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Trockenheit und eingeschleppte Insekten: Rheinbacher Wald in katastrophalem Zustand

Trockenheit und eingeschleppte Insekten : Rheinbacher Wald in katastrophalem Zustand

Der Rheinbacher Stadtförster Sebastian Tölle sieht Teile des Waldes in einem katastrophalen Zustand. Neben der Trockenheit setzen vor allem aus dem Ausland eingeschleppte Schädlinge wie Pilze und Insekten den Bäumen zu. Der Borkenkäfer greift die Fichten an.

Die Rufe der Landwirte nach Entschädigungen für die sich abzeichnenden Ernteausfälle im Zuge der Dürreperiode sind durch alle Medien gegangen. In dem Zusammenhang versuchen sich jetzt auch zunehmend mehr Forstexperten Gehör zu verschaffen: Sie machen auf einen ebenfalls besorgniserregenden Zustand des Waldes aufmerksam. Sebastian Tölle, Förster im Rheinbacher Stadtwald, hält das für mehr als gerechtfertigt. Er sagt: „Teile des Rheinbacher Waldes sind in einem katastrophalen Zustand.“

Das will Tölle vor allem auf die Nadelhölzer gemünzt wissen. Auf etwa 25 Prozent des 830 Hektar großen Rheinbacher Forstes wachsen Fichten, Kiefern, Tannen und Douglasien. Diese Baumarten sind eine wichtige wirtschaftliche Säule, da sie schnell wachsen und am Markt gute Preise erzielen. Dass nun gerade bei den Nadelhölzern in diesem Jahr mit großen Schäden zu rechnen sein wird, hat für ihn nicht allein mit der Trockenheit zu tun: Vor allem aus dem Ausland eingeschleppte Schädlinge wie Pilze und Insekten setzten den Bäumen zu, sagt er. Den Rest würde dann der Borkenkäfer übernehmen.

Keine Frage, die langanhaltende Trockenheit macht den Bäumen zu schaffen. Vor allem den Neupflanzungen, die die Forstarbeiter im Frühjahr in die Erde gebracht hatten. „Bei der Küstentanne haben wir einen Ausfall von bis zu hundert Prozent“, so Tölle, bei der Eiche seien es „nur“ 50 Prozent. Trotzdem geht der Förster unterm Strich „nicht von gravierenden Schäden durch die Dürreperiode beim älteren Laubholz aus“.

Douglasie macht die meisten Sorgen

Was aber Laub- und vor allem Nadelhölzern geradezu in beängstigender Weise zusetzt, sind Schadorganismen wie Pilze und Insekten, die hierzulande bislang nicht bekannt waren. Dabei denkt Tölle zunächst an einen asiatischen Pilz, der die Eschen sterben lässt, „Eschetriebsterben“ nennt sich das Ganze. „80 Prozent unserer Bäume sind bereits befallen und ich gehe davon aus, dass die Eschen aussterben werden.“ Zwar werde derzeit intensiv nach Resistenzen gesucht: „Aber bis die gefunden sind, dürfte es wohl zu spät für eine Rettung der Bäume sein.“

Genauso schlimm hat es aus Sicht von Stadtförster Tölle die Douglasie erwischt: „Die macht uns im Moment die meisten Sorgen.“ Zumal man in Rheinbach gehofft hatte, diesen Baum anstatt der sturmanfälligen Fichte als Wirtschaftsbaum zu etablieren. „Von dem Ziel können wir uns verabschieden“, glaubt Tölle. Schuld ist ein Schädling in Gestalt der Douglasiengallmücke, die eigentlich in Nordamerika zu Hause ist.

Die Larven der Mücken verursachen eine Gallenbildung an den Knospen und den Nadeln der Douglasie, was dazu führt, dass der Baum für Pilzbefall anfällig wird und die Nadeln abwirft: „Ein Nadelbaum ohne Nadeln ist tot“, unterstreicht er. Seit 2017 seien die gefräßigen Mücken auch hierzulande bekannt, „aber in diesem Frühjahr sind massive Schäden aufgetreten“, führt Tölle aus: „Praktisch alle Bäume sind betroffen.“

Explosionsartige Vermehrung des Borkenkäfers

Für ihn ist die Globalisierung schuld an der Ausbreitung der exotischen Erreger und Schädlinge: „Der Rest der Welt hat damit aber auch Probleme. In Nordamerika beispielsweise zerstört ein Pilz aus Europa die dort beheimateten Buchen. Hierzulande ist der völlig unscheinbare Pilz heimisch und unsere Buchen haben gelernt, mit ihm zu leben.“ Tölle glaubt, dass man sich damit abfinden müsse, dass eingeschleppte Arten wie Staudenknöterich und Drüsiges Springkraut die Flussufer säumen, und selbst in den Gewässern fremdartiges Getier wie amerikanische Flusskrebse, Dreikantmuschel und Wollhandkrabbe auf dem Vormarsch seien. Bei für den Menschen wirklich gefährlichen eingeschleppten Pflanzen wie dem Riesenbärenklau sei es für eine Eindämmung noch nicht zu spät. Aber es werde zu wenig gegen eine Ausbreitung gemacht.

Stichwort „Vormarsch“: Auf dem sieht Sebastian Tölle einen einheimischen Schädling: Die Rede ist vom Buchdrucker, einem Borkenkäfer, der die Fichten befällt und zum Absterben bringt. Nach den Sturmschäden von Anfang des Jahres in den Fichtenbeständen, „die immer noch unser wichtigster Wirtschaftsbaum ist“, so Tölle, finde der Käfer aufgrund der langen Hitze und Dürre ein hervorragendes Nahrungsangebot und vermehre sich explosionsartig. „Das könnte bundesweit ein Rekordjahr in Sachen Borkenkäfer geben.“ Da man im Rheinbacher Stadtwald auf den Einsatz von Chemie bewusst verzichte, könne man nur versuchen, die Bäume schnell zu schlagen und den Käfer „ins Sägewerk zu entsorgen“. Ansonsten hofft Tölle jetzt inständig „auf einen feuchten Herbst und Winter“.