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Verhandlung vor dem Amtsgericht : Rheinbacherin meldete Erbe zu spät an

Verhandlung vor dem Amtsgericht : Rheinbacherin meldete Erbe zu spät an

Weil sie in der Privatinsolvenz war, hat eine Rheinbacherin eine Erbschaft, die sie angetreten hatte, nicht gemeldet. Das Amtsgericht Rheinbach verurteilte sie deswegen zu einer Geldstrafe.

Wer bei Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit Vermögensbestandteile verheimlicht oder beiseiteschafft, wird bestraft. So auch jetzt eine 35-jährige Rheinbacherin, die während eines laufenden Privatinsolvenzverfahrens ein Erbe angetreten hatte und das Geld zu einem großen Teil nicht in das Verfahren hat einfließen lassen. Mit 90 Tagessätzen zu je zehn Euro bestrafte sie jetzt das Rheinbacher Gericht.

Die junge Frau und Mutter dreier unmündiger Kinder war ab 2017 völlig überschuldet und hatte mithilfe eines Schuldnerberaters einen Insolvenzantrag gestellt, um durch das Verfahren später eine Restschuldbefreiung zu erwirken. Dann starb die Mutter der Angeklagten und hinterließ ihr aus einer Lebensversicherung eine Erbschaft von rund 28.000 Euro.

Dieses Geld hätte sie dem Insolvenzverwalter melden und überlassen müssen, um Gläubiger da­raus zu befriedigen. Machte sie aber nicht. Erst nach fast eineinhalb Jahren meldete sie die Erbschaft und konnte nur noch 7000 Euro an den Insolvenzverwalter weiterreichen. Den Rest hatte sie für sich und die Kinder verbraucht.

Richter: Verhalten der 35-Jährigen ist menschlich verständlich

Sie sei völlig überfordert gewesen, erklärte sie dem Gericht. Das Leben sei so unglaublich teuer, eine Miete von 800 Euro und andere Lebenshaltungskosten hätten ihre Einkünfte ständig aufgezehrt. „Sie müssen sich aber an die Regeln halten“, erklärte der Richter, „das ist ein Verstoß“. Das sah die Angeklagte auch ein. Nun hat sie sich auch noch von ihrem Ehemann getrennt, macht eine Umschulung und hat Anträge auf Unterstützung gestellt.

Ihr Verhalten sei menschlich verständlich, erklärte der Richter und verhängte die Strafe von 90 Tagessätzen zu je zehn Euro. Damit blieb er unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die 120 Tagessätze gefordert hatte. Glück für die junge Frau: Die Strafe erscheint zunächst nicht im Bundeszentralregister.