Pflanzaktion für Jungvermählte in Rheinbach Bestes Klima für Bäume und Ehen

Rheinbach · Jedes Jahr pflanzen Jungvermählte in Rheinbach einen Baum. Warum sie das machen,was das für die Umwelt bringt und ob Ehe oder Bäum länger bestehen, erzählen sie bei der aktuellen Pflanzung am Wormersdorfer Sportplatz.

 Noch so jung wie ihre Ehe: Jörg und Sonja Nawrath haben gemeinsam mit Hund Hunter einen Baum gepflanzt.

Noch so jung wie ihre Ehe: Jörg und Sonja Nawrath haben gemeinsam mit Hund Hunter einen Baum gepflanzt.

Foto: Axel Vogel

Ein Haus bauen, ein Kind zeugen und einen Baum pflanzen: Das sind die drei Dinge, die nach dem Volksmund jeder in seinem Leben tun sollte. Zumindest beim letzteren Punkt ist die Stadt Rheinbach gerne behilflich. Seit 1992 veranstaltet das Standesamt traditionell eine Baumpflanzaktion mit den Frischvermählten der letzten zwölf Monate. Und auch in diesem Jahr waren einige Paare dabei.

Ein nicht ganz uneigennütziges Konzept der Stadt

Die Aktion „Wäldchen für Jungvermählte“ lässt nicht nur die Liebe der Paare gedeihen, sondern tut offensichtlich auch noch viel für Umwelt- und Klimaschutz: Die erfolgreichen Aufforstungsaktionen in Rheinbach sind auch den unzähligen Paaren der letzten Jahrzehnte zu verdanken. Deren einst kleine Setzlinge haben bereits einige Brachflächen in der Naturschutzzone in stattliche Wälder verwandelten. In diesem Jahr wurde in der Nähe des Wormersdorfer Sportplatzes gepflanzt. Diese Fläche nutzen die Paare seit 2014. Gut 40 von 200 angeschriebenen Ehepaaren folgten der Einladung von Standesbeamtin Martina Kiep . Sie selbst ist bei der Aktion von Anfang an dabei und immer noch begeistert vom Konzept, das die Stadt einst nicht ganz uneigennützig entwickelte. „Die Wahrheit ist, dass unser Förster damals einfach nicht mit Nachpflanzen hinterher kam. Und da es ja diesen Ansatz Haus-Kind-Baum gibt, dachten wir, wir könnten diese schöne Symbolik mit dem Praktischen verbinden“, berichtet Kiep, während sie selbst tatkräftig beim Pflanzen mithilft. Die Aktion kam von Beginn gut an, das zeige die große Resonanz. Nicht zuletzt bei der Standesbeamtin: „Das macht uns selbst auch viel Spaß“, so Kiep, während sie einen Setzling mit Erde bedeckt.

Eichen statt Mehlbeere

In diesem Jahr sind es Traubeneichen. Traditionell wird meist der aktuelle Baum des Jahres gepflanzt, doch das wäre in diesem Jahr die Mehlbeere gewesen. „Die passt hier leider aufgrund der Klimaveränderung nicht mehr hin“, erklärt Kiep. Denn der Försterei sei es wichtig, dass die Bäume in Rheinbach gut wachsen. Man habe daher stets auf Laubbäume wie Heimbuche und Vogelbeere gesetzt, die klimafreundlich und robust sind. Deshalb gibt es dieses Jahr Eichen. Und: „Die Eiche ist ein sehr starker Baum, ein gutes Omen für die Ehe“, findet Kiep.

Wiederholungstäter beim Baumpflanzen

Davon sind auch Sonja und Jörg Nawrath überzeugt. Die beiden hatten am 6. Oktober, ihrem Kennenlerntag geheiratet. Für sie war es selbstverständlich, ein halbes Jahr später bei der Pflanzaktion mitzumachen. „Das ist eine schöne Tradition“, findet die 49-Jährige, die neben ihrem Mann auch Hovawart-Mix Hunter als Hilfe dabei hat. „Uns verbindet der Karneval“, erzählt Jörg Nawrath. „Man kann es so zusammenfassen, dass es quasi Liebe am Arbeitsplatz und durch gemeinsame Interessen in einem war“, lacht der der 61-Jährig. Denn seine Ehefrau stammt ursprünglich aus Lahnstein. Ihr Heimatverein, die närrische Prinzengarde Lahnstein, und der NC Blau-Gold Rheinbach gingen 2010 eine Patenschaft ein. Vor sieben Jahren „funkte“ es dann zwischen dem Rheinbacher und der Lahnsteinerin so richtig. Sonjas Umzug zu Jörg folgte schnell und auch im Narrencorps fand sie als Pressesprecherin sofort Anschluss. Der Antrag kam dann recht spontan um Jörgs 60-Geburtstag: „Ich dachte einfach, jetzt ist der richtige Zeitpunkt“, lange geplant sei es nicht gewesen.

Jörg Nawrath ist bei der Pflanzaktion jedoch Wiederholungstäter: „Drüben steht eine Weißbuche. Die habe ich 2001 mit meiner ersten Ehefrau gepflanzt.“ Diese hat ganz offensichtlich die Ehe überdauert. Einen dritten Baum soll es aber nicht geben: Mit Sonja wird die Ehe halten, ist er sich sicher.

Was hält länger - Ehe oder Baum?

Auch Cindy (29) und Holger (33) Hoffmann aus Euskirchen haben nicht vor, einen weiteren Ehe-Baum zu setzen. „Im besten Fall heiratet man nur einmal. Dann hat man mit dem Baum eine tolle Erinnerung“, findet der 33-Jährige. „Der Baum wächst dann mit unserer Ehe mit“, ergänzt Cindy und streicht dabei vorsichtig über ihren Bauch – in dem ebenfalls etwas heranwächst. „Das ist unser ganz großes Wunder“, sagt Cindy lächelnd, denn eine Schwangerschaft auf natürlichen Weg sei beiden von ärztlicher Seite als unwahrscheinlich prognostiziert worden. Damit sind zwei Punkte von der obligatorischen Liste erfüllt. Wie sieht es denn mit dem Hausbau aus? „Ein Haus haben wir jetzt auch, aber wir haben ein altes gekauft und renoviert“, sagt Holger Hoffmann. „Wir sind eher die ‚Aus-alt-mach-neu-Menschen‘“, so seine Frau. Daher sei die Pflanzaktion für das bodenständige Paar auch genau das Richtige. „Wir lieben Wald, Wiese und Natur – wir kommen eben aus der Eifel“, so der Ehemann. Daher wollen sie auch regelmäßig auf Spaziergängen nach dem Baum sehen und ihrem Kind zeigen, wie er wächst. „Unsere Ehe hält länger als der Baum – es sei denn er überlebt uns“, ist sich Holger sicher.

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