Kita Rasselbande wird 30 In dieser Rheinbacher Kita wird Inklusion täglich gelebt

Rheinbach · Seit 30 Jahren besteht die Kita Rasselbande in Rheinbach und lebt seitdem Integration und Inklusion vor. Am Freitag feiert sie das mit ihrem Jubiläumsfest. Mit dem GA blicken die Verantwortlichen auf die letzten Jahrzehnte voller Erfolge und Herausforderungen.

 Gute Stimmung und vorbildliches Konzept: Die Kita Rasselbande in Rheinbach.

Gute Stimmung und vorbildliches Konzept: Die Kita Rasselbande in Rheinbach.

Foto: Axel Vogel

Die Kita Rasselbande in Rheinbach ist in Feierlaune und das aus gutem Grund: Am Freitag begeht sie ihr 30-jähriges Bestehen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1994 wird in der heilpädagogischen Kita Inklusion großgeschrieben. Dennoch hat sich in den letzten Jahrzehnten viel verändert.

„Die Rasselbande war schon immer ein Ort, wo sich jeder willkommen fühlen darf“, macht Angela Donmke, Verbundleitung Kitas und Frühförderzentren der Lebenshilfe Bonn – dem Träger der Kita – klar, sieht jedoch auch deutliche Unterschiede in der heilpädagogischen Arbeit: „Früher wurde den Kindern viel abgenommen und weniger zugetraut, der Fokus lag auf der Behinderung. Heute schaut man auf die Kompetenzen und was das Kind kann. Teilhabe und der Mensch an sich stehen im Mittelpunkt.“

Heute wird den Kindern mehr zugetraut

„Früher“, das war in den 90er Jahren. 1991 übernahm die Lebenshilfe Bonn die Trägerschaft für eine weitere heilpädagogische Kita im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Der provisorische Standort war in Berkum, bevor dann der Umzug nach Rheinbach in die neu gebaute Kita Rasselbande erfolgen konnte. Damals seien hauptsächlich Kinder mit Mehrfachbehinderung betreut worden und zwar in drei Gruppen à acht Kinder. Seit 1997 betreibt die Kita ein inklusives Konzept, bei dem auch nicht behinderte Kinder aufgenommen werden. Dadurch hat sich auch die Gruppenstruktur verändert: Neben einer heilpädagogischen Gruppe, gibt es nun zwei inklusive Gruppen, in denen bis zu zehn Kinder ohne und fünf mit Behinderung Platz finden. Insgesamt betreut die Rasselbande derzeit 48 Kinder.

Von diesem Konzept ist die heutige Leiterin der Rasselbande Dorothee Eckey überzeugt, profitieren doch alle Kinder von einander: „Die Kinder lernen so im Zusammenleben Werte wie Toleranz und Offenheit“, erklärt sie und weist daraufhin, dass alle Kinder im Rahmen ihrer Möglichkeiten stets an allen gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen. So seien in der Rasselbande Aktivitäten innerhalb der gewohnten Gruppen, aber auch im Verbund alltäglich. Dazu zählen auch ein gemeinsames Frühstück, Singen oder Ausflüge in den Wald. Auch hier erleichtert die moderne Technik einiges, wie Eckey anhand einer Anekdote eindrücklich schildert: „In den 90ern mussten Erzieher viel basteln und kreativ werden beim Thema Inklusion. Meine Kollegen haben damals einem Kind mit Spina bifida (Spaltung der Wirbelsäule, Anm. Red.) ein Rollbrett gebastelt, damit es sich auch auf dem Boden bewegen konnte.“ Heute seien allein die Rollis mehr an den Körper angepasst und funktioneller. Ansonsten erleichtern Piktogramme der sogenannten Kölner Kommunikationstafel und Talker die Kommunikation zwischen sprachbeeinträchtigten Kindern: „Die Talker werden von uns oder auch anderen Kindern besprochen, sodass feste Passagen auf Knopfdruck zum Beispiel beim Singen abgerufen werden können“, durch die Piktogramme sei gezielte Satzbildung mit Adverbien und Präpositionen möglich: „Ein Kind kann dadurch beim Mittagessen gezielt sagen ‚Ich möchte gern mehr Nudeln‘.“

Individuelle Förderung steht ganz oben

Zusätzlich steht für die behinderten Kinder ein gezieltes Förderungsprogramm auf der Tagesordnung: Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten unterstützen das 19-köpfige Kita-Team gezielt. Eckey und ihre Kollegen erstellen mit den Profis und den Eltern gezielt individuelle Förderungspläne für die Kinder, die auch in den familiären Alltag einfließen.

Verloren geht aber viel Zeit der Erzieher, die sie lieber für die Kinder nutzen würden: „Wir unterstützen und beraten die Eltern auch bei der Antragsstellung von Fördergeldern“, erklärt Donke und bilanziert: „Die Geldtöpfe sind nicht unendlich. Da muss man für jedes Kind kämpfen“, demnach verschlinge die Bürokratie für Berichte und Anträge sehr viel wertvolle Zeit und Nerven.

Trotzdem stehen die Kinder immer in Vordergrund und werden bestmöglich in der Rasselbande gefördert: „Die Kinder sollen hier ganz eigene Erfahrungen sammeln und ihre Wahrnehmung schulen. Durch eine gute Mischung aus Partizipation und Struktur können sie ihre Stärken entfalten“, hält Eckey fest. So soll es auch hoffentlich in den nächsten 30 Jahren weitergehen.

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