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Ein Blick in den Uniformschrank: Hinter den Kulissen des Rheinbacher Karnevals

Ein Blick in den Uniformschrank : Hinter den Kulissen des Rheinbacher Karnevals

Petra Eibenstein verwaltet als Zeugwartin die Kleidertsube des Narrencoprs Blau-Gold Rheinbach. Die Jacken, Hosen, Röcke und Embleme werden nicht etwa im Rheinland angefertigt.

Auf den ersten Blick wirkt der rotgekachelte Raum mit den deckenhohen Schränken wie ein gewöhnlicher Lagerraum. Als Petra Eibenstein jedoch nach und nach die Doppeltüren öffnet, kommen Federn, Hüte, Uniformjacken, Handschuhe und mit Glitzersteinen besetzte Bodys zum Vorschein. Bis unter die Decke stapeln sich in dem kleinen Raum im Clubhaus des Narrencorps (NCR) Blau-Gold Rheinbach die Uniformen und Accessoires. Passend zum Vereinsnamen überwiegen die Farben gelb und blau. Als Zeugwartin ist Eibenstein für die Ausstattung der 65 uniformierten Vereinsmitglieder und die Kleiderstube im Vereinsheim in Rheinbach zuständig. Seit drei Jahren wacht sie über den Fundus.

Aktuell hängen dort die Reserven, jeweils sortiert nach Größe und Machart. „Bei einem Neueintritt wird geschaut, ob es im Bestand etwas Passendes gibt“, erklärt Eibenstein. Passt nichts, kann die Uniform allerdings nicht einfach im Katalog nachbestellt werden. Vielmehr haben Eibenstein und ihre Vorgängerinnen die Uniformen aufwendig aus verschiedenen Einzelteilen zusammengestellt. „Es sind verschiedene Firmen, bei denen alles gefertigt wird“, erzählt sie. Die Jacken, Hosen und Röcke werden nicht etwa im Rheinland, sogar im Schwarzwald genäht. Die Embleme mit den Vereinsinitialen werden in einer Stickerei in Düren angefertigt, die Rohlinge für die Hüte, Federn und Gamaschen kommen wiederum aus einer Traditionsschneiderei in Korschenbroich.

Die Vergabe der Uniformen erfolgt auf Leihbasis. „Jeder hat seine Uniform zu Hause und ist dafür verantwortlich“, so Eibenstein. In einer Kartei wird genau festgehalten, welche Einzelteile in welcher Größe ausgeliehen wurden. Bis in die 1980er Jahre hat jeder seine eigene, maßgeschneiderte Uniform selbst gekauft. „Zum 25-jährigen Bestehen haben wir die Uniformen umgestellt“, erinnert sich Brigitte Udelhofen, die seit mehr als 50 Jahren Mitglied beim NCR ist und ebenfalls das Amt der Zeugwartin inne hatte. Damals wurden die Entwürfe bei einer Mitgliederversammlung zur Diskussion gestellt. Mit den neuen Uniformen sollte nicht nur ein neues Design umgesetzt werden, sondern auch das Leihsystem eingeführt werden.

Kleine Reparaturarbeiten an den Uniformen hatte Udelhofen noch selbst vorgenommen. „Danach taten die Finger weh, als die alte Spitze weg musste“, erinnert sie sich. Von Hand trennte sie damals die Goldbordüre an den Jackenärmeln ab. Auch die Gardeuniformen für die jungen Tänzerinnen haben Udelhofen und ihre Helferinnen von Hand verschönert. An einem Body zeigt sie die Handarbeit: Jeden Glitzerstein auf den blauen Blumenranken haben sie damals von Hand aufgeklebt. Eibenstein holt einen der Hüte hervor. Den Rohling mit dem weißen Plüsch an der Krempe bekommen sie geliefert. Die charakteristischen weißen und gelben Federn müssen hingegen erst aus einer Federboa herausgetrennt und dann von Hand an der Spitze des Hutes befestigt werden. Heute bringen die Mitglieder ihre Uniformen für kleine Reparaturarbeiten zu Änderungsschneidereien. Auch den Uniformappell gibt es mittlerweile nicht mehr: Dazu rief der Kommandant früher alle Uniformierten auf, um die Vollständigkeit der Vereinskleidung zu prüfen. Damals wie heute fällt aber so manchen Mitglied dennoch kurzfristig auf, dass sich eine Bordüre an der Jacke gelöst hat oder die Hose doch etwas zu eng geworden ist. „Das ist geblieben“, sagt Eibenstein.

In einem Schrank reihen sich die Überwürfe für die Karnevalsumzüge aneinander. Aus einem Ärmel schaut ein Plüschfutterstoff heraus – dadurch sollen es die Kinder und Jugendlichen wärmer haben, wenn sie in Rheinbach, Oberdrees, Altendorf-Ersdorf, und in Krälingen im Zug mitgehen. Einige der Vereinsmitglieder haben in diesem Jahr jedoch ihre traditionellen Vereinsfarben gegen rot und weiß getauscht. Das Narrencorps stellt in diesem Jahr nämlich das Rheinbacher Dreigestirn. Auch Eibenstein gehört zum Gefolge und ist Adjudantin von Prinz Sigur I.