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Gedenken an NS-Terror: Junge Generation gegen das Vergessen in Rheinbach

Gedenken an NS-Terror : Junge Generation gegen das Vergessen in Rheinbach

Die Schüler der Gesamtschule und des Städtischen Gymnasiums in Rheinbach haben auf berührende Weise die Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus im Foyer des Rheinbacher Rathauses gestaltet.

Während seiner Amtszeit erklärte Bundespräsident Roman Herzog den Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Seit 1996 wird am 27. Januar nicht nur im Deutschen Bundestag in Berlin derer gedacht, die unter dem NS-Regime zu Tode kamen, sondern auch bundesweit der Initiative des ehemaligen Staatsoberhauptes gefolgt. Alljährlich greifen auch die Stadt Rheinbach und der Landtagsabgeordnete Oliver Krauß (CDU) dieses Ansinnen mit einer überparteilichen Gedenkstunde im Foyer des Rheinbacher Rathauses auf.

Dabei war die Gedenkfeier vor allem durch die eindrucksvolle Präsenz und Mitwirkung der jüngeren Generation, die ein Wissen aus noch lebenden Zeitzeugenberichten kaum mehr erreicht, geprägt: Während Schüler der Gesamtschule und des Städtischen Gymnasiums Rheinbach (SGR) die Veranstaltung gegen das Vergessen mit Wortbeiträgen bereicherten, sorgte die aus Merzbach stammende Violinistin Judith Stapf für einen würdigen musikalischen Rahmen.

Die Beschäftigung mit dem Holocaust durchzieht ihr Leben wie ein roter Faden, da sie sich bereits im Alter von elf Jahren mit der Thematik auseinandergesetzt hat. Der über die Journalistin Angela Krumpen zustande gekommene, freundschaftliche Kontakt mit dem Holocaustüberlebenden Jerzy Groß hat den Werdegang der heute 21-jährigen Musikerin geprägt. Die Gespräche, Gedanken und gemeinsamen Erlebnisse der beiden, die von Krumpen literarisch in dem Buch „Spiel mir das Lied vom Leben“ aufgearbeitet sind, erreichte im Rathausfoyer die zahlreichen Ratsmitglieder und Besucher, die der würdevollen Veranstaltung beiwohnten.

Große Anerkennung

Die Anerkennung, die Bürgermeister Stefan Raetz und der Landtagsabgeordnete Oliver Krauß den an der Gedenkstunde mitwirkenden Jugendlichen zollte, war groß. „Dank Euch gibt es kein Vergessen, auch wenn es Zeitzeugen bald nicht mehr gibt,“ wertschätzte Krauß das Engagement der Rheinbacher Schüler. Basierend auf der wahren Geschichte, die in „Spiel mir das Lied vom Leben“ veröffentlicht wurde, leisteten die sechs Schüler der Gesamtschule in verteilten Rollen einen bewegenden Wortbeitrag.

Ergriffen dankte Judith Stapf und versicherte, dass auf diese Weise der größte Wunsch von Jerzy Groß in Erfüllung gegangen sei, nämlich, dass seine Geschichte in die nächste Generation weitergetragen und nicht vergessen wird. „Genau darum geht es“, beteuerte auch Stefan Raetz und betonte, dass an diesem zentralen Tag aller Opfer des Nationalsozialismus gedacht werden müsse. „Juden, Andersdenkende, Glaubensverfolgte, die gefallenen Soldaten, die Vermissten, Verschütteten und Verbrannten mahnen uns zu wissen, wozu Menschen fähig sind,“ so der Christdemokrat.

Wichtig sei dabei, zu hören, was die Jugend zu der dunklen Seite der deutschen Geschichte zu sagen habe. Darüber hinaus sei entscheidend, heutige rechtsextreme Tendenzen in den großen Blickwinkel der Öffentlichkeit zu rücken und gemeinsam gegenzusteuern. „Auch hier in Rheinbach darf nicht dramatisiert, aber auch nicht bagatellisiert werden. Die Vergangenheit darf für unsere Zukunft nicht in Vergessenheit geraten“, mahnte der Bürgermeister. Ebenso wie die angehenden Abiturienten des SGR stellte auch Historiker Peter Mohr das Schicksal der Rheinbacher Juden, die größtenteils im weißrussischen Malyj Trostenez ermordet wurden, in den Mittelpunkt seines Beitrages und machte so auf die Ausstellung im Foyer des Rathauses aufmerksam, die noch bis Freitag, 15. Februar, zu besichtigen ist.