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Pläne schon 20 Jahre alt: Rheinbach soll nach jahrelanger Planung Skulpturengarten bekommen

Pläne schon 20 Jahre alt

Rheinbach soll nach jahrelanger Planung Skulpturengarten bekommen

Rolf Habel sitzt  an einem Klavier, das neben weiteren auf der Wiese neben dem Glaspavillon stehen sollen. FOTO: Matthias Kehrein

Rheinbach Schon seit 20 Jahren gibt es die Pläne dafür, jetzt soll Rheinbach endlich einen Skulpturengarten bekommen. Die Sommerakademie hat in diesem Jahr dafür den Grundstock geboten.

Klaviere, Trommeln, Gitarren sorgten für ein musikalisches Spektakel im und hinter dem Rheinbacher Glaspavillon. Mittendrin die Geschwister Rodan (7), Jian (4) und Jussef (2), die nicht nur die vielfältigen Möglichkeiten zum Malen nutzten, sondern auch zu den Klavierklängen kräftig die Trommeln bearbeiteten.

Es war der Abschluss der mehrwöchigen Sommerakademie zum Kunstprojekt „Glück“, für das sich Tanztherapeutin Nicole Bartel und der Maler, Glas- und Porzellangestalter Rolf Habel etwas Besonderes überlegt hatten. Vier „Glücksklaviere“ standen am Wochenende im Hans-Schmitz-Haus, wurden bespielt und sollen demnächst auf der 1200 Quadratmeter großen Rasenfläche hinter dem Gebäude einen neuen Platz finden – als Grundstock für den seit 20 Jahren oft diskutierten Skulpturenpark.

Skulpturengarten

Die Pläne sind schon 20 Jahre alt

Gut Ding will Weile haben, heißt es. Und was gut werden soll, brauchte beim Skulpturengarten in Rheinbach eine Vorlaufzeit von 20 Jahren. Schon in der Baugenehmigung für den Glaspavillon vom 18. März 1999 ist nämlich die Rede von der Errichtung eines temporär genutzten, erdgeschossigen Ausstellungsraums mit Skulpturengarten „Sommerakademie Rheinbach“.

In den vergangenen Jahren kam das Thema immer wieder zur Sprache, passiert ist indes nichts. Deshalb hofft die Haus Rheinbach GmbH, Vermieter des Glaspavillons und Nutzer der Fläche, dass mit den Klavieren ein Anfang gemacht ist.

Die Sommerakademie gibt es seit 2012 mit wechselndem Thema. In den vergangenen Wochen lautete das Motto „Jetzt erst recht“, eine Anspielung auf die Corona-Pandemie mit all ihren Beschränkungen. Und die spielte auch beim Kunstprojekt eine Rolle, denn die meisten Aktivitäten fanden draußen statt, und die Zahl der Besucher war durch persönliche Einladungen begrenzt.

Zu bewundern waren Bilder in grafischer Kunst von Franziska Stephan und bunte illustrative Zeichnungen des syrischen Künstlers M. Rustom Haj Ramadan. Im Mittelpunkt standen aber historische Tasteninstrumente – ausrangierte Klaviere des Malers und Glasgestalters Gregor Bendel aus Bad Neuenahr-Ahrweiler. Auf denen spielte am Wochenende, wer Lust dazu hatte. Mitmachen gehört zum Konzept des Kunstprojekts. Seit den Anfängen sollen Menschen jeden Alters ihre Ideen malerisch, gestalterisch oder tänzerisch probieren und realisieren können. Musiker wie Pianist Tommy Geller, Saxofonist Volker Hamann oder Michael Detlef Cremer mit seiner Hang Drum – eine glockenförmige Trommel mit spezifischem Sound – animierten das Publikum zum Tanzen. „Die Stimmung war einfach toll. Ein Paar trommelte wie wild und es war erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit sie den Beat rhythmisch erfassten“, freute sich Initiator Habel.

Er und Ingo Steins, seit 2018 Geschäftsführer des benachbarten Jugend-Wohnheims Haus Rheinbach und als solcher Vermieter des Glaspavillons, waren ausgesprochen zufrieden mit der Resonanz, die Corona-bedingt ein wenig geringer ausfiel als in den Vorjahren. Besonders die Akzeptanz der Klaviere begeisterte die beiden. Mit ihnen wagen die Veranstalter ein Experiment: Wie verhalten sich Klaviere in freier Wildbahn? Wie lange spielt wer darauf? Wie kann man sie an ihrem neuen Standort vor Vandalismus wie vor Witterungsschwankungen schützen? Antworten auf diese und ähnliche Fragen sollen in den nächsten Monaten gefunden werden. Fest steht für Habel schon jetzt, dass die „Glücksklaviere“ mit einer Spezialfolie verhüllt werden müssen – zum Schutz, denn der künftige Skulpturenpark wird 365 Tage im Jahr frei zugänglich sein. „In unserem Projekt möchten wir auf jeden Fall die Jugendlichen des Wohnheims einbeziehen. Es wäre doch schön, wenn sie immer mal zwischendurch auf den Klavieren spielen würden.“ Er ist stolz darauf, dass die Instrumente, die noch auf dem Rasen fest verankert werden müssen, den Anfang eines egalitären Skulpturenparks darstellen. „Mit dem Einpflanzen beginnt das Experiment. Noch sind die Klaviere, wenn auch verstimmt, spielbar. Vielleicht werden wir sie, wenn sie nicht mehr klingen, bepflanzen“, sagte Steins schmunzelnd.

Die ersten Anwärter, die ihr eigenes Werk aufstellen möchten, sind laut Habel die Mädchen und Jungen des Waldkindergartens. „Das Konzept geht auf Joseph Beuys zurück: Jeder Mensch ein Künstler.“ Noch bis 2024 gilt der Nutzungsvertrag für den künftigen Skulpturenpark zwischen Haus Rheinbach und der Stadt. „Wir sind optimistisch, dass er verlängert wird“, sagte Steins.