Augustin und Rheinbach neue Hochschulbauten - rund 25 Millionen Euro werden in Sankt Augustin verbaut, in Rheinbach sind es elf Millionen Euro.

Die Pläne zur Erweiterung des Campus sind fertig und machten sich am Montag auf den Weg gen Düsseldorf. Das grüne Licht von gleich drei Ministerien (Bau, Finanzen und Wissenschaft) vorausgesetzt, sollen ab Herbst nächsten Jahres die Bagger im Hochschulviertel rollen. Von den elf Millionen Euro für "mehr Raum für Lehre und Forschung", wie Hochschulpräsident Hartmut Ihne es ausdrückt, kommen zwei Drittel vom Land, ein Drittel von der Hochschule.

Schon 2010 habe eine Überprüfung der Raumsituation am Rheinbacher Campus ergeben, dass die Hochschule mehr Platz benötigt. Nachdem das Land den Mehrbedarf anerkannt und die Finanzierung gebilligt hat, macht sich das Großprojekt nun auf den Genehmigungsweg. Steigende Studierendenzahlen, mehr Beschäftigte und mehr Forschung lassen nur einen Schluss zu, wie Ihne feststellt: "Wir sind als Hochschule nicht nur qualitativ besser geworden, sondern auch quantitativ."

Die neuen Räume für Lehre und Forschung entstehen in direkter Nachbarschaft zu bestehenden Gebäuden. Die Flächen, die heute als Park genutzt werden, sind mit Bedacht als mögliche Expansionsareale freigehalten worden, sagt Bürgermeister Stefan Raetz, der mit einem Augenzwinkern an die Anfänge der Hochschule in Rheinbach vor fast 20 Jahren denkt: "16 Studierende haben 1995 im Stadtpark begonnen. Dort, wo jetzt die Albert-Schweitzer-Schule ist."

Ausgelegt, weiß Ihne, war die Hochschule seinerzeit auf 2500 Studierende in Sankt Augustin und Rheinbach. Zwei Jahrzehnte später sind es 7300 - davon circa 3200 in Rheinbach. "Das ist eine Verdreifachung. Die muss sich auch im Raum abbilden", so der Präsident. Mehr Raum soll es in den neuen Räumen für die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft geben.

Im neuen Zentrum für Angewandte Forschung (ZAF) kommt anwendungsorientierte Forschung mit Unternehmen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen der Region zusammen (siehe Kasten). Ihne: "Wir begreifen die Hochschule nicht nur als Lehr- und Forschungsstätte, sondern als Kraftquelle für die Entwicklung einer regionalen Infrastruktur."

2017 soll der Neubau fertig sein. Für wie viele zusätzliche Studierende die Erweiterung ausgerichtet ist, lässt sich schwer prognostizieren. "Es entspannt die Situation für die, die da sind", sagt Eva Tritschler, Pressesprecherin der Hochschule. "Und wenn sich alles entspannt hat, nimmt man automatisch mehr Studierende auf", meint Michaela Schuhmann, Vizepräsidentin für Wirtschaft und Personal an der Hochschule.

Die Aufteilung

Am Rheinbacher Campus entstehen ab 2015 zusätzliche 2300 Quadratmeter: Die Fachbereiche Wirtschaftswissenschaften und Angewandte Naturwissenschaften belegen 700 Quadratmeter, das Institut für Detektionstechnologie 600 Quadratmeter und das Zentrum für Angewandte Forschung (ZAF) 400 Quadratmeter. Für sogenannte allgemeine Hochschulzwecke stehen 353 Quadratmeter bereit. Ferner vergrößert sich die Bibliothek um 243 Quadratmeter.