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Dokumentation über Ersten Weltkrieg: Mehr Visionen des Miteinanders in Rheinbach

Dokumentation über Ersten Weltkrieg : Mehr Visionen des Miteinanders in Rheinbach

Eine geballte und detaillierte Geschichtsstunde mit einer europäischen Friedensperspektive am Ende erlebten rund 400 Rheinbacher Schüler sowie etwa 100 Soldaten der Rheinbacher Kaserne am Dienstag in der Stadthalle. "Europa und der Erste Weltkrieg - Die Friedensbotschaft von Fiquelmont" lautete das Thema.

Der Journalist Ingo Espenschied präsentierte es multimedial als "Doku Live" im Rahmen der Partnerschaft zwischen Stadt und Bundeswehr.

Ausgangspunkt war eine Flaschenpost, die der lothringische Landwirt Ferand Boulanger 1981 auf seinem Dachboden fand. In einem Schnapsfläschchen steckten eine Kugel und ein vergilbter Zettel, den sechs Soldaten des 2. Husarenregiments der Reserve am 17. Juli 1916 beschrieben hatten. Der Kernsatz ihrer Friedensbotschaft an nachfolgende Generationen: "Utopie und mögliches Eden ist ein geeintes Europa".

Allerdings konnten sie von ihrem Quartier bei Boulanger die Schlacht beobachten und ahnten: "Vielleicht braucht das Untier Militarismus neue Nahrung". Die sechs hatten anders als zehn Millionen Opfer des Kriegs Glück und überlebten.

Espenschied beginnt seine Doku beim Deutsch-Französischen Krieg 1870, er berichtet vom Ersten Weltkrieg als "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts", thematisiert den Versailler Vertrag und den Zweiten Weltkrieg. Sein mit Fotos, Karten und Tondokumenten unterlegter Vortrag gipfelte in der deutsch-französischen Aussöhnung mit den Protagonisten Robert Schumann und Konrad Adenauer. Espenschied schlug vor, ähnlich den sechs Husaren von Fiquelmont, auch heute Utopien und Visionen des Miteinanders zu entwickeln.

Die große Mehrzahl der Schüler lauschte gebannt und applaudierte kräftig. Nur wenige konzentrierten sich mehr auf ihre Smartphones. Dass die Botschaft angekommen ist, bestätigte Schüler Florian Pawella. Er zog den Schluss, "dass so etwas nie wieder vorkommen darf". Für Ann-Christin Marx war es wichtig, "mehr zu erfahren über den Krieg". Jan Düster äußerte sich froh darüber, "dass wir heute mehr Rechte haben, die sie früher nicht hatten". Der Rheinbacher Stadtrat Erich Scharrenbroich erinnerte an die derzeit weltweit mehr als 300 Kriege, von denen einer an der Ostgrenze Europas geführt werde. Er warnte vor Interessenlosigkeit und forderte: "Demokratie braucht Engagement". Dass der Ukraine-Konflikt nicht ausdrücklich benannt wurde, fand General Wolfgang Renner eher motivierend: "Jetzt muss das Denken jedes Einzelnen einsetzen."