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Rheinbach: Bürger patrouilliert gegen Plünderer

Nach der Flut in Rheinbach : Bürger unterstützt Polizei im Einsatz gegen Plünderer

Weite Teile Rheinbachs sind noch immer ohne Strom. Michael Firmenich verbringt daher zurzeit schlaflose Nächte. Er streift mit der Taschenlampe im Anschlag durch die Rheinbacher Innenstadt, um Plünderungen zu verhindern.

Wenn die Finsternis über Rheinbach hereinbricht, schlägt die Stunde von Michael Firmenich. Der 69-jährige Optiker macht die Augen auf, zieht sich an und greift das Smartphone und seine Taschenlampe. Anschließend begibt er sich, mal zu Fuß, mal mit dem Auto, auf Patrouille durch die Rheinbacher City. „Das ist leider notwendig, denn in der Innenstadt gibt es bisher keinen Strom, die Laternen sind alle aus, es ist stockdunkel und viele Menschen in der Stadt haben Angst vor Plünderungen“, sagt Firmenich.

 Zur Geisterstunde auf der Pirsch

 „Nachts ist es schon gespenstisch, wenn ich durch die Gassen gehe, die Hauptstraße hoch und runter“, beschreibt der engagierte Rheinbacher, dessen Tochter Inhaberin einer Optiker-Filiale im Stadtzentrum ist. Auch sie will Firmenich mit seinen Stippvisiten bei Nacht etwas beruhigen.

Beatrice Firmenich hingegen hat ein flaues Gefühl, wenn ihr Vater mitunter allein nachts durch die Straßen streift. Allerdings ist die 32-Jährige davon überzeugt, dass die nächtlichen Erkundungstouren für „ein wenig mehr Sicherheit in unsicheren Zeiten“ sorgen. „Es ist traurig genug, dass viele Menschen infolge des Hochwassers schon so viel verloren haben. Deshalb ist es völlig inakzeptabel, dass andere Menschen daherkommen und versuchen, aus dieser Situation auch noch Profit zu schlagen“, sagt sie.

Genau das hat Aufpasser Firmenich bereits beobachtet. „Ich wurde mehrfach Zeuge, wie Fremde sich an den draußen an der Straße stehenden Gegenständen zu schaffen machen wollten“, sagt er. „Als ich mit der Taschenlampe auf diejenigen zulief und sie ansprach, sind sie gleich weg gewesen.“ Auch in der direkten Nachbarschaft seien bereits mehrfach Diebe zu Werke gegangen. „Deshalb bin ich fest entschlossen gewesen, schnell etwas dagegen zu unternehmen.“

Firmenich ging prompt zur Polizei, hinterlegte seine Daten und informierte die Beamten über seine geplante Initiative. „Es war für die Beamten unter bestimmten Voraussetzungen – wie etwa gut erkennbare Bekleidung – in Ordnung, seitdem bin ich in drei Nächten unterwegs gewesen. Seit der dritten sind nachts spürbar mehr Polizisten auf Streife. Und mich begleitet seit Kurzem ein weiterer Nachbar, bei dem zuvor auch bereits Einbrecher im Hausflur standen.“ Knapp zehn Kilometer spult Firmenich pro Nacht ab, wenn er offenen Auges durch Rheinbachs Viertel streift. Angst habe er währenddessen nicht, stets aufmerksam sei er aber allemal. „Ich habe die Mobilnummer der Polizei im Schnellzugriff meines Telefons gespeichert. Ich bin immer alarmbereit. Das Smartphone habe ich immer griffbereit in meiner Tasche, um die Einsatzkräfte möglichst schnell und umfassend informieren zu können.“

 Polizei warnt vor gefährlichem Leichtsinn

 Genau darauf setzt auch die Polizei. „Wir brauchen in dieser besonderen Konstellation die Augen und Ohren der Bevölkerung“, sagt Max Wilmes, Sprecher der Polizei Köln. „Wir sind darauf angewiesen, dass Hinweise auf solche Situationen von den engagierten Bürgerinnen und Bürgern kommen, denn auch die Polizei vor Ort kann nicht gleichzeitig überall sein.“ Explizit weist der Polizeisprecher aber auf die Grenzen solch zivilen Engagements hin. „Handlungen als Selbstjustiz und Einsätze etwaiger Bürgerwehren sind selbstverständlich nicht geboten. Zudem sollte sich bei solchen gemachten Beobachtungen niemand leichtsinnig in Gefahr begeben. Wir setzen auf die Informationen der jeweiligen Anwohner und Betroffenen und garantieren eine möglichst rasche und gewissenhafte Prüfung und Bearbeitung des Sachverhaltes durch unsere Einsatzkräfte vor Ort.“

Am Mittwoch sind Hunderte Mitarbeiter des Energieversorgers Weststrom vom Rheinbacher Kirmesplatz aus in die Stadt ausgeschwärmt. Emsig checken die Elektriker beschädigte Verteilerkästen und überprüfen die Hausanschlüsse jedes Anliegers. „Es wäre schön, wenn nun auch bald die Innenstadt vollständig Strom hätte und die Laternen wieder funktionierten“, sagt Firmenich. Dann könnte mit Sicherheit auch er nachts wieder beruhigt schlafen.