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Rheinbach: Bürger kämpfen um ihre Bücherei

Verein sammelt Unterschriften : Rheinbacher kämpfen um ihre Bücherei

Im vergangenen Juni erklärte das Erzbistum Köln das Ende der finanziellen Förderung von drei Vertragsbüchereien im Rhein-Sieg-Kreis. Auch die Bücherei in Rheinbach ist betroffen. Besteht Hoffnung auf Rettung?

Die Öffentliche Bücherei St. Martin ist nicht nur ein Ort des Lesens. Dort werden auch Lebensgeschichten geschrieben. Leiterin Daniela Hahn berichtete beim Gespräch vor Ort von einer jungen Frau, die von einem Arbeitsplatz in der Bücherei und mit Unterstützung der Mitarbeitenden Bewerbungen schrieb. Mit einer Zusage für einen Ausbildungsplatz kam sie ein paar Wochen später stolz und dankbar wieder in die Bücherei. Die Arbeit in der Bücherei sei nicht nur organisatorischer Natur, sondern vor allem „Arbeit mit Menschen für Menschen“, meinte Mitarbeiterin Birte Wulf-Kipperson.

Doch die sogenannte Vertragsbücherei ist, wie berichtet, in ihrer Existenz gefährdet. Ohne vorherige Ankündigung bei den Vertragspartnern erklärte das Erzbistum Köln im Juni 2021 das Ende seiner Förderung nach 2023. Vertragsbüchereien gibt es seit den 1970er-Jahren. Kommunen und örtliche katholische Kirchengemeinden schlossen damals Kooperationsverträge. Auf dieser Basis betreiben die Gemeinden die Büchereien, bislang mit finanzieller Unterstützung durch das Erzbistum.

1600 Unterschriften für die Rheinbacher Bücherei

Aus eigener Tasche können die Kommunen und Kirchengemeinden die Büchereien alleine nicht aufrechterhalten. Eine Umwandlung der Rheinbacher Bücherei in eine rein ehrenamtlich betriebene Einrichtung schließen die Beteiligen aus, sie möchten den Nutzerinnen und Nutzern weiter den vollen Umfang bieten, auch mit hauptamtlichen Kräften.

Der Verein „Rheinbach liest“ setzt sich daher für den Erhalt der Bücherei und für neue Verhandlungen zwischen den Vertragspartnern ein. Mit der Aktion „Alarmstufe Rot!“ sammelt der Verein seit Juni 2021 Unterstützungsunterschriften. Mehr als 1600 Unterschriften sind so, sowohl digital als auch analog, zusammengekommen. Symbolisch wurden diese Unterschriften jetzt Vertretern von Politik, Kirchengemeinde und Erzbistum übergeben.

Gerd Engel, zweiter Vorsitzender von „Rheinbach liest“, fragte die Vertreter von Kirche und Politik, wie viel die Bücherei und ihr „Kulturfaktor“ ihnen wert sei. In ihren Antworten waren sich die anwesenden Vertreter von CDU, Grünen und UWG einig: Die Bücherei solle im selben Umfang an ihrem derzeitigen Standort erhalten bleiben, es stelle sich jedoch die Frage der Finanzierung mit begrenzten Mitteln.

Die Stadt Rheinbach bezahlt ein Drittel der Kosten für die Bücherei

Pfarrer Bernhard Dobelke als Vertreter der Rheinbacher Kirchengemeinde bedauerte, dass bisherige Rücklagen der Gemeinde für den Erhalt der Bücherei zu Ende gingen. In Zukunft müsse man hinsichtlich der finanziellen Unterstützung der Einrichtung umdenken. Das bedeute aber nicht einen vollständigen Rückzug: „Wir sind bereit das, was im Rahmen unserer Möglichkeiten liegt, zu tun“, so Dobelke. Bisher wird die Bücherei zu einem Drittel aus Mitteln der Stadt und zu zwei Dritteln aus Mitteln der Gemeinde, mit erheblicher Unterstützung des Erzbistums, finanziert. Konkrete Zahlen nannten die Anwesenden auf GA-Nachfrage nicht.

Derzeit arbeiten drei hauptamtliche Mitarbeiterinnen auf zwei Stellen sowie rund 40 ehrenamtliche Mitarbeitende in der Bücherei St. Martin Rheinbach. Ohne die fachliche Kompetenz der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen unter Leitung von Daniela Hahn sei ein Büchereibetrieb auf dem derzeitigen Niveau nicht möglich, sagte Wulf-Kipperson. Die Bücherei verzeichnet über 42.000 Besucher im Jahr, die 80.000 Medien ausleihen.

Peter Scharr vom Referat für Kultur und Bildung des Erzbistums Köln versuchte, die Gemüter zu beruhigen: Eine Schließung der Vertragsbüchereien sei zu keinem Zeitpunkt vorgesehen gewesen, fehlende Mittel hätten das Erzbistum jedoch zum Umdenken gezwungen.

So steht es um die Büchereien in Alfter und Meckenheim

Da Bildung als „hoher und unverzichtbarer Wert“ jedoch gefördert werden müsse, werde man sich auch in Zukunft als Förderer nicht ganz zurückziehen, so Scharr. Ein Modell zur Erhaltung der Bücherei liege vor. Dazu sind laut Dobelke Gespräche zwischen den Vertragspartnern für Anfang April geplant. 

Ähnlich ist Situation in Alfter und Meckenheim. Dies teilten die Leitungen der Büchereien auf Anfrage des General-Anzeigers mit. Ebenso dort sind die Vertragsbüchereien St. Matthäus (Alfter) und St. Johannes der Täufer (Meckenheim) in ihrer Existenz bedroht, wogegen auch in beiden Kommunen protestiert wird.

Die Verträge zwischen Kommunen und Kirchengemeinden hätten bisher weiterhin Bestand, hieß es. Man sei weiter im Gespräch und auf der Suche nach einer Lösung. Franzis Steinhauer, Leiterin der Bücherei St. Matthäus in Alfter, blickte im Gespräch mit dem GA zuversichtlich in die Zukunft: „Ohne uns geht es gar nicht“, sagte sie.