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Dürre-Folgen im Stadtwald: Rheinbachs dickste Eiche muss fallen

Dürre-Folgen im Stadtwald : Rheinbachs dickste Eiche muss fallen

Der Hitzesommer vor drei Jahren hat manchem hochwertigen Baum im Stadtwald schwer zugesetzt. Aufgrund der Trockenheit soll nun auch einer der ältesten Bäume im Bestand – eine 250 Jahre alte Eiche – aufgrund beeinträchtigter Verkehrssicherheit weichen. Auch der Prinzessinnenbuche droht ein ähnliches Schicksal.

Manche Folgen der Hitzesommers 2018 zeigen sich zeitverzögert erst jetzt im Rheinbacher Stadtwald: Betroffen ist auch die wohl älteste und dickste Eiche im Revier von Stadtförster Sebastian Tölle: Den über 250 Jahre alten Baum, der praktisch genau vis-à-vis vom Forsthaus und dem Waldhotel an der L 492 steht, muss Tölle mit Blick auf seine Verkehrssicherungspflichten in den nächsten Wochen fällen lassen. „Denn die mächtige Eiche hat sich nach dem trockenen und heißen Sommer vor drei Jahren nicht mehr erholen können und ist immer weiter zurückgetrocknet“, sagt der Forstbeamte. Eine Entscheidung, die ihm in der Seele wehtut: „Natürlich sind insbesondere gerade solchen alten Bäume etwas ganz Besonderes in jedem Wald.“

Borkenkäfer haben dem Baum zugesetzt

Trotzdem führt kein Weg an der Entscheidung vorbei: Schließlich ist der rund 35 Meter hohe Baum bereits erkennbar geschädigt. Blickt man auf die Krone, ist die bereits weitgehend kahl: „Der Baum hat mittlerweile nur noch zwei grüne Äste“, führt der Stadtförster aus. Auch der Stamm mit seinem stattlichen Durchmesser von rund 1,40 Meter weist laut Tölle bereits massive Schäden auf, beispielsweise Bohrlöcher des Borkenkäfers: „Der Baum ist dem Tode geweiht“, betont er: „Das kann noch ein paar Jahre dauern, aber sie würde früher oder später schlicht umkippen.“ Da die Eiche aber in der Nähe zu den beiden Landstraßen L 492 und L 113 steht, muss Förster Tölle daher jetzt handeln: „Ich werden den Baum aus Gründen der Verkehrssicherheit fällen lassen.“

Was die Fällung für den Stadtförster etwas erträglicher macht: Das Holz der Eiche dürfte sich gut verkaufen lassen. Er schätzte das Volumen des Holzes auf zwischen fünf und sieben Kubikmeter. „Die Holzpreise, die für Eiche gezahlt werden, sind sehr gut. Wir werden den Baum daher auf eine Wertholzversteigerung geben.“ Auch wenn Tölle keine genaue Summe nennen kann, geht er schon von einem hohen vierstelligen Erlös aus. „Trotzdem ist das kein Trostpflaster für den Verlust des Baumes“, unterstreicht er.

Prinzessinnenbuche am Inselweiher in Gefahr

Eine ähnliches Schicksal könnte auch die älteste beziehungsweise dickste Buche in Tölles Revier erleiden: „Der sogenannten Prinzessinnenbuche am Inselweiher, die vielen Rheinbachern bekannt ist, geht es auch nicht gut“, sagt er. Der Baum ist rund 200 Jahre alt und hat einen Stammdurchmesser von 1,20 Metern. Auch der Baum habe unter den Spätfolgen des Hitzesommers schwer leiden müssen. Vor rund 20 Jahren hatte man schon die Königinnenbuche, die bis dato dickste Buche, fällen müssen. „Der Baum hat schwere Trockenheitsschäden, die immer schlimmer werden.“ Tölle befürchtet, dass der Baum im kommenden Jahr gefällt werden muss. „Wir werden aber abwarten, ob sich der Baum regenerieren kann.“

Auch andernorts seien bei den Bäumen noch viele Schäden aus dem Jahr 2018 zu erkennen: „Das wird noch mehrere Jahre dauern, bis sich die Bäume regeneriert haben.“ Sollten sich obendrein noch Pilze oder Schädlinge in dem Baum einnisten, wird es Tölle zufolge „unheimlich schwer für die betroffenen Bäume, das zu kompensieren“. Nicht von ungefähr würde sein Forstamt in diesem Jahr auch ausschließlich kranke und abgängige Bäume fällen. Und davon gebe es „leider noch viel zu viele“, sagt er. „Wir können jetzt nochmal die gleiche Menge an abgestorbenen Bäumen entnehmen, die wir in den letzten Jahren nach bereits erkennbaren Hitze-Schäden gefällt haben.“

Förster setzt auf bunte Mischung

Dafür sei 2021 bislang ein gutes Jahr für den Rheinbacher Forst gewesen. „Es hat ausreichend Niederschläge geben und die Flutschäden haben sich, abgesehen von den Zerstörungen auf den Waldwegen und Fußgängerbrücken, hier in Grenzen gehalten“, sagt der Förster. Was den Wald der Zukunft angeht, der besser mit dem Klimawandel klarkommt, sagt Tölle: „Wir setzen auf eine bunte Mischung aus Bäumen." Auch wenn bald Rheinbachs dickste Eiche wegen der Trockenheitsschäden fallen muss, setzt der Stadtförster vor allem weiterhin auf diesen deutschen Traditionsbaum: „Denn sehr wenige Eichen sind nach dem Hitzesommer 2018 abgestorben, anders als die Buchen.“ Wenig Zukunft dürfte die Fichte im Rheinbacher Forst haben: Von rund zehn Prozent des Baumbestandes vor einigen Jahren macht die Fichte derzeit nur noch rund zwei Prozent aus.