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Rheinbacher Musiker spielt Rolling-Stones-Stücke in Mundart: Et es nix als Rock 'n' Roll

Rheinbacher Musiker spielt Rolling-Stones-Stücke in Mundart : Et es nix als Rock 'n' Roll

Mai 1965: Eine britische Rockband stürmt mit "I can't get no Satisfaction" die US-Charts. Für einen 13-Jährigen aus Rheinbach eine Offenbarung: Bernd Schumacher ist heute 62, Lehrer, Krimiautor und selbst Musiker. Und er spielt Stücke der Stones in Mundart.

Die Rolling Stones haben Bernd Schumacher durch die Jahrzehnte begleitet, zusammen mit Eric "Slowhand" Clapton, Police und den Dire Straits seinen ganz persönlichen Soundtrack bestückt, und er wird wohl tatsächlich nie genug von ihnen bekommen. Folgerichtig singt er nun die Hits seiner Idole in Mundart.

Darunter die bekannten wie "Hampelmann-Blitz" (Jumpin' Jack Flash) und die besonderen Schätze wie "Deef en mir" (Streets of Love), die die wahren Fans im Regal hüten. "Salz vun de Ääd" (Salt of the Earth) heißt das rund 90-minütige Konzert, das er kürzlich gemeinsam mit seinem Bruder Arno (Gitarre, Mundharmonika) und Günther Nürnberg (Percussion) im ausverkauften Drehwerk in Wachtberg-Adendorf gegeben hat.

Die Stones in Mundart? Wie verträgt sich denn das? Mit überraschender Leichtigkeit, überzeugend authentisch. Oder auch "jraaduss", wie BAP-Chef Wolfgang Niedecken sagen würde, der zu diesem Programm das ursprünglich für die Band Brings gedichtete "En Hääd welde Pääde" (Wild Horses) beigesteuert hat.

Schumachers Freund aus alten Rheinbacher Zeiten; aus den 60ern, als die Beat-Bands auch im Rheinland wie Pilze aus dem Boden schossen. Dazu gehörte unter anderem The Troop, in der Bernd Schumacher und sein jüngerer Bruder Arno in die Saiten griffen, nachdem Niedecken nach Köln gegangen war und die sie später in Tiebreaker umbenannten.

Wolfgang Niedecken hat ihn auf die Idee gebracht

"Wolfgang hat mich auf die Idee gebracht, als er 1989 als Gastmusiker mit uns spielte. Unter anderem auch das Stück "Waade op ne Fründ" (Waitin' on a Friend), das auf dem im August 1981 erschienenen Album "Tattoo You" zu finden ist. Eigentlich, fügt Schumacher beim Gespräch mit dem GA in seinem Rheinbacher Stammcafé am Voigtstor hinzu, wollte Niedecken - selbst ein großer Stones-Fan - 'mal so ein Programm machen. Das hat er auch, allerdings mit Songs von Bob Dylan.

"Ich habe dann selbst angefangen, ein paar Stücke in Mundart zu übersetzen, und im Laufe der Zeit sind immer mehr dazugekommen, bis mein Bruder Arno vor kurzem sagte: Jetzt wär's eigentlich mal an der Zeit. Also haben wir die Setliste vervollständigt und mit den Proben für "Salz vun de Ääd begonnen."

Einige der Texte halten sich eng ans Original aus der Feder von Mick Jagger und Keith Richards. Das durch und durch sozialkritische Titelstück des Programms zum Beispiel, dessen deutsche Version sich wirklich hören lassen kann.

Dead Flowers hat Schumacher mit "Dude Blome" übersetzt, "Maach Dich von menger Wolk" (Get off my Cloud) und "Spell net met Führ" (Play with fire) treffen den rotzig-respektlosen Ton des einfachen Jungen gegenüber den arroganten Mädchen aus der Upper Class, und der "Stroßekampf-Jung" (Street Fighting Man) passt exakt zum Sound des Stones-Klassikers auf der am 6. Dezember 1968 erschienenen LP "Beggars Banquet", Schumachers Nummer eins. "Ich habe sie damals zu Weihnachten geschenkt bekommen und bis Silvester ungefähr 400 Mal gehört", fügt er mit Augenzwinkern hinzu. "Es ist das wohl politischste Album und kehrt musikalisch zu den Wurzeln zurück."

Gleich dahinter kommt das auch vom ehemaligen BAP-Gitarristen Helmut Krumminga favorisierte "Black and Blue": eine dieser Perlen, die Kenner zu schätzen wissen, während der Mainstream darüber hinweggeht.

Gelegentlich hat Schumacher die Vorlage etwas freier interpretiert, die Route 66 kurzerhand in den "Rutweng-Wander-Wääch" umbenannt und "Paar Määdche" (Some Girls) ein wenig entschärft. Einen ganz neuen Text bekam das 1964 komponierte "As tears go by", mit dem Marianne Faithfuls Karriere begann. "Ich ess et brut drüsch" erzählt eine kleine Geschichte für sich: von einem dieser urigen rheinischen Typen.

"In Mundart kommt einfach mehr rüber"

Deren Lebensgefühl Rhythm & Blues - oder kurz R & B - von allen am besten auszudrücken vermag. "Die Musik der Leute wie du und ich, auch der melancholischen und tragischen Figuren, die wirklich noch etwas zu erzählen haben", bringt Schumacher es auf den Punkt.

"In Mundart kann man solche Sachen viel besser und direkter ausdrücken als im Hochdeutschen. Da kommt einfach mehr rüber; mehr Herz und manchmal auch ein Schuss Selbstironie." Auf der Bühne an Gitarre und Mundharmonika kongenial umgesetzt von Arno "Keith" Schumacher. Als käme just im nächsten Moment die Bluesrock-Legende Alexis Korner um die Ecke.

Und Bernd Schumacher hat mindestens zehn weitere Stücke in der Schublade, genug Material für einen zweiten Teil. Auch eine CD könnte er sich gut vorstellen. Auf jeden Fall soll es Anfang 2015 mit weiteren Konzerten des "Salz vun de Ääd" weitergehen. Frei nach dem Motto "Et es nix als Rock' n' Roll ..."