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Nach 48 Jahren: Teppich-Traditionsgeschäft Farhumand in Rheinbach schließt

Nach 48 Jahren : Teppich-Traditionsgeschäft Farhumand in Rheinbach schließt

Mehraban Farhumand wurde mit seinem Rheinbacher Geschäft zu einem der bekanntesten Teppichhändler der Region, belieferte Promis und Politiker. Nun muss sein Sohn Cyrus den Laden schließen - aus mehreren Gründen.

Ein Traditionsgeschäft schließt nach 48 Jahren: Cyrus Farhumand wird zum Jahresende sein Teppich-Fachgeschäft „Farhumand – Die Welt der Teppiche“ aufgeben, das sein Vater Mehraban Farhumand 1972 gegründet hatte. Das Geschäft mit handgeknüpften hochwertigen Teppichen sei seit Jahren stetig zurückgegangen, erklärt Farhumand, bedingt durch den demografischen Wandel und einen veränderten Zeitgeist, sagt er.

„Ältere Kunden hatten eine Wertschätzung für handgeknüpfte Teppiche. Aber diese Kunden sind gut eingedeckt und brauchen keine Teppiche mehr“, sagte der 54-Jährige. Das Kaufverhalten der jüngeren Generation sei anders, sie lege keinen Wert mehr auf hochwertige Teppiche. Dies und schließlich die Auswirkung des Lockdowns der Corona-Krise zwinge ihn dazu, das Fachgeschäft nach fast fünf Jahrzehnten aufzugeben.

Im Oktober habe er zwar auf ein Kundenanschreiben hin mit der Information über die Schließung und Rabattierung der Teppiche noch einmal einen ausgezeichneten Umsatz gehabt. Aber das sei die Ausnahme. Wie es beruflich für ihn weitergeht, weiß Farhumand noch nicht. Auf jeden Fall nicht im Teppichhandel in der bisherigen Form mit kostenintensiver Lagerhaltung und großen Geschäftsräumen.

Teppichhändler aus Zufall

Firmengründer Mehraban Farhumand war 1953 aus dem damaligen Persien – heute Iran – eigentlich nur nach Bonn gekommen, um Agrarwissenschaften zu studieren. Nach seinem Diplom sollte er in seiner Heimat, die damals von Schah Mohammad Reza Pahlavi regiert wurde, die Ländereien der Familie mit verwalten. Als Diplom-Agrarwissenschaftler arbeitete er aber nur kurz. „Als ich in Bonn studiert habe, wurde ich häufiger gefragt, ob ich als Perser nicht Teppiche besorgen könne, das habe ich dann gemacht“, erzählte der 2017 verstorbene Senior einst.

Schnell wurde er zu einem der bekanntesten Teppichhändler der Region mit vielen prominenten Kunden wie dem damaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und Hannelore „Loki“ Schmidt, Gattin von Alt-Kanzler Helmut Schmidt. Obwohl er in Deutschland mit Ehefrau Marianne und den beiden Kindern seine neue Heimat gefunden hatte, hat Mehraban Farhumand die Entwicklung in seiner alten Heimat Persien mit der Revolution stets genau beobachtet.

1985 schrieb er dazu ein Buch: „Die betrogene Revolution im Iran – Eine Chronologie des Geschehens“. Gewidmet hatte er dieses Buch seinen „iranischen Landsleuten, die für Freiheit und Gerechtigkeit im Iran ihr Leben lassen mussten, und denjenigen, die für Demokratie und Menschenrechte im Iran kämpfen, ohne die Gefängnisse und Folterkammern des islamischen Terror-Regimes zu fürchten“.