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Psychologische Beratungsstelle Rheinbach: Ersthelfer für Kinder und Eltern

Psychologische Beratungsstelle Rheinbach : Ersthelfer für Kinder und Eltern

Die feindlichen Ritter sind vor der Burg in Stellung gegangen und nebenan tummelt sich im Sandbecken allerlei wildes Getier. Diese Szenerie entdeckt, wer die Psychologische Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern des Rhein-Sieg-Kreises in Rheinbach betritt. Kaum etwas weist auf eine Behörde hin.

"So soll es auch sein, damit sich die Familien wohlfühlen können", sagt Ernst Kaufmann, der die Einrichtung seit 32 Jahren leitet. Denn der Weg in eine Psychologische Beratungsstelle sei ohnehin meist mit Ängsten verbunden.

Seit 35 Jahren gibt es das Beratungsangebot, das sich an Familien oder Alleinerziehende in kleinen und großen Krisen wendet. Die Rheinbacher Außenstelle, eine von vieren im Kreis, ist auch noch zuständig für Meckenheim, Swisttal und Wachtberg. Die Problemfelder sind vielfältig: "Aber fast in jedem zweiten Fall spielt das Trennungs- oder Scheidungsthema eine Rolle", erzählt Kaufmann.

Grundsätzlich sei es wichtig, für eine Analyse das gesamte Umfeld des Kindes zu betrachten. Dann können, wie das Beispiel einer Zehnjährigen zeigt, auch schon einmal Oma und Opa wichtig werden.

"Das Mädchen hatte viele Ängste, und wir haben in Gesprächen mit allen Beteiligten herausgefunden, dass die Angst als solche schon in der Familie der Mutter ein großes Thema war", sagt Berater Christian Züchner. Nach zwölf Terminen habe man die Angst zwar nicht beseitigt: "Aber es ist uns gelungen, einen anderen Umgang mit der Angst zu finden", so Züchner.

Der Erstkontakt komme meist über Empfehlungen von Nachbarn, Freunden, dem Kindergarten, der Schule oder dem Jugendamt zustande. "Die einzige Bedingung ist, dass sich die Familien selbst anmelden, da unsere Leistungen kostenfrei sind und sie so ihre Freiwilligkeit zeigen", sagt Maria Buchholz-Engels, die die Psychologischen Beratungsdienste des Kreises leitet.

Meistens seien es die Mütter, die die Kinder anmeldeten. "Aber wir haben die allermeisten Väter auch mit im Boot, denn nur wenn alle mitziehen, besteht Aussicht auf Erfolg", meint Kaufmann. Neben der Einzelfallberatung bildet die Vernetzung mit Institutionen einen Schwerpunkt für die fünf Fachkräfte, die alle einen psychologischen, sozialpädagogischen oder heilpädagogischen Hintergrund haben.

"Unser Ansatz ist früh zu helfen, weshalb es zum Beispiel wichtig ist, Ärzte, Erzieher oder Lehrer zu sensibilisieren", betont Buchholz-Engels. Und auch da, wo der Kontakt zwischen Eltern und Kindern schon fast abgerissen ist, versuchen die Rheinbacher zu vermitteln. 2011 traf sich eine Elterngruppe, denen Züchner Folgendes beibrachte: "Autorität entsteht durch eine Beziehung." Fast alle hätten mit dieser Methode Erfolg gehabt.

Die Psychologische Beratungsstelle liegt an der Aachener Straße 16 in Rheinbach. Telefonisch ist sie unter 02226/92785660 und per E-Mail an eb.rheinbach@rhein-sieg-kreis.de erreichbar.