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Rheinbach: Alter Trafoturm dient als Schutzraum für Greifvögel

Naturschutz : Alter Trafoturm dient als Schutzraum für Greifvögel

In Klein-Altendorf dient ein alter Trafoturm als Rückzugort für Greifvögel. Jetzt wurde das Gebäude nochmals verbessert.

. Auch in Zeiten der Corona-Pandemie bleiben Naturschützer aus der Region aktiv. Schließlich spielt sich bei ihnen sowieso fast alles im Freien ab, wo sich auch der gebührende Abstand halten lässt. Tätig werden mussten der Rheinbacher Hans Troullier und sein Swisttaler Mitstreiter Peter Meyer, beide Vorstandsmitglieder im Bonner Nabu, zuletzt in luftiger Höhe am ehemaligen Trafoturm zwischen dem Campus Klein Altendorf und Wormersdorf – und dafür war der Einsatz eines Hubwagens erforderlich. Der frühere Zweckbau eines Energieversorgers dient dem Nabu nämlich seit rund zwei Jahren als Nisthilfe für Eulen und Greifvögel wie Schleiereulen und Turmfalken. Da diese inzwischen bestens angenommen wird, gab es Optimierungsbedarf. Der Nistkasten für die Turmfalken an der Außenmauer des Turmes musste in etwa sieben Metern Höhe gereinigt werden, Wichtiger war jedoch bei der Gelegenheit, den Kasten aus dem Inneren des Turms für die Naturschützer zugänglich zu machen.

Aktuell betreut der Nabu im linksrheinischen Kreisgebiet drei dieser ausgedienten Trafotürme: Neben dem Turm in Klein-Altendorf gibt es noch einen weiteren im Merler Winkel in Meckenheim und in Ludendorf. Demnächst kommt noch ein vierter Turm in der Alfterer Ortslage Gielsdorf hinzu. Auch die Nutzung eines ausrangierten Turms in Rheinbach-Queckenberg hatte Alt-Bürgermeister Stefan Raetz dem Nabu im vergangenen Jahr noch zugesagt. Den Nabu freut das: „Denn das alternative Nistangebot wird bestens angenommen“, so betont Hans Troullier: „Insbesondere von Schleiereulen und Turmfalken.“ Aber auch andere Gebäudebrüter wie Mauersegler und Mehlschwalben, Sperlinge sowie Fledermäuse würden von dem gemauerten Refugium Gebrauch machen.

Peter Meyer, der aus Morenhoven kommt, bekräftigt, dass es viele Eulen und Greifvögel hierzulande heute schwer haben, zu überleben. Das hängt nicht nur mit dem vermehrten Einsatz von Rodentiziden-Giften gegen Nagetiere, der Hauptbeute dieser Vogelarten, zusammen. Auch fehlen in den aufgeräumten Feldfluren rund um unsere Dörfer Strukturen wie Hecken und Straßenbäume, die Schutz und Nahrung bieten. „Vor allem jedoch werden geeignete Brutplätze für die Tiere immer mehr zur Mangelware“, weiß der Wormersdorfer Hans Troullier: „Durch Abbruch- oder Sanierungsmaßnahmen an Dächern, etwa an Scheunen und Kirchen, sind viele Nistmöglichkeiten verloren gegangen.“ Ohne Sommerquartiere in Dachböden, Fassaden- und Mauerspalten und ohne zugluft- und frostfreie Winterquartiere etwa in Höhlen seien die Überlebenschancen zum Beispiel von Fledermäusen gering.

Darum sind aus Sicht von Hans Troullier die Trafotürme geradezu ideale Rückzugsareale. Sie hätten dazu beigetragen, dass sich die Populationen auch in der Region wieder erholt haben. Allein in dem Trafoturm in Klein Altendorf sind im vergangenen Jahr fünf Turmfalkenküken geschlüpft und zudem sechs Schleiereulen. Gut kontrollieren kann der Nabu das Brutgeschehen durch Videokameras, die vor den Brutkästen angebracht sind.

Das Problem war bislang der Brutkasten für den Turmfalken. Dieser war von außen am Turm angebracht, ohne eine Zugriffsmöglichkeit aus dem Inneren des Dachstuhls. Anders als bei dem Nistkasten für die Schleiereulen: Der steht im Dachstuhl des Turms, und die Schleiereulen können durch ein Loch in der Turmmauer in das künstliche Nest gelangen. Vorteil für die Nabu-Leute: „So können wir das Gelege regelmäßig sauber machen“, sagt Troullier. Dass sei mit Blick auf den hohen Eintrag von Gewöllen sehr wichtig: „Wenn die Greifvögel Nachwuchs haben, dann kommt es vor, dass jeder Jungvogel mehrere Mäuse pro Tag vertilgt“, ergänzt Peter Meyer. „Wenn wir da nicht regelmäßig sauber machen, stapeln sich die Gewölle schnell bis unter die Decke des Brutkastens.“