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Linksrheinischer Rhein-Sieg-Kreis: Gastronomen halten sich mit Außengastronomie über Wasser

Linksrheinischer Rhein-Sieg-Kreis : Gastronomen halten sich mit Außengastronomie über Wasser

Das Geschäft an den Tischen im Freien hält Gastronomen im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis über Wasser. Sie haben aus der Not während der Coronakrise eine Tugend gemacht. Doch Sorgen haben sie vor dem Herbst.

Heiß ist es. Nicht nur in den Straßen Rheinbachs. Christopher Nolden ist Koch und Inhaber des Restaurants „die Küche“ und kommt leicht verschwitzt aus selbiger. „Mit Maske zu arbeiten wäre bei der Hitze über den Geräten gar nicht möglich“, sagt er. Er habe einen enormen Respekt vor den Servicekräften, die mit Mund-Nasen-Schutz trotz Außentemperaturen von mehr als 30 Grad und allgemein schwierigen Umständen so fantastische Arbeit leisten und die Gäste gewohnt freundlich an den Tischen bedienen.

Diese sitzen unter freiem Himmel an schön eingedeckten Tischen in der Mittagssonne, lassen es sich schmecken — und halten natürlich Abstand zum Nachbarn. Nachdem der 43-Jährige sein Restaurant am 14. Mai wieder geöffnet hatte, waren die Gäste zunächst etwas verhalten zurückgekehrt, berichtet er. „Unsere Stammgäste gehören ja auch teilweise der Risikogruppe an.“ Doch nun sei ein wenig Zeit und Alltag ins Land zurückgekehrt,  und die Möglichkeit, draußen zu sitzen, sei ein klarer Vorteil für das Gastronomiegeschäft.

„Das Wetter spielt uns sehr in die Karten“, sagt  Nolden. Er fragt allerdings, wieso Servicekräfte generell nur mit Mund-Nase-Schutz an die Tische treten dürfen, die Gäste aber von dieser Schutzmaßnahme keinen Gebrauch machen. „Meine Mitarbeiterinnen schützen mit ihren Masken den Gast, aber es sollte andersrum genau so sein,“ sagt Nolden.

Auch andere Gastronomen im Linksrheinischen haben hie und da aus der Not eine Tugend gemacht. Stefan Hoffmeister, Betreiber des Restaurants Graf Belderbusch in Miel, hat die Streuobstwiese des Schlosses zum Ort des gemütlichen Dinierens im Freien entdeckt. „Hier können die Abstandsregelungen gut eingehalten werden“, sagt er. Wo nach Corona die Veranstaltungen wie Geburtstags- und Hochzeitsfeiern im Restaurant ausgefallen seien, liefe derzeit vor allem das à la carte-Geschäft sehr gut mit Sommergästen. „Viele, die nicht ins Ausland in den Urlaub fahren, kommen stattdessen zu uns“, berichtet der 44-Jährige. Diese genießen dann den Urlaub auf Balkonien — oder vielmehr Terrassien.

Koch Christoph Nolden betreibt in Rheinbach das Restaurant „die Küche“ und das „Eiswerk“. Foto: Theresa Holstege

Großer Mehraufwand durch Corona

Das gute Wetter zieht auch viele Kunden in Noldens „Eiswerk“ direkt gegenüber seines Restaurant in Rheinbach. Corona ziehe auch einen enormen Rattenschwanz an Mehrarbeit nach sich. Einen Aufwand, dem die Servicekräfte aktuell nachkommen. Nach jedem Gast müssen Besteck, Tische, Tisch-Sets, Kulis und dergleichen desinfiziert werden. Hinzu komm die Kontaktdatenerfassung, die alle Restaurants von ihren Gästen erheben müssen. „98 Prozent unserer Gäste haben mit dieser Verordnung kein Problem“, berichtet Nolden. Einige Gäste druckten die Formulare schon zu Hause aus und brächten sie mit.

Der Restaurantinhaber zeigt sich sehr froh darüber, dass an dieser Stelle so viel Verständnis und Respekt von den Gästen gezeigt wird. Alle Gastronomiebetreiber zehren von der Treue ihrer Kundschaft. Wie beispielsweise Ali Ercosman vom „La Campana“ in Meckenheim. „Es ist immer noch eine kritische Zeit“, sagt er. Doch vor allem der Lieferdienst und die Unterstützung der Stammkunden hielten alles am Laufen. Gabriele Piel vom Hotel & Gasthaus „Spargel Weber“ in Alfter kann dies nur bestätigen: „Die Dorfgemeinschaft kommt regelmäßig her, dafür bin ich sehr dankbar.“

Im Hotel fehlen die Gäste

Mit ihrem Mann Dieter Piel betreibt sie den Traditionsgasthof in der vierten Generation. Doch neben der treuen Stammkundschaft und den Monteuren, die im Hotel ein Zimmer belegen, fehlt es an Gästen. „Die Menschen sind noch stark verunsichert“, sagt die 60-Jährige. Ihrer Meinung nach sei es da nicht verwunderlich, wenn keine richtige Feierlaune aufkäme. „Wir haben aber Gott sei Dank den Vorteil, dass unser Geschäft sehr groß ist“, erzählt Piel. Bei einer Fläche, die normalerweise 120 Gäste aufnehmen würde, könnten die vorgeschriebenen Abstände ganz gut eingehalten werden.

Das Sommer- und Terrassengeschäft spielt aktuell vielen Gastronomen in die Karten. Ein paar Wochen lang werden die Gastronomen die Sonne noch gut nutzen können. „Was ist, wenn der Herbst kommt, bleibt abzuwarten“, sagt Christopher Nolden.