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Rheinbacher starten Briefaktion: Niederdreeser verschicken 200 Briefe für den Dorfplatz

Rheinbacher starten Briefaktion : Niederdreeser verschicken 200 Briefe für den Dorfplatz

Für die Niederdreeser war es eine kleine Sensation, als das Land vor einigen Wochen Fördermittel für die Umgestaltung des Dorfplatzes im 450-Seelen-Ort bewilligte. Für das Projekt aus der Mitte der Dorfgemeinschaft sucht diese nun weitere Sponsoren.

Holger Klöß hatte am Freitagnachmittag einen Korb randvoll mit Briefen in der Hand. 200 Umschläge wollte der Niederdreeser Ortsvorsteher bei der Postbankfiliale an der Pützstraße abgeben – doch diese machte ihm einen Strich durch die Rechnung. „Aus betrieblichen Gründen geschlossen“ stand an der Tür. Doch davon lässt sich das Team um Klöß nicht aufhalten, schließlich haben die Niederdreeser eine Mission: Sponsoren für die innovative Neugestaltung ihres Dorfplatzes zu finden.

Im Ort war es eine kleine Sensation, als das Land der Dorfgemeinschaft vor einigen Wochen Fördermittel aus dem Dorferneuerungsprogramm zugesagt hatte. Immerhin hat Niederdrees nur 450 Einwohner. Doch diese haben sich zusammengetan und einen detaillierten Plan entworfen, um den knapp 50 Jahre alten Dorfplatz rund um Kirche, Feuerwache und alte Schule umzugestalten – und das modern nachhaltig. Das Land steuert 65 Prozent der benötigten rund 100 000 Euro bei. Die verbleibenden 35 Prozent wollen Klöß und Co. mit einem Rundschreiben an Unternehmern aus Rheinbach einwerben. 

Dieses enthält die Pläne und Skizzen, die die Vision der Niederdreeser veranschaulichen. Verwantwortlich für die gekonnten Zeichnungen ist Jan Peter Stiller, der seine Expertise als Sachgebietsleiter Pflege und Entwicklung von Grünflächen im Grünflächenamt der Stadt Bonn einbringt. „Das ist keine Idee von einigen wenigen“, betonte er. Der ganze Ort konnte sich über ein Werkstattverfahren an den Plänen beteiligen.

Dorfplatz wird praktisch und pflegeleicht

Herausgekommen ist ein Entwurf, der die typischen Funktionen eines Ortskerns beinhaltet – etwa einen Maibaumständer und Platz für Aufführungen –, der gleichzeitig aber pflegeleicht, innovativ und nachhaltig ist. Die absterbenden Bäume soll eine klimaresistente Art ersetzen. Die pflegeintensive Wiese soll „pflegeextensiven Mischstauden“ weichen, berichtete Stiller. Sie verdrängten Wildkräuter, man müsse sie nur anfangs bewässern, außerdem seien sie bei Insekten äußerst beliebt. „Der Pflegeaufwand geht gegen null“, sagte Klöß.

Neben die Feuerwache kommen Fahrradständer und eine Ladestation für E-Bikes, ergänzte Jutta Hasselbach, die jahrelang das Naturparkzentrum geleitet hatte. Im Ort als Teil der Apfelroute gebe es „ein großes Aufkommen an Fahrradfahrern“. Den Strom werde eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Wache liefern. Die Anlage soll auch die Beleuchtung am Platz und die Pumpe eines neuen Brunnens versorgen, der mit Regenwasser aus einer unterirdischen Zisterne gespeist wird.

Durch die Entfernung einiger Büsche soll der Platz optisch mit dem offenen Bücherschrank und dem Spielplatz neben der Feuerwache verbunden werden, den der Niederdreeser Ortsausschuss bereits vor vier Jahren für 20 000 Euro neugestaltet hatte. Erste Angebote hat sich das Team laut Hasselbach bereits eingeholt. Stiller ist zuversichtlich, die Umgestaltung bis Ende des Jahres abgeschlossen zu haben.

Postbankfiliale war wegen Personalausfalls geschlossen

Danach will die Dorfgemeinschaft den Platz der Stadt übergeben. Geld wolle das Team von der Stadt nicht, lediglich „mal einen Bagger oder dass Bauschutt weggefahren wird“, sagte Klöß. Das sollte kein Problem werden, denn der Entwurf hat auch Bürgermeister Ludger Banken überzeugt. Er unterstütze die Aktion „aus vollem Herzen“, sagte er, als er am Freitag die Briefe mit zur Post brachte. „Sich als Dorfgemeinschaft so dahinter zu klemmen, das ist aller Ehren wert.“

Die Postbankfiliale war ab dem Nachmittag übrigens wegen eines kurzfristigen Personalausfalls geschlossen, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Ab Samstag soll wieder regulär geöffnet werden.