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„50 Jahre – da hilft nur noch Humor“: Rheinbacher Autorin schrieb Buch im Lockdown

„50 Jahre – da hilft nur noch Humor“ : Rheinbacher Autorin schrieb Buch im Lockdown

50 Jahre alt wurde Alexandra Lingk aus Rheinbach mitten im zweiten Lockdown. Das hat sie zum Anlass genommen, in den Wochen ohne öffentliches Leben ein Buch zu schreiben. Eine Rezension.

Alexandra Lingk ist mitten in der Pandemie 50 geworden. Damit ist sie bei Weitem nicht alleine, aber sie ist vielleicht die Einzige, die das zum Anlass nahm, ein Buch zu schreiben. „50 Jahre – da hilft nur noch Humor“ entstand mitten im zweiten Lockdown und half der Autorin zwischen steigenden Infektionszahlen und Verordnungschaos ihre Gedanken zu sortieren und die Ruhe zu bewahren.

Die Inspiration für die 50 kurzen Kapitel des Buchs fand sie in Gesprächen mit Familie und Freunden. Neben den drei großen Themen Corona (alles beherrschend), das Altern (Ist 50 das neue 30?) und verschiedene Arten von Humor geht es unter anderem um Wein, Stress, Glück, Kalendersprüche, Meinungsfreiheit – und Donald Trump, der 2020 noch ähnlich omnipräsent war wie Corona. Sogar der Wendler findet Erwähnung, der Schlagerstar, der sich in der Pandemie vor allem durch Verschwörungstheorien statt mit neuen Ohrwürmern im Radio profiliert hat.

Ausgerechnet das Kapitel über ihn zeigt aber, dass inmitten der teils banal wirkenden Rubriken Wissenswertes versteckt ist. Passend zur Schmierenkomödie, die Wendler und Co. seit geraumer Zeit aufführen, ist etwa zu lesen: „Psychologen der Universität Marburg haben übrigens nachgewiesen, dass beim Fremdschämen offenbar die gleichen Areale im Gehirn aktiviert werden wie beim Mitleid dafür, dass andere Menschen körperliche Schmerzen erleiden.“ Wie schnell man Opfer von Halbwahrheiten werden kann, erklärt Lingk anhand einer Wahnvorstellung der ehemaligen Tagesschau-Sprecherin Eva Hermann: dass der Papst auf einen Impfstoff setzt, der aus den Zellen abgetriebener Föten hergestellt wird.

Lingk entkräftet Verschwörungstheorie über Föten

Doch: Ganz so einfach ist es nicht. Tatsächlich enthalte der Corona-Impfstoff Zelllinien, also Zellen, die sich unbegrenzt fortpflanzen können, die von zwei abgetriebenen Föten stammen, schreibt Lingk. Die Schwangerschaftsabbrüche fanden aber in den 60er Jahren statt, legal und nicht zu Forschungszwecken. Die daraus hervorgegangenen Zelllinien dienen in der Forschung seit Jahrzehnten als Wirtszellen, um Viren zu züchten und so erforschen und bekämpfen zu können.

 "50 Jahre – da hilft nur noch Humor" der Rheinbacher Autorin Alexandra Lingk.
"50 Jahre – da hilft nur noch Humor" der Rheinbacher Autorin Alexandra Lingk. Foto: Tredition

„Forscher schätzen, dass mithilfe dieser Zelllinien Impfstoffe produziert werden konnten, die rund 4,5 Milliarden Krankheiten verhindern konnten und etwa 10,3 Millionen Leben gerettet haben“, schreibt Lingk, die hauptberuflich im Kultur- und Sportamt des Rhein-Sieg-Kreises arbeitet und Redaktionsleiterin des Kreis-Jahrbuchs ist.

Buch für Zwischendurch

Lingks Buch ist keine Hochliteratur: Die Texte lesen sich leicht und eigenen sich eher für zwischendurch als für den Deutschunterricht. Trotzdem – oder gerade deswegen – findet man sich schnell darin wieder: in der Autorin, die versucht, im Chaos des 21. Jahrhunderts Sinn zu finden, in ihren beiden Kindern, die nicht unerwähnt bleiben, oder in der Auswahl der Themen, die durchaus nicht nur Frauen ab 50 beschäftigen. Besonders charmant: Ihr erklärtes Lebensziel sind nicht Karriere, Haus und Boot, es ist „ein gutes Selbstwertgefühl“. Immer wieder reflektiert Lingk sich selbst – eine Übung, die allen Menschen guttun würde, aber die meisten viel zu selten angehen.

Das Fazit des Buchs darf an dieser Stelle dreist vorweggenommen werden: Mit Humor bewältigt man sogar eine weltweite Pandemie. Und den Wendler. Wer weiß – vielleicht wird das Schriftstück Anthropologen in ferner Zukunft als Zeitzeugenbericht über ein paar Jahre dienen, die merkwürdiger kaum hätten sein können.

„50 Jahre – da hilft nur noch Humor“, Alexandra Lingk: Tredition, 316 Seiten, 11,99 Euro. ISBN: 978-3-347-25501-2.