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Nach Verkauf des Grundstücks: Rheinbacher Marienkapelle bleibt öffentlich zugänglich

Nach Verkauf des Grundstücks : Rheinbacher Marienkapelle bleibt öffentlich zugänglich

Um den Erhalt der Marienkapelle auf dem ehemaligen Pallotti-Gelände werden sich die Eigentümer der Wohnungen kümmern, die ein Investor dort baut. Die geschichtsträchtige Kapelle soll aber weiterhin für alle zugänglich bleiben.

Die kleine Marienkapelle auf dem Pallotti-Areal in Rheinbachs Innenstadt steht derzeit etwas verloren am Rande einer Brache, die bald bebaut werden soll. In der jüngsten Sitzung des Stadtrats haben CDU und Grüne nun nach Status und Zukunft der Kapelle gefragt. Laut Stadtverwaltung wurde die Kapelle nach der Veräußerung der dortigen Flächen Eigentum der Bouwfonds Immobilienentwicklung. Nach Aussage des Entwicklers werde die Kapelle in die Eigentümergemeinschaft der späteren Wohnungseigentümer dort überführt.

Der Unterhalt der Kapelle liege dann bei dieser Gemeinschaft, was in der Teilungserklärung „bindend verankert“ werde. Dazu gehört auch das Inventar der Kapelle, das mit der Unterhaltsverpflichtung an die künftigen Wohnungseigentümer weitergegeben werde. Die Kapelle werde dann den Bewohnern des Pallotti-Areals, aber auch der Allgemeinheit zur Verfügung stehen, so die Antwort der Verwaltung.

Die CDU hatte beobachtet, dass die Kapelle derzeit nicht durchgängig geöffnet sei und gefragt, wie die Stadt kurzfristig sicherstellen wolle, dass sie wieder besucht werden kann. Nachforschungen der Kommune ergaben, dass die Kapelle „in der Regel montags bis donnerstags von circa 8.30 bis 16 Uhr geöffnet“ ist. Freitags stehe sie von 8.30 bis 12.30 Uhr offen. Seit dem 1. April sei die Pfarrei St. Martin für Öffnung und Schließung der Kapelle zuständig.

Gutachten zum Denkmalschutz wird ausgewertet

Gefragt nach der Stromversorgung hieß es, dass die Kapelle derzeit provisorisch über die Schule mit Elektrizität versorgt werde. Beim Rückbau der Schule könne es aber ebenso wie bei möglichen Erschließungsarbeiten zu vorübergehenden Beeinträchtigungen kommen.

Die Grünen-Ratsfrau Carolin Beckers erkundigte sich nach dem Denkmalschutz des Kirchleins. Dazu liegt ein umfangreiches Gutachten des Amts für Denkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland vor, das derzeit ausgewertet werde, so die Stadt. Wichtig sei dabei ein „öffentliches Interesse“ an der Erhaltung und Nutzung. Liege dieses vor, habe die Gemeinde keinen Ermessensspielraum. Die Untere Denkmalbehörde werde nach Auswertung des Gutachtens entscheiden. Dann müsse der Eigentümer informiert und angehört werden.

Kapelle mit langer Geschichte

Die CDU weist auf die Geschichte der Kapelle hin. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf einer Schutthalde aus den Trümmern des schwer beschädigten Hermann-Josef-Kollegs errichtet. Damit erinnere sie eindrücklich als Marienkapelle von Schönstatt an das Schicksal von Menschen, die ihre Heimat durch Krieg und Vertreibung verloren haben. Schönstatt ist ein Ortsteil von Vallendar bei Koblenz.

Dort hatte Pater Josef Kentenich 1914 die Bewegung als „Liebesbündnis“ nach Vorbild des biblischen Gottesbundes gegründet. Maria spielt dabei als Vermittlerin eine zentrale Rolle. Zu Beginn dieses Jahrtausends befand sich die Kapelle in schlechtem Zustand. Damals sammelten die „Neuen Pfade“ und der ehemalige CDU-Ratsherr Erich Scharrenbroich Spenden, mit denen der Kapelle zu neuem Glanz verholfen werden konnte.

Die große Spendenbereitschaft wertet die CDU als Zeichen der Verbundenheit der Rheinbacher mit „ihrer“ Kapelle. Deshalb habe der Stadtrat sie 2018 unter Denkmalschutz gestellt. Damit sollte verhindert werden, dass sie im Falle einer späteren Bebauung den Baggern zum Opfer fällt.