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Prozess vor dem Bonner Landgericht: Mehr als vier Jahre Haft für 35-jährigen Drogenkurier

Prozess vor dem Bonner Landgericht : Mehr als vier Jahre Haft für 35-jährigen Drogenkurier

Weil er beim Tanken kleckerte, ist ein Drogenkurier an der Raststätte Peppenhoven aufgefallen. Zollfahnder fanden bei ihm fünf Kilo Kokain. Nun ist der Mann vom Bonner Landgericht zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Isabel Köhne brachte es während der Verhandlung auf den Punkt: „Wer mit fünf Kilo Koks unterwegs ist, sollte beim Tanken besser nicht kleckern.“ Die Vorsitzende Richterin der dritten großen Strafkammer am Bonner Landgericht hat einen 35-Jährigen wegen Drogenbesitz und Beihilfe zum Handel zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Aufgefallen war der Mann aus der slowenischen Hauptstadt Ljubljana den Ermittlern vom Zoll, weil er nervös und fahrig wirkte und beim Tanken größere Mengen Benzin verschüttete.

Eigentlich hatten die Zöllner ihre Routinekontrolle an der Raststätte Peppenhoven gerade beendet. Doch kurz bevor die Beamten den Platz an der Autobahn 61 wieder verlassen wollten, fiel ihnen ein zitternder Mann auf, der mehr oder minder erfolglos versuchte, seinen Wagen zu betanken. Er hatte soviel Benzin verschüttet, dass ein Angestellter die Stelle mit Sand abstreuen musste.

Als Grund für das merkwürdige Verhalten vermuteten die Beamten Drogenkonsum. Sie sollten recht behalten. Knapp fünf Kilo Kokain und eine ähnliche Menge Amphetamine fanden die Kontrolleure gut versteckt in den beiden seitlichen Türschwellern des Fahrzeugs mit Karlsruher Kennzeichen.

Viel abzustreiten gab es also nicht mehr, und so zeigte sich der Angeklagte vor Gericht auch grundsätzlich geständig. Er habe bei einem „Kamatar“ – das ist ein slowenische Begriff für einen Kredithai –, 1000 Euro aufgenommen, um seine Drogensucht zu bezahlen, ließ er das Gericht über seinen Anwalt wissen. Der Zinssatz von 200 Prozent klingt in der derzeitigen Niedrigzinsphase einigermaßen erstaunlich: 3000 Euro hätte er seinem Gläubiger für die geliehenen 1000 zurückzahlen sollen. Allerdings hatten ihm die Wucherer schon 1000 Euro erlassen, nachdem der 35-Jährige den Opel von Slowenien nach Karlsruhe gebracht und dort auf seinen Namen zugelassen hatte. Der Rest sollte getilgt sein, nachdem er seine Fracht von Köln nach München gebracht hätte.

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, hätten die Hintermänner seiner Lebensgefährtin ein Foto des gemeinsamen Kindes auf dem Schulweg zugeschickt. „Ich hatte keine andere Wahl, um mein Kind zu retten“, zitierte der  Anwalt seinen Mandanten. Aus Angst um seine Familie könne dieser folglich auch seine Auftraggeber nicht preisgeben.

Dass er möglicherweise sein eigener Auftraggeber gewesen sein könnte, konnte ihm das Gericht nicht nachweisen. Zwar hatten sich seine DNA-Spuren auf dem gelben Klebeband gefunden, mit dem die Drogen unter dem Blech fixiert gewesen waren. Die könnten aber im Prinzip auch schon vor dem Verstecken der Drogen auf das Band gekommen sein.