Linksrheinischer Rhein-Sieg-Kreis In Rheinbach steht das erste Mehrgenerationen-Wohnhaus

RHEINBACH · Hier und dort wird im Haus am Campus in Rheinbach gehämmert, gesägt und geschliffen, aber die ersten Bewohner haben sich schon eingelebt. Der Neubau neben der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg ist das erste Mehrgenerationen-Wohnhaus im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis.

Die Arbeiten liegen in den letzten Zügen: Simon, Leonie und Jordan (vorne, v.l.) mit Margit Antweiler, Wolfgang Macku, Susanne Krämer und Sonja Schaaf im Innenhof des Häuserkomplexes.

Die Arbeiten liegen in den letzten Zügen: Simon, Leonie und Jordan (vorne, v.l.) mit Margit Antweiler, Wolfgang Macku, Susanne Krämer und Sonja Schaaf im Innenhof des Häuserkomplexes.

Foto: Dominik Pieper

Erbaut wurde es vom Rheinbacher Architekten Wolfgang Macku, der zugleich Investor und Vermieter ist. Dass mehrere Generationen unter einem Dach leben, kommt in vielen Mietshäusern vor. Doch in Mehrgenerationenhäusern wird auf diese Mischung besonderen Wert gelegt: Hier soll ein altersmäßiger und sozialer Querschnitt durch die Gesellschaft abgebildet werden, Jung und Alt helfen sich gegenseitig.

Die jüngeren Bewohner können für die älteren beispielsweise Einkäufe erledigen, die älteren passen bei Bedarf auf Nachbarskinder auf. Auch trifft man sich zu gemeinsamen Aktivitäten. Das habe nichts mit Gruppenzwang zu tun, erklärt Macku: "Jeder hat seine eigene Wohnung und kann jederzeit die Tür hinter sich zu machen." Die Architektur ist aber so offen und durchlässig, dass sich die Bewohner immer wieder sehen: Sei es im gläsernen Hausflur, sei es im Innenhof, sei es auf den Laubengängen, die zu den Wohnungen führen.

Macku sitzt an einem alten Tisch aus dunklem Holz im Nachbarschaftscafé, einem Gemeinschaftsraum mit Küche und Theke. Der Raum ist noch nicht ganz fertig, und doch merkt man dem Architekten seine Erleichterung an. Die Bauarbeiten, 2009 begonnen, zogen sich hin. "Zwei strenge Winter haben uns zu Pausen gezwungen. Ich dachte, wir werden gar nicht mehr fertig", sagt der 61-Jährige, der über die Höhe der Investitionen keine Angaben macht.

Angetrieben wurde er von der Idee, altersgerechtes Wohnen zu ermöglichen. "In Würde zu altern - das ist ein Thema, das uns alle bewegt." So sah sich Macku verschiedene Wohnprojekte im In- und Ausland an, fand letztlich "ermutigende Beispiele" für Mehrgenerationenwohnen in Nordrhein-Westfalen, wo 1993 auch das bundesweit erste Mehrgenerationen-Wohnhaus entstand: in Marienheide im Bergischen Land. Auch in Bonn gibt es inzwischen mehrere Projekte. In Rheinbach habe er mit seiner Idee offene Türen eingerannt, sagt Macku. Bei einer Infoveranstaltung 2008 sei das Interesse sofort groß gewesen.

Das Altersspektrum reicht von acht bis 71 Jahre

Im Mai zogen die ersten Mieter im Haus am Campus ein. Das Altersspektrum der derzeit rund 30 Bewohner reicht von acht bis 71 Jahre. Gut die Hälfte der Wohneinheiten - es sind insgesamt etwa drei Dutzend - sind belegt. Es gibt staatlich geförderte und frei finanzierte Wohnungen; die kleinste umfasst 38 Quadratmeter, die größte rund 210 Quadratmeter. Gerade bei den größeren noch leeren Wohnungen ist der Zuschnitt noch nicht festgelegt. "Beim Innenausbau können die Bewohner mitreden", sagt Macku, der auch Appartements für betreutes Wohnen vorgesehen hat.

Zu den ersten Bewohnern gehört Margit Antweiler. Die 70-Jährige betrieb vor ihrem Ruhestand Modegeschäfte in Rheinbach und Meckenheim und lebte zuletzt in einem Fünfparteienhaus. "Ich wohnte da sehr isoliert. Im Mehrgenerationenhaus ist man füreinander da." Sie freut sich besonders über gemeinsame Unternehmungen der Mieter wie Wandern.

Wer einzieht, entscheiden die Mieter selbst. Sie haben sich in dem Verein "WIR - Hausgemeinschaft am Campus" organisiert. Der Verein hält alle zwei Wochen Versammlungen ab und schaut sich dabei potenzielle Mieter an. "Wer zum Beispiel etwas gegen Kinderlärm hat, ist bei uns falsch", sagt Susanne Krämer. "Gegenseitige Rücksichtnahme und eine gewisse Bereitschaft zur Kommunikation sind wichtig." Die alleinerziehende Mutter ist mit ihrem achtjährigen Sohn Simon eingezogen. Gleich nebenan wohnt dessen Freund Jordan. Die zwei Jungen interessiert vor allem eines: Wie die künftigen Spielmöglichkeiten aussehen. Spielplatz oder Grünfläche? Bei der Gestaltung der Außenanlage können sie ihre eigenen Ideen einbringen.

Suche nach Investor in Meckenheim

Auch in Rheinbachs Nachbarkommunen Swisttal und Meckenheim war und ist Mehrgenerationen-Wohnen immer wieder im Gespräch - so zum Beispiel zwischen Kölner Straße und Kirchstraße in Swisttal-Heimerzheim. Konkrete Pläne gibt es aber noch nicht. In Meckenheim beschäftigt sich das Forum Senioren mit dem Thema Mehrgenerationen-Wohnen.

"Die Nachfrage bei den älteren Bürgern ist auf jeden Fall vorhanden. Leider ist es schwierig, einen Investor zu finden", sagt die Vorsitzende Erika Neubauer. "Wohnen" ist auch ein zentrales Thema beim Meckenheimer Seniorentag, den das Forum am 1. und 2. September auf dem Kirchplatz organisiert.

Die nächste Versammlung im Haus am Campus, Hollerithstraße 8, findet am Montag, 30. Juli, ab 19 Uhr statt. Kontakt zum Verein "WIR": Margit Antweiler, Telefon 02226/15272. Internet: www.haus-am-campus.de

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