1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Rheinbach

So hat sich das Hobby mit Lego & Co über die Jahre gewandelt

Vom Kinderspielzeug zum teuren Sammelobjekt : So hat sich das Hobby mit Lego & Co über die Jahre gewandelt

Bei der ersten „Lego Börse“ in der Rheinbacher Stadthalle hat der GA einem leidenschaftlichen Sammelhobby und Kindheitserinnerungen nachgespürt. Was von den gelben Steinen früherer Jahrzehnte geblieben ist.

Bausteine aus buntem Kunststoff türmen sich an diesem Sonntag auf Tischen in der Rheinbacher Stadthalle. Der Anblick weckt Kindheitserinnerungen, vielleicht auch Dankbarkeit für die Entscheidung von Eltern, Steine und Figuren aufzubewahren – denn was vor Jahrzehnten ausgedientes Spielzeug war, hat heute mitunter Sammlerwert. Auf der ersten „Lego Börse Rheinbach“ trifft man Leute, die über eine Schublade mit aufbewahrten Kindheitsschätzen nur müde lächeln: Für sie ist das Horten und die Beschäftigung mit der Welt, die aus Steinen besteht, eine Obsession.

Karsten und Susanne Melsa aus Oberähren im Westerwald darf man wohl dazu zählen. Das Ehepaar hat so viel gesammelt, dass es für eine kleine Ausstellung reichen würde. „Vier Räume im Haus sind nur für Lego“, erzählt der Ehemann, und seine Frau ergänzt: „Zwei sind nur zum Bauen da.“ Karsten Melsa hat mit dem organisierten Sammeln in den 70er-Jahren angefangen, zwischendurch gab es eine Pause, wegen des Nachwuchses. Aber sobald wieder Zeit übrig war, ging weiter.

Prachtstücke aus den 1960er Jahren

Seine Frau habe er mit angesteckt: „Anders geht es nicht“, scherzt der Lego-Enthusiast. Gesammelt wird alles, was gefällt. „Star Wars“-Raumschiffe hängen von der Decke, die passenden Figuren stehen in Regalen, aber auch viele andere Sachen. Die ältesten stammen aus den 60ern, zum Beispiel Plastikautos von Lego und Steine aus dieser Zeit – das Patent für die heute bekannte Form wurde 1958 angemeldet. Seltenheitswert haben auch alte Sets wie die aus der Architektur-Reihe „Café Corner“ – die „haben wir alle“, sagt Susanne Melsa stolz.

Günstig ist das Hobby nicht, jedenfalls nicht, wenn man es als ernste Sammelleidenschaft betreibt. Eine vierstellige Summe würden sie im Jahr dafür ausgeben, lassen die Melsas durchblicken. Was sie nicht selbst besitzen, kennen sie in der Regel zumindest. Sie sind auch bestens vertraut mit der Entwicklung, die die Produkte im Laufe der Jahrzehnte durchlaufen haben.

Spielzeug „für Mädchen“ war gestern

Dass sich der Lego-Konzern 2021 offiziell davon verabschiedet hat, dezidiertes Jungen- und Mädchenspielzeug zu vermarkten, begrüßt Karsten Melsa. Er bedauert jedoch, dass durch die immer weiter um sich greifende Franchise-Individualisierung – Figuren aus „Star Wars“, „Harry Potter“ und „Der Herr der Ringe“ sind nur Beispiele – die eigentlichen Steine kaum noch eine Rolle spielen würden. Dabei hätten die älteren Semester mit dem „guten alten Häuslebauen“ das Hobby kennen und lieben gelernt.

Die Börse in Rheindorf ist für das Paar schon die zehnte in diesem Jahr, für Events dieser Art fahren die beiden durch ganz Deutschland. Dabei lassen sich ausgemusterte Teile in Bares umwandeln, und mit der Zahl der potenziellen Kunden und auch der Organisation in Rheinbach zeigten sich die Melsas zufrieden. Letztere hat der Bonner Stefan Jüliger alleine in die Hand genommen. Der 52-Jährige hat auch eine Gruppe Cosplayer eingeladen, die in „Star Wars“-Kostümen in der Halle für Fotos posieren. Jüliger hatte sie auf einer anderen Börse getroffen und spontan angefragt. Die Cosplayer betätigen sich nicht nur als Walking Acts, sie sammeln auch Spenden für das Kinderheim Dr. Dawo in Rheinbach.

Auf Börsen trifft man Prominente aus der Szene

Die Stadthalle ist voll, die Besucher ähnlich bunt gemischt wie die Steine. Hardcore-Fans erkennen einige Teilnehmer der RTL-Show „Lego Masters“, bekannt ist manchen auch Oliver Nolte, Betreiber des Lego-Ladens „Ollis Brickbar“ in Meckenheim – Gesprächspartner zum Fachsimpeln gibt es reichlich. „Was fehlt, sind die klassischen Steine“, findet Nolte. „Und die Preispolitik ist ein Irrsinn.“ Zu 60 bis 70 Prozent werde Lego heute für Erwachsene verkauft, entsprechend würden die Preise gestaltet. Natürlich auch ein Grund, warum es überhaupt einen Bedarf für Second-Hand-Läden wie die „Brickbar“ gibt.

 Auch etwas für Erwachsene: Ein Besucher wühlt nach Herzenslust in einer Box mit grauen Bausteinen.
Auch etwas für Erwachsene: Ein Besucher wühlt nach Herzenslust in einer Box mit grauen Bausteinen. Foto: Stefan Knopp

Besonders begehrt seien bestimmte Figuren, erklärt Börsenbesucher Wolfgang Bruns: Modelle würden oft deshalb so hoch gehandelt, weil seltene Figuren im Set enthalten sind. Auf Ebay sehe er immer wieder, dass Raumschiffe ohne Figuren weiterverkauft würden, weil die Verkäufer sie nur wegen der Männchen angeschafft hätten. Bruns hat zu Hause rund 550 Modelle aus verschiedenen Klemmsteinsystemen, von denen neben dem Marktführer Lego noch einige weitere existieren.

Systeme anderer Anbieter sind kompatibel

Dessen Qualität habe nachgelassen, findet er. Die Marken Panlos aus China, Cobi aus Polen, Mega Constructs aus den USA oder die Frankfurter Marke Blue Brixx würden oft hochwertigere Steine anbieten – und die seien sogar mit dem Noppensystem von Lego kombinierbar. Bruns sammelt außerdem Modell-Lastwagen, Schlümpfe und vieles mehr. Das alles muss irgendwo Platz finden: „Im März will ich meine Terrasse unterbauen. Dadurch gewinne ich 40 Quadratmeter dazu.“

Stefanie Winkler und Sven Hecken aus Windhagen verkaufen die Bestände ihrer Söhne. Als diese in der Corona-Zeit kein Fußball spielen konnten, habe die Familie angefangen, die Steine zu sortieren. Manches wirkt hochpreisig, eine Figur soll 34 Euro kosten. „Das liegt an dem speziellen Rucksack, den sie trägt“, erklärt Winkler. Andere Figuren sind zum Flohmarktpreis von einem Euro zu haben. Das Prachtstück der Sammlung: eine Ritterburg. „Die ist von 1979“, sagt Hecken stolz. Es ist ein Relikt aus einer Zeit, die viele ältere Liebhaber vermissen: „Da waren die Mauersteine noch gelb, und die Pferde noch aus Steinen gebaut.“