1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Rheinbach

Rheinbach: Ein Stein erinnert an einen antiken Wasserexperten

Ausstellungsstück im Römerkanal-Infozentrum : Ein Stein erinnert an einen antiken Wasserexperten

Bereits im Römischen Reich gab es Experten für die öffentliche Wasserversorgung. An einen von ihnen wird nun in Rheinbach erinnert. In Sachen Wasserversorgung hatten die Römer den heutigen Menschen eines voraus.

So klein und doch so bedeutungsvoll: Das Römerkanal-Infozentrum am Himmeroder Wall ist um ein Ausstellungsstück reicher. Es handelt sich um den sogenannten Frontinusstein. Es ist die Replik eines fast 2000 Jahre alten Weihesteins, dessen Original im Römermuseum des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) in Xanten ausgestellt ist. In einem kleinen Festakt wurde der Neuzugang jetzt enthüllt und vorgestellt.

„Stolz und glücklich“ zugleich zeigten sich der Vorsitzende des Freundeskreises Römerkanal, Lorenz Euskirchen, der Präsident der Frontinus-Gesellschaft, Hans Mehlhorn, und Kurator Klaus Grewe. „Frontinus war ein herausragender, toller Mann, ein Multitalent“, sagte Mehlhorn.

Von Britannien nach Köln

In den Jahren 74/75 nach Christus war Sextus Julius Frontinus als Statthalter der Provinz Britannien im Amt und hat sich dort als Feldherr einen Namen gemacht. 84/85 nach Christus war er dann Prokonsul in der Provinz Asia. Am Stadttor des damaligen Hierapolis, das heutige Pamukkale in der Türkei, findet sich noch eine Inschrift mit seinem Namen.

Eine fehlende Zeile der Inschrift auf dem Frontinusstein konnte inzwischen durch einen archäologischen Fund ergänzt werden: Unter Kaiser Domitian war Frontinus etwa von 81 bis 83/84 nach Christus als „legatus Augusti pro praetore“ Kommandant des niedergermanischen Heeres. Damit war er auch Statthalter des dazu gehörenden Heeresbezirks, der in Colonia Claudia Ara Agrippinensium, das heutige Köln, seinen Amtssitz hatte.

Auch zum Römerkanal gibt es eine Verbindung. Frontinus war zum Abschluss seiner beruflichen Laufbahn zum Curator aquarum, zum Oberaufseher der stadtrömischen Aquädukte, berufen worden. Frontinus habe alles über Wasser gesammelt und niedergeschrieben, so Mehlhorn. Daraus sei das erste renommierte Lehrbuch entstanden.

2000 Jahre alt und noch heute relevant

Die deutsche Übersetzung dieses Lehrbuchs umfasse 85 Seiten, erläuterte Claudia Castell-Exner, Leiterin der Einheit Wasserwirtschaft, -güte, -verwendung beim Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW), der Branchenverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft mit Sitz in Bonn. Der DVGW hat die Duplizierung des Frontinussteins finanziert.

Vieles aus dem Buch sei heute noch relevant, so Castell-Exner. Für heutige Wasserfachleute sei das methodische Vorgehen des Frontinus vor fast 2000 Jahren nach wie vor vorbildlich. Und eines hatten die Römer den Menschen heute nach Castell-Exners Ansicht voraus: „Das verfügbare Trinkwasser war bei den Römern ein höchstes Gut. Heute ist das Bewusstsein seines Wertes demgegenüber gering.“ Konsequent ahndeten die Römer Vergehen wie illegale Wasserentnahme oder Verunreinigung: mit 10.000 Sesterzen Strafe, was 800 Euro entspreche.

Der Baumeister des Römerkanals?

„Frontinus war also so etwas wie eine Allzweckwaffe des Kaisers“, befand Grewe. 50 Jahre lang habe er dem Römischen Reich unter fünf Kaisern gedient. Dass er zum Schluss als Curator aquarum mit der Wasserversorgung Roms betraut wurde, sei ein großer Vertrauensbeweis gewesen.

„Frontinus war für die römische Wasserversorgung eine ganz entscheidende Persönlichkeit. Deshalb ist es wichtig, den Weihestein im Info-Zentrum zu haben“, sagte Grewe weiter. Und in Hinblick auf die weitere Forschung stellte er eine Hypothese auf: dass Frontinus der Baumeister des Römerkanals gewesen sei.