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Filmdreh zu „Wunderwald“: Glasfachschüler aus Rheinbach erobern Filmfestivals

Filmdreh zu „Wunderwald“ : Glasfachschüler aus Rheinbach erobern Filmfestivals

Ein Team der Rheinbacher Glasfachschule drehte im Hambacher Forst und im Kottenforst einen Dokumentarstreifen über Klimaschutz, der unter die Haut geht. Konrad Beikircher konnten sie als Sprecher gewinnen.

Etwas fürs Leben haben die Mädchen und Jungen der Rheinbacher Glasfachschule bereits vor ihrem Abschluss gelernt: „Sich nicht abwimmeln lassen“, gibt Berufsschullehrer Bernd Siering ihnen mit auf den Weg. Ausgerechnet an Kabarettist Konrad Beikircher erproben seine Schüler die gewonnene Erkenntnis. Mit Erfolg: Den in Bad Godesberg lebenden Gralshüter des rheinischen Idioms können die angehenden Gestaltungstechnischen Assistenten als Sprecher ihren eindrucksvollen Dokumentarstreifens „Wunderwald“ gewinnen – ein Film, der unter die Haut geht.

Bis zu drei Kameras sind auf Beikircher gerichtet, als das Team einen Drehtag im Kottenforst ansetzt. Die Fülle an Perspektiven und die Schnelligkeit der Schnitte rauben dem Betrachter den Atem. Jede Sekunde des 40 Minuten langen Werks ist ein Appell, Anliegen wie den Klimaschutz nicht arglos aufzuschieben. „Der Film hat Format“, findet Siering, der auch als Filmproduzent und Kameramann arbeitet, im Gespräch mit dem GA.

Was als Schülerprojekt begonnen hat, erlangt dank des Enthusiasmus des zehnköpfigen Drehteams im Laufe der Dreharbeiten eine ungeheure Dynamik. Der Film, der am Samstag, 17. Februar, in der Beueler Brotfabrik so etwas wie Weltpremiere feiert, ist bereits bei verschiedenen Filmfestivals eingereicht. Ein Kino in Hamburg habe schon vor der Erstveröffentlichung Interesse bekundet, den Streifen ins Programm aufzunehmen, berichtet der 63-Jährige.

Schüler reisen zu Baumbesetzern

In Sierings technisch eindrucksvoller Werkstatt in der Schule wird sichtbar, was Walter Dernbach, Leiter der Rheinbacher Glasfachschule, als eine Art Mantra der Lernanstalt erklärt: „Wir möchten die Schüler möglichst schnell an eine berufliche Qualität heranführen.“ Diese Professionalität spiegelt sich in dem Film, an dem die Schüler und ihr Lehrmeister mehr als ein Jahr arbeiteten, auf beeindruckende Art wider: Allein der Drehort Hambacher Forst, ein etwa 30 Kilometer westlich von Köln gelegenes Waldstück, welches Braunkohlebagger bald verschwinden lassen werden, atmet den Duft von Aufruhr und Revolte.

Mehrfach reisen die Schüler zu Baumbesetzern, die sich gegen die Abholzung des Waldes zur Braunkohlegewinnung einsetzen. „Wir stehen fassungslos am 'größten Loch Europas', der Aufschluss des Braunkohletagebaus Hambach, fast 500 Meter tief, das Ende in der Ferne kaum zu erkennen“, berichten die Schüler.

„Der Hambacher Forst ist für uns ein Beispiel, dass Wald direkt vor unseren Augen einfach verschwindet, und die Menschen, die sich dort für den Erhalt einsetzen, führen ein abenteuerliches, gefährliches und sehr unbequemes Leben.“ Im Team entfacht sich darüber eine Diskussion, die die jungen Leute auch drehen. Die spannende Frage lautet: Was ist wichtiger, die Natur oder der einzelne Mensch?

Premiere am Samstag

Zu den Interviewpartnern im Film gehört auch Astronaut Alexander Gerst, der einen ganz eigenen und nahezu einzigartigen Blick auf das Thema Wald hatte: In der Schwerelosigkeit des Alls blickte Gerst 165 Tage auf die Erde. Beeindruckend schildert er, wie aus den kleinen Fenstern der Internationalen Raumstation zu beobachten ist, wie sich die Rodungsgebiete im nördlichen Südamerika „wie Krebsgeschwüre in den Regenwald des Amazonas fressen“.

Ebenso drehen die Rheinbacher mit Greenpeace-Expertin Gesche Jürgens, Natur- und Wildnispädagogin Jasmin Khalil, Berufsschullehrer und Jäger Manfred Krieger, Försterin Lidwind Eichner und Geografin Carina Wohlleben, Schwester von Bestsellerautor Peter Wohlleben. Als Sandra Schilling, die Mutter eines Teammitglieds, von Elfen und der Kraft der Bäume erzählt, belächeln es die jungen Leute, berichten diese. „Doch nach diesem Drehtag haben einige von uns eine neue Sicht auf den Wald erfahren. Im Film spürt man auch ihre überzeugenden Worte. Warum sollte man sich nicht einfach mal drauf einlassen, einen Baum zu berühren und zu beobachten, was das mit einem macht?“

Premiere feiert „Wunderwald“ am Samstag, 17. Februar, um 14.50 Uhr in der Brotfabrik Beuel. Karten gibt es im Vorverkauf für vier Euro per Mail an wunderwaldfilm@gmail.com oder via Facebook www.facebook.com/events/ 168066377142962.