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Interview mit Helga Feuser-Strasdas: Glaskünstlerin spricht über ihren Beruf

Interview mit Helga Feuser-Strasdas : Glaskünstlerin spricht über ihren Beruf

Die Glaskünstlerin Helga Feuser-Strasdas eröffnete vor 40 Jahren ihre eigene Werkstatt. Ihr größtes Projekt ist ein 24 mal 24 Meter großes Fenster, das sie nach einem Entwurf von Jörg Immendorf in der Essener Messe verwirklicht hat.

Seit inzwischen 40 Jahren arbeitet die Glaskünstlerin in ihrer eigenen Werkstatt, zunächst in einem kleinen Raum mit zwei Arbeitsplätzen und einem Brennofen in einem Hinterhof an der Rheinbacher Bachstraße. Ein Jahr später erwarb sie mit ihrem Mann Joachim Strasdas einen Fachwerkhof in Wormersdorf, den das Ehepaar über die Jahrzehnte liebevoll restauriert und gestaltet hat. Die Werkstatträume wurden erweitert und ein kleiner Ausstellungsbereich kam hinzu. Mit der Glaskünstlerin sprach Gerda Saxler-Schmidt.

Ihre Eltern waren beide Glaskünstler. War Ihnen da Ihr Beruf schon in die Wiege gelegt?

Helga Feuser-Strasdas: Es gab tatsächlich einmal einen anderen Berufswunsch. Ich wollte früher einmal Innenarchitektin werden. Aber dann hat das Glas doch den Ausschlag gegeben. Mit Glas kann ich ja auch viel gestalten. Und heute arbeite ich auch viel mit Innenarchitekten zusammen.

War für Sie die Arbeit in einem Betrieb nie eine Alternative zur Selbstständigkeit?

Feuser-Strasdas: Es gab nach meiner Ausbildung die Idee meines Vaters, dass ich nach Heidelberg gehe, wo er in der Glasmalerei Meysen gearbeitet hatte. Aber die Nachfolgerin meines Vaters wollte ich nicht sein. Außerdem war es damals noch schwierig für Frauen in Handwerksberufen.

Inwiefern?

Feuser-Strasdas: Es war 1978. Es wollten damals schon Frauen ihre Ausbildung im Handwerk machen, aber man traute es ihnen einfach nicht zu. Oder man wollte sie nicht. Jedenfalls wurde immer versucht, Frauen im Handwerk zu verhindern. Es wurden dabei gerne irgendwelche Dinge vorgeschoben wie die Sache mit den getrennten Toiletten. Und ich kann mich auch noch gut erinnern, wie skeptisch Pastöre waren, wenn ich in Kirchen gearbeitet habe. Einer wollte mir einmal unbedingt die Leiter halten. Es hat sich aber seither viel geändert.

Was macht für Sie die Faszination Glas aus?

Feuser-Strasdas: Ich kann in Glas mit einem Werkstoff arbeiten und gestalten, der transparent und zugleich fest ist. Man muss immer genau überlegen, was man erreichen will, und dann entsprechende Techniken anwenden. Ich fahre immer parallel, die handwerkliche und die künstlerische Arbeit, weil das eine ohne das andere nicht funktioniert.

Sie sind seit 40 Jahren selbstständige Glaskünstlerin im eigenen Atelier. Sind das auch 40 Jahre Faszination?

Feuser-Strasdas: Ich habe in den 40 Jahren viele schöne Aufträge gehabt und viele tolle Kunden, die mich auf neue Ideen gebracht haben. Unter diesen Aspekten war es immer interessant in den 40 Jahren. Wirtschaftlich allerdings war es dann doch teils schwierig. Komischerweise wird beim Kauf eines Autos nicht diskutiert, wenn es seinen Preis hat. Aber bei der Kunst wird immer gehandelt. Und dabei wird nicht darüber nachgedacht, wie viele Stunden Arbeit darin stecken. Oft sagen die Leute zu mir: ach, was haben Sie für ein schönes Hobby! Ihnen ist nicht klar, dass das ein Beruf ist, von dem man auch leben will.

Sie sprachen von Kunden. Gab es da auch mal etwas Spezielles?

Feuser-Strasdas: Ein Kunde kam einmal mit einem Ara auf der Schulter. Der Kunde wollte eine Tür mit einem Papageienpärchen haben, die habe ich ihm gemacht. Ich war bei ihm in seinem Haus. Da gab es keine Voliere, die Vögel flogen frei in der Wohnung herum. Das fand ich schon sehr speziell.

Hatten Sie in den 40 Jahren ein Lieblingsprojekt?

Feuser-Strasdas: Das waren eindeutig die 24 mal 24 Meter großen Fenster in der Messe Essen 2002/2003 mit Jörg Immendorff. Es war eine logistische und technische Herausforderung. Es kamen Techniken zum Einsatz, die ich erst einmal versuchen musste. Das waren zum Beispiel die Glas-Fritten, ganz fein gemahlenes Glas. Ich musste erst einmal ausprobieren, wie ich dieses fein gemahlene Glas fein ausstreuen musste, um einen Effekt zu erzielen. Dann war es aber toll, dass ich als kleiner Betrieb dieses große Projekt realisieren konnte. Es ging mit strukturiertem Arbeiten und Unterstützung durch einen Kollegen meines Mannes. Und zugute kam mir die Verbindung von Wohnhaus und Werkstatt hier in unserem Fachwerkhof. So konnte ich das Brennen im eigenen Brennofen eng überwachen. Manche Kollegen haben damals gesagt: „Du bist aber mutig, das zu machen.“ Aber ich dachte, dass ich so eine Gelegenheit nicht noch einmal bekommen würde.

Ist der Bereich Kunst am Bau denn allgemein rückläufig?

Feuser-Strasdas: Es gibt sie nicht mehr so häufig, weder im privaten noch im öffentlichen Bereich. Privathäuser werden heute meistens schlüsselfertig gebaut. Und viele Häuser sind auch im Bauhausstil, die mit Bauelementen gestaltet werden und nicht mehr mit anderer Dekoration. Dieser Trend geht einfach am Handwerk vorbei.

Ist der Eindruck richtig, dass auch in Rheinbach heute die Präsenz der Glaskunst gegenüber früher zurückgegangen ist?

Feuser-Strasdas: Es ist wirklich sehr viel weniger geworden. Es gibt aber noch Anja Alscher, Steffi Stanke und mich, jetzt auch wieder Kristallerie Schönberg, die Glashandwerk machen. Es wäre schön, wenn wieder einmal junge Leute dazu kommen würden.

Haben Sie denn noch einen Traum für Ihre berufliche Arbeit?

Feuser-Strasdas: Ach, so ein großer Auftrag wie mit Jörg Immendorff wäre noch mal eine tolle Herausforderung.

Weitere Informationen im Internet unter www.feuser-strasdas.de