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300 Edelkrebse in Teich bei Rheinbach eingesetzt: Mit einem landesweiten Projekt sollen die bedrohten Krebse in heimische Gewässer zurückkehren

300 Edelkrebse in Teich bei Rheinbach eingesetzt : Mit einem landesweiten Projekt sollen die bedrohten Krebse in heimische Gewässer zurückkehren

Naturschützer setzen 300 Tiere in einem Gewässer bei Rheinbach aus. Wo genau bleibt zum Schutz der Tiere ein Geheimnis

Der Edelkrebs ähnelt einem Hummer in Kleinformat und lebte einst in vielen Bächen und Flüssen. Doch Gewässerverunreigungen, das Abfischen durch den Menschen, Uferbegradigungen, natürliche Fressfeinden wie Aal, Zander, Barsch und vor allem die Krebspest hatten ihm laut Naturschutzbund NRW so zugesetzt, dass es heute nur noch wenige Edelkrebsbestände gibt. Auch in Oberläufen von Bächen oder in Tümpeln, Teichen und Seen in der Voreifel wurde der Krebs lange Zeit nicht mehr gesehen.

Doch das könnte sich bald ändern. In einem landesweiten Projekt haben der Nabu und der Fischereiverband NRW in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis unlängst 300 Jungtiere in einem Gewässer bei Rheinbach ausgesetzt. Mit Rücksicht auf den Naturschutz und auf ausdrückliche Bitte des Nabu verzichtet der General-Anzeiger auf eine genauere Ortsangabe. 

Vor vier Jahren startete der Nabu unter Federführung von Harald Groß und Assistentin Marina Nowak das landesweite Edelkrebsprojekt mit regionalen Partnern. Es geht darum, Jungtiere aus der eigenen Aufzuchtstation wieder aktiv in nordrhein-westfälischen Gewässern anzusiedeln. „Bisher wurden über 18 000 Tiere in verschiedenen Gewässern ausgesetzt“, erklärt David Graf. Er ist beim Nabu NRW für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und bewertet als Ansprechpartner für die Region Ostwestfalen-Lippe potenzielle Besatzgewässer. Wo die Edelkrebse aufgezogen werden, will er zum Schutz des Projektes nicht sagen.

Alle Gewässer überprüfen die Naturschützer eingehend. In Frage kommen solche, die im Sommer eine Mindesttemperatur von 15 Grad erreichen, über lehmige Ufer und viele Versteckmöglichkeiten verfügen, etwa grobe Steine, Wurzeln und Totholz. Ganz wichtig ist laut Graf: „Es dürfen keine invasiven Arten im näheren Umfeld nachweisbar sein, da amerikanische Bestände den Besatz mit Edelkebsen fast immer unmöglich machen.“ 

Edelkrebse sind heute vor allem durch die Krebspest (Aphanomyces astaci) bedroht. „Dieser Scheinpilz befällt alle heimischen Arten und ist fast immer tödlich“, erläutert Graf. „Wenige Sporen genügen theoretisch, um einen gesamten Bestand zu vernichten, was leider jedes Jahr passiert.“ Invasive Arten wie Kamber- oder Signalkrebs würden diese Krankheit übertragen, gegen die sie selbst weitgehend resistent seien.

Andere Bedrohungen sind laut Graf unter anderem der Mensch sowie Wasservögel. „Die können die Sporen verbreiten.“ Besonders Angelgeräte sollten mehrere Tage trocken gelagert werden, um Sporen abzutöten, aber auch Hunde die oft im Wasser spielen, Gummistiefel oder ähnliches seien potentielle Überträger.

Aus eigener Aufzucht stammen die eingesetzten Edelkrebse. Foto: Axel Vogel/AXEL VOGEL

Dass nun auch 300 Edelkrebse bei Rheinbach ausgesetzt wurden, ist Hans Troullier, Vorstandsmitglied beim Bonner Nabu, zu verdanken. „Ich bin vor einem Jahr auf das landesweite Projekt aufmerksam geworden“, erklärt der Wormersdorfer: „Schließlich wurden landesweit geeignete Areale für die Wiederansiedlung gesucht, und da ist mir sofort das Gewässer bei Rheinbach eingefallen, welches aus meiner Sicht höchst geeignet ist.“ Dieses verfüge über große Steine und Lehmufer, welche die nachtaktiven Tiere gerne als Verstecke nutzen würden. Auch sei die Wasserqualität hervorragend.

Wie sich die Population der 300 Jungtiere entwickeln wird, will der Nabu verifizieren: „Jedes unserer Gewässer wird nach zwei bis drei Jahren kontrolliert“, sagt Graf. „Durch Reusen und Begehungen bei Nacht werden Tiere gesucht.“ Anhand der Größe lasse sich ungefähr ermitteln, ob sich die Krebse eigenständig fortpflanzen können und der Bestand somit wächst.

Nimmt das Projekt einen positiven Verlauf, würde das Troullier überaus freuen. „Wenn hier die Edelkrebse tatsächlich heimisch werden, dann ist der naturschützerische Bestand des Gewässers quasi gesichert und es gibt kaum noch Eingriffsmöglichkeiten für Bauprojekte oder andere Aktivitäten in diesen Naturraum.“ Die landwirtschaftliche Nutzung der angrenzenden Flächen müsse jedoch nicht eingeschränkt werden. Die Nabu Kreisgruppe wäre laut Troullier generell dankbar, wenn Landwirte Düngung und Unkrautbekämpfung möglichst gering halten würden.