Häftling in der JVA Rheinbach Wiederholungstäter Makhum: „Diese Haft soll die letzte sein“

Rheinbach · Wie schaut ein Mensch auf sein Leben, wenn er nach mehrfachen Straftaten schon wieder im Gefängnis sitzen muss? Mahkum wurde vor zwei Jahren in die JVA Rheinbach verlegt. Als Wiederholungstäter kennt er die Abwärtsspirale, die viele nach ihrer ersten Haftstrafe wieder packt.

 Vergitterte Fenster an einer JVA (Symbolfoto).

Vergitterte Fenster an einer JVA (Symbolfoto).

Foto: dpa/Christophe Gateau

Dass es sich beim ersten Kulturfest in der Justizvollzugsanstalt an der Aachener Straße in Rheinbach nicht um ein ganz normales Sommerfest handelte, wurde den Gästen schon bei der Begrüßungsrede von Anstaltsleiterin Renate Gaddum klar. Denn im Vordergrund stand der eindringliche Appell an die über 100 Inhaftierten vor Ort, sich ruhig zu verhalten und dieses Fest zu genießen, da es ansonsten einen sofortigen Abbruch der Feier bedeuten würde.

„Wir bringen hier zum ersten Mal die Gefangenen aus verschiedenen Blöcken für einige Stunden in einer lockeren und ungezwungenen Atmosphäre zusammen“, erläuterte Pressesprecherin Inga Thulfaut, die klare Ansprache. „Da haben sich einige noch nie gesehen, weshalb es klare Grenzen vorab geben muss.“ Das Fest hat der Verein GSE, die Gesellschaft zur sozialen Eingliederung, mit seiner finanziellen Unterstützung ermöglicht. Aus dem Vorstand sind Deborah Rupprecht und Sven Kraatz mit vor Ort, um Kontakt mit den Inhaftierten aufzunehmen und ihre Angebote bekannter zu machen.

Vorbereitung für das Leben nach der Haft

„Wir versuchen, mit unserer Arbeit die Inhaftierten dabei zu unterstützen, soziale Kontakte aufzubauen“, erklärt Rupprecht die Arbeit des Vereins. „Dadurch sollen die Menschen Perspektiven für ein Leben nach der Haft entwickeln.“ Dabei ist der Verein immer auf der Suche nach ehrenamtlich tätigen Menschen, denn es gibt viele Anfragen seitens der Justiz für mögliche Angebote. „Empfehlenswerte Eigenschaften sind Verlässlichkeit, Empathie, Ausgeglichenheit, die Fähigkeit, sich und anderen Grenzen zu setzen, sowie ein gutes Bauchgefühl und ein gewisses Maß an Skepsis“, erläutert Kraatz das umfangreiche Anforderungsprofil an Interessierte. „Da zunehmend Menschen aus nicht-europäischen Ländern inhaftiert sind, suchen wir auch Menschen, die Kenntnisse in Englisch, Arabisch, Französisch oder Persisch haben.“

Neben vielen sportlichen Aktivitätsstationen von LKW-Reifen-Rollen über Wikingerschach bis Torwandschießen, einem reichhaltigen Buffet mit Paella, Salaten und Leckerem vom Grill, wird an diesem Tag den Gästen auch ein musikalisches Rahmenprogramm geboten. Merle Böwering und Donovan Tusk kommen von „Live Music Now“, einem vom britischen Musiker Yehudi Menuhin gegründeten Förderprogramm für junge Talente. Sie spielen einige Jazzstandards, die über den Sportplatz der Justizvollzugsanstalt verklingen und einen entspannten Vibe zum sonnigen Wetter verbreiten. Nach einem Kurzauftritt des neuen Seelsorgers für die JVA mit dem Kirchenchor spielt zum Abschluss ein Duo aus den eigenen Reihen.

Sänger Mahkum (Name von der Redaktion geändert) wurde vor zwei Jahren nach Rheinbach verlegt. Als Wiederholungstäter kennt er die Abwärtsspirale, die viele nach ihrer ersten Haftstrafe wieder packt. „Es ist nicht so leicht, da rauszukommen. Falsche Freunde, Drogen, Spielsucht und irgendwann wird man wieder schwach“, ist Mahkums klare Analyse. 17 Jahre lang war er verheiratet. „Meine Frau hat sich irgendwann scheiden lassen. Keiner will so einen Mann, der kriminell ist, lügt, Drogen nimmt und keinen klaren Verstand hat. Ich habe das mit der Zeit aber gelernt, diesen Tatsachen ins Auge zu schauen. Für die Zukunft werde ich ein drogen- und suchtfreies Leben führen. Dabei hat mir die Musik viel geholfen.“

Das Schreiben hilft beim Blick nach vorne

Über das Schreiben von Liedern und Texten hat er mit seinem Psychologen, der jedem Inhaftierten auf Wunsch zur Seite steht, mittlerweile klare Visionen für seine Zukunft entwickelt. „Diese Haft soll die letzte sein. Im Leben gibt es andere, wichtigere und wertvollere Dinge, die man einfach genießen will, weil das Leben so groß ist.“ Viele seiner Mithäftlinge betrachteten den Knast als Loch und Klapsmühle. „Für mich ist die Zeit hier eine Schule, ein Studium, eine Mission. Früher war ich sehr schüchtern und verschlossen. Jetzt habe ich es geschafft, aus mir herauszukommen und selbstbewusster zu sein.“ Auf seinem Weg unterstützen Mahkum viele Ehrenamtliche, die mit ihren Angeboten von Musik- über Islamgruppe bis hin zur Betreuung der Bibliothek ihre Freizeit „hinter Gittern“ verbringen.

Das erste Kulturfest in der Justizvollzugsanstalt ging am frühen Nachmittag ohne Vorfälle zu Ende. Sowohl die Inhaftierten als auch die Bediensteten der Justiz sprachen sich für eine Wiederholung aus.

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