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Malen mit Erde aus 20 Ländern : Heimerzheimer Künstler schafft sakrale Kunst zu Ostern

Malen mit Erde aus 20 Ländern : Heimerzheimer Künstler schafft sakrale Kunst zu Ostern

In seinem Atelier in Heimerzheim arbeitet der Künstler Orlando Morrone im Einklang mit dem christlichen Jahresrhythmus.

Die Fastenzeit ist geprägt von Verzicht. „In diesem Jahr erleben wir diese Phase durch Corona ganz extrem. Das Virus zwingt uns, in jeder denkbaren Hinsicht zu fasten“, erklärt der Künstler Orlando Morrone in seinem Atelier in Heimerzheim. In seinen Malereien und Objekten, die er ganz im Einklang mit dem christlichen Jahresrhythmus entstehen lässt, verarbeitet der 68-Jährige persönliche Erlebnisse.

Im Alter von 26 Jahren kam der gebürtige Argentinier nach Deutschland, in die Heimat seines Großvaters. Seine Malerei und die Beschäftigung mit religiösen Themen bedeuten für ihn eine Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit. Die Arbeit an einem Fastentuch in der Karwoche oder an Engelbildern in der Weihnachtszeit – der ehemalige Dozent für Eurythmie an der Alanus Hochschule Alfter schafft auf vielfältige Art und Weise sakrale Kunst.

Inspiration findet er auf seinen Reisen, von denen er immer mit einem gut gefüllten Skizzenblock zurückkehrt. „Die Bilder entstehen und sind ein Teil von mir. Das ist immer ein langer Prozess, bei dem sich neue Türen öffnen“, sagt Orlando Morrone und versucht, seine Kreativität in Worte zu fassen. Meist beschäftigt er sich über einen langen Zeitraum hinweg mit seinen Arbeiten, verändert und ergänzt sie. So malt er über 15 Jahre lang immer wieder an einem Fastentuch und widmet sich so dem Leben Jesu.

Verschiedene Techniken zu den verschiedenen Jahreszeiten

Für seine künstlerische Tätigkeit sind dem 68-Jährigen die Stimmung und die Atmosphäre wichtig. Daher arbeitet er nur in der passenden Jahreszeit an seinen unterschiedlichen Arbeiten. „Das Fastentuch nehme ich mir beispielsweise nur in der Fastenzeit vor“, erklärt der Maler seine Arbeitsweise. Auch die Technik verändert er je nach Motiv, denn „die Themen geben mir das Material vor“. So entstehen ganz unterschiedliche Werke.

Wenn er sich in der Adventszeit mit Engeln beschäftigt, bevorzugt er die Enkaustik, eine Technik, bei der in Wachs gebundene Farbpigmente heiß auf die Leinwand oder das Holz aufgetragen werden. „Das passt in die Weihnachtszeit, ansonsten arbeite ich viel mit Aquarell, Eitempera oder Ölfarbe“, beschreibt Morrone.

Auch mit der Verarbeitung außergewöhnlicher Materialien gibt er dem Betrachter Botschaften mit auf den Weg. Im Jahr 2004 begann er mit der Arbeit an einem zehn Meter langen Tuch, auf das er Erde aus 20 Ländern der Welt auftrug. Mit diesen verschiedenfarbigen Proben, die er auf Reisen durch Ägypten, Indonesien und Indien, der Dominikanischen Republik, Brasilien, Kuba und Chile gesammelt hatte, malte er Kreuze in unterschiedlichster Größe.

Bringt von seinen Reisen immer wieder Erde mit

„In der Bonner Remigiuskirche habe ich das Tuch vor fünf Jahren bei der Ausstellung „Sakrale Räume“ auf dem Boden ausgelegt“, erklärt er. So wollte er den Besuchern die Möglichkeit geben, über die Erde der Welt zu gehen. „Kaum einer traute sich aber, nur die Kinder nutzten die Chance“, erinnert sich der Künstler, der auch heute noch von Reisen Erde mitbringt und das Bild so weiter wachsen lässt.

Aktuell beschäftigt sich Morrone mit Perspektivwechseln. Die Art des Farbauftrags gibt seiner Malerei je nach Blickwinkel eine unterschiedliche Wahrnehmung und lässt den Betrachter so auch die Dreidimensionalität erfassen. Schon als Kind hat Morrone gerne zum Pinsel gegriffen. Mit seiner Leidenschaft für die Malerei stieß er als Jugendlicher bei seinem Vater auf wenig Verständnis.

In einer Waldorfschule in Buenos Aires fing alles an

Die Eltern arbeiteten als Geschäftsleute im Lebensmittelbereich in San Juan und drängten ihn zu einem Studium der Architektur und Musik in San Juan und Buenos Aires. In der Hauptstadt fand er im deutschen Viertel in der Waldorfschule eine Anstellung als Klassenlehrer. „Die Arbeit mit den Menschen an der Schule und der anthroposophische Hintergrund haben mich direkt in ihren Bann gezogen“, erinnert sich Morrone.

Als dann bei einer Konferenz ein Lehrer aus Deutschland von einem umgebauten Bauernhof, in dem eine Kunstschule gegründet worden ist, in begeisterter Art berichtete, habe er sofort gewusst, dass er genau da hin wolle. Er bewarb sich sofort auf die Stelle. „So kam ich im Jahr 1979 nach Alfter an die Alanus Hochschule.“ Dort studierte er zuerst Eurythmie, anschließend Malerei und arbeitete fast 20 Jahre als Dozent.

Anschließend wechselte er an die Freie Waldorfschule in Bonn, wo er bis zum Jahr 2017 Kunst und Eurythmie lehrte. Als Mitglied des Vereins Kunstforum 99, dem er seit drei Jahren angehört, stellt er seine Werke regelmäßig auch im Amtsgericht Rheinbach aus.