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Zum Finale ertönt Musik von Morricone: Schaffraths neuer Krimi schickt Bonner Ermittler nach Frankreich

Zum Finale ertönt Musik von Morricone : Schaffraths neuer Krimi schickt Bonner Ermittler nach Frankreich

Paul Schaffrath stell mit „Der Nebel von Avignon“ seinen vierten Kriminalroman vor. Der 60-jährige Chef des Rheinbacher CMZ-Verlages schickt darin seine Bonner Ermittler unter anderem an den Papstpalast von Avignon.

Ein Bild, das ins Auge fällt, hängt in der Küche von Verleger Winrich C.-W. Clasen in Rheinbach: Das Foto ist offenkundig im Süden Europas entstanden und verströmt schon beim bloßen Anblick Urlaubsstimmung. Zu sehen ist die unverputzte Außenfassade eines provenzalischen Hauses aus hellen Mauersteinen, dessen hellblaue Fensterläden hervorstechend sind. Kletterpflanzen und allerlei Topfgewächse rund ums Fenster verleihen der Ablichtung Postkartenidylle. Eine Steinbank darunter lädt zum Verweilen ein.

Wer jetzt auf den Titel von Paul Schaffraths neuestem Krimi „Der Nebel von Avignon“ blickt, dem mag das Foto bekannt vorkommen: Der Herausgeber Clasen hat seinem Autor Schaffrath diese entschleunigte Momentaufnahme als Coverfoto spendiert. Kein Wunder: Seitdem Clasen im Gespräch mit dem General-Anzeiger im Oktober 2015 den Schleier lüftete, dass Schaffrath sein auserkorenes Pseudonym ist, um Krimis zu schreiben, ist der Fall klar. Mit „Der Nebel von Avignon“ legt der 60 Jahre alte Chef des Rheinbacher CMZ-Verlages nunmehr seinen vierten Kriminalroman vor.

Der gebürtige Hamburger, der 1981 sein erstes theologisches Sachbuch schrieb, versprüht im Laufe seiner 300 Seiten starken Kriminalgeschichte in der Provence so viel Humor, wie man es gemeinhin von einem Nordlicht in der Fülle nicht erwartet. Doch Clasen mag es, Klischees über den Haufen zu werfen. So lässt er seine Hauptfigur Krüger, einen Mann ohne Vornamen, eine beachtliche Spitze hervorbringen: Der im Süden Frankreichs urlaubende Kriminalhauptkommissar aus Bonn echauffiert sich über „blaugestrichene Fensterläden, deren Fotos später Buchcover von irgendwelchen blöden Provence-Krimis zieren“.

Viel Zeit für die Recherche

Mit feinem Pinsel zeichnet Schaffrath seine Charaktere wie den 53 Jahre alten Untersuchungsrichter Bertrand Bonnefoy, der sich gerne von den mitermittelnden Urlaubern aus Bonn helfen lässt oder die 31 Jahre alte Élodie Marin. Mit der Grafikerin stürzt sich Kriminalhauptkommissar Markus Schneider in eine Urlaubsaffäre voller Leidenschaft. „Ich weiß nicht, wie die mir zugelaufen ist“, berichtet Clasen. „Das hat sich so entwickelt, war nicht geplant.“

Dabei wendet Clasen vor dem Schreiben viel Zeit für Recherche auf, wie er im Gespräch mit dem General-Anzeiger berichtet. Da in seinem neuesten Werk ein Weinhändler tot in seinem Weinfass gefunden wird, recherchiert er etwa ausgiebig über den Handel mit den edlen Tropfen. Schaffrath möchte aber nicht mit allzu detailliertem Fachwissen langweilen, sondern mit beachtlichen Details glänzen: So lässt er die Bonner Ermittler nicht nur an den Papstpalast von Avignon reisen, sondern auch an pittoreske Orte abseits ausgelatschter Touristenpfade. In Chateaurenard, der „Schlafstadt“ von Avignon, ziehen seine Figuren Parallelen zu Meckenheim. Nicht, dass er Reihenhausbesitzern in Meckenheim unrecht tun wollte, meint Krüger, „aber der gelbliche Provencestein ließ zumindest die alten Gebäude gewachsen aussehen“. Reihenhäuser dagegen sahen „immer nach Reißbrett aus und waren langweilig.“

Sinnlichkeit des Buches

Die Betrachtung kleiner provenzalischer Dörfer lässt die erholungssuchenden Kriminalisten aus der Bundesstadt sinnieren, dass „man im Großraum Düsseldorf, Köln und Bonn nie wusste, wann der eine Ort anfing und der andere aufhörte.“ Bluttriefende Beschreibungen sind hingegen nicht Clasens Sache, sein Schauer funktioniert subtiler: Was Schaffrath in seinem dritten Fall zur Perfektion gebracht hat, ist der überraschende Cliffhanger am Kapitelende. Mit einem bis dahin nicht für möglich gehaltenen Detail oder einer plötzlichen Wendung endet das Kapitel.

Beeindruckend ist die Sinnlichkeit des Buches: Da sind die Beschreibungen örtlicher Gerichte, wabernde Nebel im Tal der Rhone, die Gaumenfreude eines französischen Rotweins oder die plötzlich auftauchende Musik zum Finale der Mördersuche: Der Kommissar und ein Verdächtiger stehen sich auf einem öffentlichen Platz gegenüber, als nähmen sie an einem von Regielegende Sergio Leone angeleiteten Pistolenduell teil. Wie zum Leone-Streifen ertönt die Musik von Ennio Morricone, die ein Platzanwohner so laut hört, als wolle er den Platz beschallen.

Die Frage, was Clasen an Frankreich schätzt, bleibt nicht lange unbeantwortet: „Das Essen“, sagt der Krimiautor wie aus der Pistole geschossen. Die Opulenz und die Gelassenheit, mit der Franzosen tafeln, sei ein Kulturgut.

Apropos Gelassenheit: Nach zwei Romanen innerhalb eines Jahres (Bonner Testament und Die Nebel von Avignon) gönnt Schaffrath seinen Figuren erst mal eine „Verschnaufpause“, wie er sagt. Für Herbst 2018 erwartet Clasen das nächste Werk seines Autors Schaffrath, sagt dieser und fügt schmunzelnd hinzu: „Aber du weißt nie...“

Am Dienstag, 28. November, gibt's ab 19 Uhr im „Da Pino“ in Rheinbach, ein Krimidinner samt Vier-Gänge-Menu und Schaffrath-Lesung, das ausverkauft ist. Weitere Termine sind in Planung. Das Buch erscheint im CMZ-Verlag und kostet 12,95 Euro.