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Swisttal und Rheinbach: Wie funktionierte das Krisenmanagement?

Flutkatastrophe : Wie funktionierte das Krisenmanagement in Swisttal und Rheinbach?

Der Wasserverband informierte Swisttal schon früh über die kritische Situation an der Steinbachtalsperre. Der Kreis bildete erst später einen Krisenstab. Nur: Wann fiel die Entscheidung zur Evakuierung? Unterdessen bildet der Kreis einenStab für Wiederaufbau.

So manche Entscheidungsabfolgen in dieser Nacht sind offenbar nicht mehr zu rekonstruieren. Regenwasser in unvorstellbaren Mengen hat Mittwochabend und in der Nacht zu Donnerstag Schäden in hoher dreistelliger Millionenhöhe verursacht und neun Menschen aus Rheinbach und Swisttal den Tod gebracht. Der Ausfall von Strom und des Kommunikationsnetzes hat das Krisenmanagement des Rhein-Sieg-Kreises offenbar auch beeinträchtigt. „Kommunikation war teils gar nicht möglich“, sagte der Kreisbrandmeister und Leiter des Lagestabs Dirk Engstenberg am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Siegburg.

Also habe man je zwei Erkunder nach Rheinbach und Swisttal auf den Weg geschickt. Denn neben dem Handynetz war auch das digitale Funknetz komplett ausgefallen. Satellitentelefone funktionierten laut Darstellung des Krisenstabs kaum. Die Feuerwehrleitstelle konnte zwar auf das analoge Funknetz zurückgreifen, aber viele Fahrzeuge sind offenbar nicht mehr in der Lage, die alte Technik zu nutzen.

Swisttals Bürgermeistern stieß den Alarm an

Wie liefen also insbesondere Mittwochabend die Alarmketten? Der erste Sirenenalarm in den betroffenen Gebieten wurde um 18.42 Uhr in Swisttal ausgelöst. Angestoßen wurde der Alarm, den nur der Kreis aktivieren kann, von Swisttals Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner. Grund für ihre Initiative war nicht nur der anhaltende starke Regenfall, sondern eine Meldung des Wasserversorgungsverbands Euskirchen-Swisttal, die Steinbachtalsperre drohe überzulaufen, erklärte die Bürgermeisterin. Dennoch wurde im Kreishaus erst um 19.45 Uhr ein Krisenstab gebildet. Das sei nur ein formaler Akt gewesen, so Engstenberg, das „Führungssystem“ sei da schon im Aufbau begriffen gewesen.

Wann genau die Entscheidung gefallen ist, die Swisttaler Ortsteile Odendorf, Essig, Ludendorf und Miel sowie die Rheinbacher Ortschaften Oberdrees und Niederdrees unterhalb der Steinbachtalsperre zu räumen, konnte die Runde um Landrat Sebastian Schuster bei der Pressekonferenz nicht sagen. Der GA berichtete in der Nacht, die betroffenen Bürger seien gegen 23 Uhr aufgerufen worden, sich sofort selbstständig in die Georg-von-Boeselager-Schule in Heimerzheim oder die Glasfachschule in Rheinbach begeben. Wer Unterstützung brauche, solle die 112 wählen. Möglich, dass das Festnetz zu diesem Zeitpunkt noch funktionierte, denn in der Leitstelle liefen in diesen dramatischen Stunden rund 12 000 Notrufe ein. Um 23.07 Uhr erfolgte der zweite Sirenenalarm in Swisttal, in Rheinbach um 23.19 Uhr. Sirenen heulten auch in Meckenheim um 0.10 Uhr und im rechtsrheinischen Lohmar um 1.01 Uhr.

Der Krisenstab musste mehrmals flüchten

Der Krisenstab der Gemeinde Swisttal musste gleich mehrmals flüchten. Erst aus dem Ludendorfer Rathaus nach Miel, dann nach Buschhoven, schließlich zur Bundespolizei nach Heimerzheim. Auch das Rathaus in Rheinbach war „abgesoffen“, so Bürgermeister Ludger Banken: „Wir hatten keine IT-Struktur, keine Kommunikationsmittel und haben uns schließlich im Feuerwehrgerätehaus eingenistet.“

Die Stadt Meckenheim unterstützt die Rheinbacher Verwaltung, die Bornheimer die Swisttaler. Die Stromversorgung und das Handynetz sind das größte logistische Problem. Odendorf, Ludendorf und Heimerzheim seien immer noch ohne Stromversorgung, sagte Kalkbrenner, die Wasserversorgung sei zwar gesichert, aber man empfehle dennoch, „präventiv“ das Wasser abzukochen.

Am Donnerstag soll ein Stab Wiederaufbau als Fachbereich im Kreishaus eingerichtet werden. Dazu sollen Fachleute aus allen Ämtern zusammengezogen werden. Besprochen sei bereits mit dem Land, dass Genehmigungsverfahren beispielsweise bei Bauprojekten beschleunigt werden sollen. Schuster geht davon aus, dass die von Bund und Land bereitgestellten Hilfsgelder über eine Anlaufstelle beim Kreis ausgezahlt werden. Schuster: „Jetzt muss der Wiederaufbau beginnen. Der Rhein-Sieg-Kreis lässt seine Bürgerinnen und Bürger nicht im Stich!“