Kurz vor dem Abriss Rheinbacher rettet Relief des Architekten Claus Kerwer

Rheinbach · Auf einem Spaziergang sah Peter-Josef Münz zufällig, wie an einem Haus am Rotdorn ein Relief entfernt werden sollte. Es handelte sich dabei um ein Werk des regional bekannten Architekten Claus Kerwer, nach dem in Rheinbach sogar ein Weg benannt ist.

Der Architekt Claus Kerwer entwarf in Rheinbach ein Haus mit Schmuckrelief. Nun steht der Abriss an. Peter-Josef Münz konnte die Darstellung des Heiligen Franziskus von Assisi retten.

Der Architekt Claus Kerwer entwarf in Rheinbach ein Haus mit Schmuckrelief. Nun steht der Abriss an. Peter-Josef Münz konnte die Darstellung des Heiligen Franziskus von Assisi retten.

Foto: Axel Vogel

Die Stadt Rheinbach hätte beinahe ein Kunstwerk verloren. Doch dem spontanen und beherzten Eingreifen von Peter-Josef Münz ist es zu verdanken, dass ein Relief des überregional bekannten Architekten Claus Kerwer nun doch erhalten bleibt.

Abbau erfolgte nicht fachkundig

Das Werk, eine Darstellung des Heiligen Franziskus von Assisi, zierte bisher eine Mauer neben einem Privathaus an der Rheinbacher Straße „Rotdorn“. Als Münz Ende Oktober zufällig dort vorbeikam, sah er, wie gerade versucht wurde, das Relief zu entfernen. Da sei er sofort eingeschritten, schildert er. Denn: Der Abbau sei nicht fachkundig erfolgt. „Ich kümmere mich darum“, nahm sich der 74-Jährige sofort vor. Schließlich kennt er Haus und Kunstwerk.

Das Haus, das ehemals der Familie Gerharz gehörte, entwarf Claus Kerwer, wie einige weitere in Rheinbach und nicht zuletzt das Mahnmal für die Opfer der Weltkriege im Rheinbacher Stadtpark. Der Architekt schuf es für Otto Gerharz, der wie Kerwer selbst zu den Begründern der deutschen Baukeramik gehörte. Münz ist mit deren Arbeiten vertraut, war er doch während seines Kunstlehrerstudiums 1972 im Rahmen eines Praktikums bei der Firma Gerharz an der Herstellung eines weiteren Reliefs, der „Milchstaße“ am heutigen Monte Mare Schwimmbad, beteiligt. Ein Werk, das leider unterdessen durch Vandalismus zerstört ist.

Das Haus am Rotdorn hat unterdessen auch den Besitzer gewechselt, die neuen Eigentümer lassen es abreißen. Sie hatten aber laut Münz Gerharz’ Erben erlaubt, das Relief zu entfernen. Eine Aufgabe, die auf Betreiben von Münz nun eine Fachfirma übernimmt. Denn: Er konnte Unterstützer gewinnen. „Besonders schnelle Hilfe erhielt ich über die Faßbender-Stiftung mit Sitz in Alfter, die unter anderem für die Unterstützung von heimatverbundenen Projekten und soziale Engagements bekannt ist“, so Münz. Aber auch von Rheinbachs Bürgermeister Ludger Banken sei Zuspruch gekommen.

Neuer Standort könnte an der Glasfachschule sein

Nun fehlt dem engagierten Bürger und ehemaligen Hauptschul-Kunstlehrer noch ein Ort, um das Kunstwerk sicher zwischenzulagern. Denn für dessen Zukunft hat er auch bereits Pläne. Es sei „eine Herzensangelegenheit, wenn das Relief vor dem Müllcontainer angebracht wird, der schon seit Jahren die Glasfachschule verschandelt“. Münz hofft, dass beispielsweise mit einer Mauer, an der das Relief angebracht wird, diese Container verdeckt werden könnten. Erste Gespräche mit der Schule habe er schon geführt.

Der 1991 verstorbene Architekt Claus Kerwer hat an vielen Stellen seine Spuren hinterlassen. So schuf er vor allem in den 1950er Jahren zahlreiche Privathäuser im Stadtgebiet. Auch Glasfenster, Haustüren und Wandkeramiken in Rheinbach, Bonn und der gesamten Region stammen von ihm. Im Rheinbacher Raiffeisenhaus und an einem Wohnhaus an der Kettlerstraße, Ecke KAB-Ring finden sich weitere Reliefs. Zu Ehren des Künstlers benannte die Stadt Rheinbach zudem den Weg östlich des Gräbbachs entlang des Mahnmals für die Opfer des Zweiten Weltkrieges in Claus-Kerwer-Weg.

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