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Glaskunst in Rheinbach: Publikumspreis für Rheinbacher (33)

Sehr persönliches Werk überzeugte : Internationaler Glaskunstpreis: Publikum wählt Rheinbacher (33)

Tereza Patočková zeigt die Vase, für die sie den ersten Preis beim Wettbewerb erhalten hat. Im Hintergrund das Klarinettentrio (v.l.) Ben Jansen, Merlin Olpen und Philipp Häger.

Die Liebe zu Japan ist in jedem Detail der wuchtigen Vase mit gelben und braunen Farbpartien sichtbar. Geschafften hat sie die 20-jährige Tereza Patocková aus Kamenický Senov (Steinschönau). Für ihr fast ein Meter hohes Werk schaffte die junge Künstlerin beim elften Internationalen Rheinbacher Glaskunstpreis den Sprung aufs Siegertreppchen. Um Urkunde und die 1000 Euro Preisgeld für den ersten Platz persönlich entgegenzunehmen, war sie am Samstag eigens aus Rheinbachs tschechischer Partnerstadt angereist, immer noch überrascht, dass sie gleich bei ihrer ersten Teilnahme mit ihrer „ersten großen Arbeit“ so gut abgeschnitten hat.

Mit den Farben Gelb und Braun hat Patocková Sonne und Gebirge des asiatischen Inselstaates ausdrücken wollen – das Land ihrer Träume. „Ich war zwar noch nie dort, aber ich liebe die Kultur. Es ist ein Land voller Tradition, mit Sonne und Gebirge“, sagte die Preisträgerin vor der Verleihung. Den zweiten Platz und 750 Euro Preosgeld sicherte sich Sona Sychrová aus dem tschechischen Zelezny Brod für ein formgeschmolzenes, mit Gravur und Schliff nachbearbeitetes „Ei“. Der mit 500 Euro dotierte dritte Platz ging an Delia Stünitz, Schülerin der Glasfachschule Hadamar, für einen filigranen „Kopffüßler“.

Junge Kunstschaffende lieferten beeindruckende Arbeiten ab

„Es ist große Kunst, was die jungen Leute abgeliefert haben. Ich freue mich, dass Preise und Belobigungen weit gestreut wurden und in fast alle teilnehmenden Länder geht“, sagte Bürgermeister Ludger Banken bei der Preisverleihung im Glaspavillon „Hans-Schmitz-Haus“. Dort waren seit Mitte Juni 35 Schülerarbeiten aus acht europäischen Glasfachschulen zu bewundern. Schon einen Tag nach Ausstellungseröffnung trat die Fachjury zusammen, um über die Vergabe der Preise und Belobigungen zu entscheiden, wobei stets die künstlerische Qualität in Zusammenhang mit einer stimmigen Umsetzung als Entscheidungskriterien galt.

Aber auch das Publikum hatte bei der Prämierung ein entscheidendes Wort mitzureden. Bis Ende August konnte für den „Franz-Josef-Feuser“-Publikumspreis online oder per Karte gevotet werden. Benannt ist der Preis nach dem ersten Leiter des Glasmuseums und gestiftet von dessen Tochter und Schwiegersohn Helga Feuser-Strasdas und Joachim Strasdas, die dem Glasmuseum ebenfalls seit Jahrzehnten als Beiratsmitglied beziehungsweise als Vorsitzender des Fördervereins „Freunde edlen Glases“ verbunden sind. 306 Publikumsstimmen entfielen auf das Werk „Ängste“ des Rheinbachers Keno Julian Enstrup, Schüler des Staatlichen Berufskollegs Glas, Keramik, Gestaltung.

Die sehr persönliche Arbeit fertigte der 33-Jährige im Rahmen seines vierten Lehrjahres an. Es ist eine Bleiverglasung mit eingefügter schwarzer und roter Glasmalerei, in denen er Auszüge früherer Tagebuchnotizen eingearbeitet hat. „Es freut mich sehr, dass das Publikum meine Arbeit würdigt“, so Enstrup. Schirmfrau und Bundesbeauftragte für Kultur und Medien Claudia Roth schrieb in ihrem Grußwort, dass der Rheinbacher Glaskunstpreis Ausdruck gelebter internationaler Partnerschaft und ein Beispiel für das Zusammenwachsen Europas sei. Ruth Fabritius, Chefin des Glasmuseums, hofft, dass der Wettbewerb in einer von heftigen Krisen geschüttelten Welt positive Signale aussenden könne.