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Rheinbach: Pallotti-Spendenlager versorgt Opfer der Flutkatastrophe

Ehemalige Kirche in Rheinbach : Pallotti-Spendenlager versorgt Flutopfer der ganzen Region

In der einstigen Pallotti-Kirche türmen sich heute tonnenweise Spenden. Rund 100 Menschen täglich versorgen die Ehrenamtlichen des Hilfezentrums mit Lebensmitteln, Kleidung und vielem mehr. Auch unkomplizierte finanzielle Hilfe können Betroffene dort erhalten.

Das Hilfszentrum und Spendenlager in der ehemaligen Pallottikirche ist zu einem der größten in der Region angewachsen: Mehrere Tonnen Hilfsgüter sortieren etwa 50 ehrenamtliche Helfer dort täglich. Das Angebot steht allen Flutopfern aus der Region offen. „Wir sind für euch da. Kommt hierher, lasst euch unterstützen“, sagt Koordinator Stefan Raetz.

„Manche Leute haben noch Scham vorbeizukommen, weil der eine oder andere es ungewohnt findet, um Hilfe zu bitten. Aber das ist im Moment falsch“, findet auch Helfer Timo Wilhelm-Buchstab. Im Lager findet sich alles, was man für den täglichen Bedarf braucht: Lebensmittel, Kleidung, Schuhe, Arbeitsmaterialien und Hygieneartikel. Auch Möbel und Weißware sind vorhanden. Das Team sei mit vielen weiteren Hilfszentren vernetzt, die untereinander Güter austauschen. Im Moment sei die Nachfrage nach Nahrungsmitteln, Werkzeug und Putzmitteln besonders groß, berichtet Wilhelm-Buchstab.

Das werde sich wahrscheinlich noch ändern, sagt Raetz. Zurzeit fehlten den Betroffenen noch Lagermöglichkeiten für Kleidung und Co., weil sie ihre Wohnungen gerade renovierten. Große Sorge hat der Ex-Bürgermeister angesichts vieler kaputter Heizungen und den kommenden kalten Monaten. „Strom ist meistens da, Radiatoren müssen jetzt angeschafft werden. Da werden wir noch einiges zu tun haben.“

Neuer Besitzer überlässt Ex-Bürgermeister die Schlüssel

Die einstige Kirche zum Spendenlager umzufunktionieren, sei bereits vielen Menschen in Rheinbach und Swisttal, aber auch an der Ahr, in Bad Münstereifel oder in Euskirchen zugutegekommen. Die BBS Immobilien GmbH als neue Eigentümerin hätte ihm unkompliziert den Generalschlüssel für das Gelände überlassen, berichtet Raetz, der dort seitdem die Fäden zieht. „Es war für mich klar, den Urlaub abzubrechen und zu helfen“, sagt er. Die Kontakte, die Raetz in seiner gut 20-jährigen Laufbahn aufgebaut hat, seien dabei enorm hilfreich. Zwar wurde aus seinem Ruhestand eher ein „starker Unruhestand, aber ich kann jetzt nicht einfach die Augen schließen und nichts tun“.

Die ersten Hilfszentren in der Region sind schon aufgelöst worden, weil Räume wie Schulturnhallen wieder ihren eigentlichen Bestimmungen zugeführt wurden. Die Gefahr bestehe in der ehemaligen Kirche nicht. Eine langfristige Perspektive sei auch nötig, denn die Flutopfer würden noch viele Monate Unterstützung brauchen, meint Raetz. „Bei vielen Betroffenen fehlt das Geld, viel Mobiliar und die Aussicht, das Haus im Winter bezugsfertig zu haben.“ Einige „Gestrandete“ seien auf dem ehemaligen Pallotti-Areal untergekommen. Die BBS stelle den vorhandenen Wohnraum zur Verfügung und habe dafür den geplanten Abriss verschoben. 

500.000 Euro an Spenden seien laut Raetz bisher eingeworben worden, unter anderem mit Hilfe des Lions Clubs und der Malteser, mehrere hunderttausend Euro sind bereits an Familien verteilt.

 Der Odendorfer David Tscherbner hat in seiner Odendorfer Wohnung alles verloren und lebt jetzt im Auto. Bei der Katastrophenhilfe hat er sich mit dem Notwenigsten eingedeckt, inklusive einer Jacke.
Der Odendorfer David Tscherbner hat in seiner Odendorfer Wohnung alles verloren und lebt jetzt im Auto. Bei der Katastrophenhilfe hat er sich mit dem Notwenigsten eingedeckt, inklusive einer Jacke. Foto: Axel Vogel

Auch nicht von der Flut Betroffene werden versorgt

Wie Helfer Ralf Richard berichtet, war das Lager am Sonntag nach der Flut durch CDU-Mitglieder gegründet worden, befand sich zunächst in Oberdrees und zog dann auf Raetz‘ Initiative in die größere Pallottikirche. Dass das Hilfszentrum aber überparteilich sei, betonen alle Initiatoren. Etwa 100 Hilfesuchende kommen täglich in die Kirche, schätzt Helferin Karin Schulze. Mittlerweile sei das Lager so gut gefüllt, dass sie auch andere Hilfsbedürftige mit Lebensmitteln versorgen können. Größere Spenden wie Weißware erhalten aber nur Flutopfer. „Das prüfen wir, teilweise mit Bescheinigungen von der Stadtverwaltung“, sagt die Helferin.

„Wenn es uns gelingt, Menschen wieder Hoffnung für die Zukunft zu geben, dann haben wir unser Werk vollbracht“, fasst Raetz zusammen. Hoffnung machte das Team David Tscherbner aus Odendorf. Dessen Wohnung sei nach der Flut unbewohnbar: 30.000 Euro Sachschaden, keine Elementarversicherung. Momentan wohnt Tscherbner im Auto. „Ich habe über Spendengelder versucht, mein Leben neu anzufangen“, erzählt er. Bei Stiftungen hagelte es aber Absagen gegeben, nur die 1500 Euro Soforthilfe der Regierung habe er erhalten. Als er in der Pallottikirche Jacke und Hose erstand, stellte ihm Raetz weitere 2500 Euro in Aussicht – Ein Hoffnungsschimmer, für den er „unendlich dankbar“ ist.

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