1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Rheinbach

Hochwasser in Rheinbach: Feuerwehr im Einsatz

Feuerwehr im Katastrophengebiet im Einsatz : „Die Solidarität ist unglaublich“

Unter den zahlreichen Helfern im Katastrophengebiet im Rhein-Sieg-Kreis ist auch GA-Redakteur Nicolas Ottersbach, Angehöriger der Freiwilligen Feuerwehr Ruppichteroth. Zu Beginn des zweiten Einsatztages sprach der 32-Jährige über die Lage und die Solidarität.

Nicolas, Du warst mit Deiner Einheit am Donnerstag in Rheinbach. Wie war die Lage?

Nicolas OTTERSBACH: Gleich zu Beginn hatten wir einen Eileinsatz: Eine Frau, die im Wald gefunden worden war, musste über einen Bach transportiert werden. Als wir eintrafen, war das bereits gelöst. Wir sind dann für den Rest des Tages im Ortsteil Queckenberg gewesen. Mit medizinischen Notfällen haben wir an diesem Tag dann nichts mehr zu tun gehabt. Bis in die Nacht waren wir dann noch einmal in Rheinbach, wo eine Tiefgarage komplett unter Wasser steht.

Welches Bild bot sich in Queckenberg?

Ottersbach: Kurz gesagt, es war alles kaputt, besonders natürlich in allen Tallagen. Überall an den Straßenrändern stehen kaputte Autos, die in den Fluten untergegangen sind. In den Orten riecht es wie in einer Raffinerie, weil Heizöl und Sprit auslaufen. Es gibt Dörfer, die komplett von der Außenwelt abgeschnitten sind. Viele Häuser im Tal sind schwer beschädigt oder abgesackt und somit abrissreif. So lange „nur“ das Wasser im Keller steht, dürften die Gebäude grundsätzlich zu retten sein.

Wo fängt man an? Gibt es eine Priorisierung?

Ottersbach: Wir sind die Häuser abgegangen und haben geschaut, wo wir unsere mitgebrachten Pumpen und Schläuche als erstes einsetzen müssen.

Was ist erforderlich zur Eigensicherung?

Ottersbach: Das Umspannwerk und die Trafostationen sind zwar kaputt, somit ist das komplette Stromnetz ausgefallen. Trotzdem gehen wir auf Nummer sicher und schalten in den Häusern den Hauptschalter ab. Den muss man unter Wasser aber erst einmal finden.

Was tut die Feuerwehr mit einem Gastank, der ihr entgegenschwimmt?

Ottersbach: Man kann zunächst nur einmal hoffen, dass er dichthält und nicht mit Feuer in Kontakt kommt. Wenn wir mitkriegen, dass Gas entweicht, müssen wir den Gefahrenbereich sichern.

Wie sind die Bewohner physisch und psychisch beieinander?

Ottersbach: Das ist höchst unterschiedlich. Es gibt Jüngere und Familien, die wissen, dass sie vernünftig versichert sind, und die noch zu einem lockeren Spaß aufgelegt sind und uns beim Eimerschleppen helfen. Andere sind völlig überfordert und fix und fertig. Eine Frau, in deren Haus das Wasser sehr hoch stand, hat nachher in meinen Armen geweint, als die schwerste Last von ihr abfiel.

Haben Kommunikation und Meldeketten funktioniert?

Ottersbach: Dadurch, dass es in der gesamten Region keinen Strom gibt, fallen auch die Funkmasten und somit das Mobilfunknetz aus – zumal in den kleinen Ortschaften der Empfang schon unter normalen Umständen schwierig ist. Dadurch, dass auch der Funk überörtlich digital funktioniert, verhält es sich hier im Prinzip ähnlich – mit dem Unterschied, dass er schlicht überlastet ist. Kurz gesagt: Wir können vor Ort in der kleinen Einheit kommunizieren und sind als solche auf uns gestellt. Am Donnerstag wussten wir den ganzen Tag über nicht, was woanders passiert. Das Einzige, was wir mitbekommen haben: Dass eine kleinere Talsperre in der Nähe brechen könnte und die Bundeswehr dort hilft.

Ihr operiert ohne nähere Einweisung auf einem völlig ortsfremden Gebiet operiert. Wie klappt so etwas?

Ottersbach: Wir haben eine Karte in die Hand bekommen, und dann hat man uns gesagt, wo wir hinmüssen.

Wie ist die Versorgungslage für die Flutopfer, und wie werdet Ihr verpflegt?

Ottersbach: Wir selbst haben uns morgens etwas mitgenommen, an der Wache in Rheinbach war ein Büfett aufgebaut, abends gab es auch noch Suppe aus der Gulaschkanone. Die Bevölkerung zehrt von Vorräten und ist damit bislang gut versorgt. Wir bekommen viel angeboten, manche machen den Grill an, denn Strom und Gas gibt es ja nicht. Eine Bäuerin brachte einen ganzen Korb mit gekochten Eiern, eine andere Frau kam mit einer Schale Frikadellen. Andere haben an der Straße etwas zu trinken hingestellt. Die Solidarität ist ohnehin unglaublich.

Also keine Pöbelei gegen Rettungskräfte, wie man sie sonst inzwischen kennt. Wie geht es denn Euch Helfern?

Ottersbach: Es ist eine sehr anstrengende, aber auch eine sehr dankbare Arbeit. Es gibt niemanden, der ruppig oder missgünstig ist. Alle sind sehr dankbar, fallen uns teilweise in die Arme und versorgen uns. In manchen Orten waren wir die ersten Einsatzkräfte, die überhaupt helfen konnten. Auf der anderen Seite gab es Dörfer, die wir nicht erreicht haben, weil beide Zufahrtsstraßen weggebrochen waren. Es ist ein blödes Gefühl, als ausgebildeter Helfer hilflos zu sein. Insofern: Wir hätten am Donnerstagnachmittag theoretisch nach Hause fahren können, aber wir konnten noch und haben dann eben noch in Rheinbach unterstützt.

In Queckenberg habt Ihr die Lage demnach so weit stabilisiert, dass Ihr dort nicht mehr hinmüsst?

Ottersbach: Genau. Wir fahren jetzt in Richtung Rheinbach und werden dort erfahren, wo es für uns weitergeht. Es kann gut sein, dass es in Richtung Swisttal und die dortigen Evakuierungsgebiete geht.

Lässt sich anhand von Erfahrungswerten schon ein Ende der Einsätze abschätzen?

Ottersbach: In Orten wie Queckenberg könnte es nach meinen Informationen vielleicht Ende nächste Woche wieder Strom geben. Ein anderes Thema ist die Versorgung mit Essen und Trinkwasser. Ich gehe davon aus, dass das hier noch Wochen dauert. Bis die größeren Schäden beseitigt sind, eher Monate.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Der General-Anzeiger arbeitet dazu mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Wie die repräsentativen Umfragen funktionieren und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.