Glosse : So gesehen: Jailhouse Rock

Jeder kennt sie, jeder hasst sie: Telefon-Warteschleifen. In Zeiten von outgesourcten "Kundencentern" und "24-Stunden-Servicehotlines", deren Telefonisten irgendwo im Osten, in Indien oder sonstwo sitzen, ist man ja schon froh, wenn man überhaupt mit realen Menschen in Kontakt kommt.

Doch bis es soweit ist, vergehen quälende Minuten. Schlimmstenfalls sagt eine Computerstimme ständig und völlig skurril betont: "Bitte warten". Etwas besser: "Bitte haben Sie noch einen Augenblick Geduld.

Der nächste freie Gesprächspartner ist schon für Sie reserviert." Doch wenn sich dieser reservierte Gesprächspartner auch nach der neunten Ansage noch nicht meldet, klingt deren Inhalt nur noch wie blanker Hohn.

Da lobe ich mir doch die Kreativität so mancher Kleinunternehmen, die noch kein Callcenter haben. Gut, viele lassen auch hier das elektronisch-scheppernde "Für Elise" in Endlosschleife auf die wartende Menschheit los.

Doch bei einer Kölner Konzertagentur beispielsweise wird man gleich in eine spannende Folge "Drei ???" hereingezogen, während man durchgestellt wird. Noch besser macht es nur noch die Justizvollzugsanstalt in Rheinbach.

Dort bekommt man countryesque Gitarrenklänge à la Johnny Cash zu hören, dessen Gefängniskonzerte in San Quentin und Folsom Prison zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen gehören. Noch passender als Johnny Cash wäre an dieser Stelle wohl nur Elvis Presley gewesen. Mit "Jailhouse Rock".