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Podiumsdiskussion: Schüler des Sankt-Josefs-Gymnasiums Rheinbach diskutieren mit Politikern

Podiumsdiskussion : Schüler des Sankt-Josefs-Gymnasiums Rheinbach diskutieren mit Politikern

Erst diskutierten Schüler des Sankt-Josef-Gymnasiums Rheinbach mit den Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl des Wahlkreises 98, dann simulierten sie eine Wahl. Die meisten Stimmen gaben sie dem Grünen Martin Metz.

Bildungspolitik, Gleichberechtigung, Flüchtlinge, Zukunft der Europäischen Union, Zukunft der Politik: Das waren die großen Themen, die am Montag im Vorfeld der Bundestagswahl im September auf dem Podium der Rheinbacher Pallotti-Aula diskutiert wurden. Eingeladen hatten die Schüler des Erzbischöflichen Sankt-Joseph-Gymnasiums die Spitzenkandidaten der Parteien im Wahlkreis 98, Norbert Röttgen (CDU), Bettina Bähr-Losse (SPD), Martin Metz (Bündnis 90/Die Grünen) und Michael Droste (Die Linke).

Unter der souveränen Moderation der Q1-Schüler Lea Hoffmeister und Felix Schmitz erläuterten die Kandidaten in kurzen Statements ihre parteipolitischen Konzepte und bei manchen Fragen auch ihre persönliche Sicht der politischen Gegebenheiten. Organisiert vom Leistungskurs Sozialwissenschaft und ihrem Lehrer Martin Stoffel hatten die Schüler im Unterricht neun Themenbereiche vorbereitet, die Fragen den Politikern im Vorfeld eingereicht. Aus zeitlichen Gründen wurden letztlich nur fünf Politikfelder angerissen.

Schüler wählen Grün

Welcher Politiker den rund 300 Schülern der zehnten und elften Jahrgangsstufe in der voll besetzten Aula die schlüssigsten Argumente geliefert hatte, wurde im Ergebnis der abschließenden Wahl deutlich. Die meisten Kreuze erhielt von den 201 abgegebenen Stimmen mit 34,3 Prozent Martin Metz von Bündnis 90/Die Grünen, dicht gefolgt von Norbert Röttgen (30,3 Prozent). Bettina Bähr-Losse kam auf 27,4 Prozent, nur zwei Stimmen (0,9 Prozent) erhielt der Kandidat der Linken.

„Mit solchen Veranstaltungen wollen wir das Interesse der Schüler an Politik wecken und Basiswissen zur Krisenbewältigung in der heutigen Zeit vermitteln“, erläuterte Pädagoge Stoffel die Motivation der Schule, eine solche Veranstaltung durchzuführen.

Bildungspolitik

An erster Stelle des Fragenkatalogs stand die Bildungspolitik mit der Zukunft von G8 oder G9. Im Großen und Ganzen einig waren sich die Kandidaten über den Vorteil einer längeren Gymnasialzeit, „damit junge Leute auch genügend Freizeit haben“, so Droste für die Linken, und „mehr Zeit haben zu reifen“, machte Bähr-Losse ihren persönlichen Standpunkt deutlich. Röttgen kritisierte, dass „wir für Bildung zu wenig Geld ausgeben. Wissensinhalte sind gerade im Zuge der Digitalisierung von Bedeutung. Sprachen sind für die Vernetzung wichtig“.

Eine strukturelle Verbesserung des Ganztagsangebots in der Grundschule forderte der 33-jährige Grünen-Politiker Metz. Heftig kritisierte er in dem Zusammenhang Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der trotz sprudelnder Steuereinnahmen den Ländern zu wenig Geld für die Sanierung der Schulen zu Verfügung stelle.

Gleichgeschlechtliche Ehe und ungleiche Bezahlung

In der Möglichkeit einer gleichgeschlechtlichen Ehe zeigten SPD, Grüne und Linke Einmütigkeit. Röttgen sieht darin zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Option, „da wir diesbezüglich einen gesellschaftlichen Konsens brauchen“. Einig waren sich sämtliche Kandidaten, dass bei der ungleichen Bezahlung von Männern und Frauen bei gleicher Tätigkeit dringender Handlungsbedarf bestehe.

Diskutiert wurden auch die Themen Flüchtlingspolitik, Integration sowie die Zukunft der Europäischen Union. In der Abschlussrunde forderten die Politiker ihre jungen Zuhörer eindringlich auf, sich politisch zu engagieren, sich gesellschaftlich einzubringen, Konzepte und Ideen kritisch zu hinterfragen, dabei aber einen Idealismus zu bewahren. „Wenn Ihr Euch nicht selber kümmert, wird sich um Euch gekümmert“, warnte Bähr-Losse. Dabei forderte der Grünen-Politiker Metz von Politikern die Verwendung einer ehrlichen, klaren und weniger floskelhaften Sprache.