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Unwetter im Linksrheinischen: Teile der Voreifel evakuiert

Unwetter in Rheinbach und Swisttal : Teile der Voreifel wegen Starkregen evakuiert

Das Unwetter hat in der Voreifel und im Vorgebirge verheerende Schäden angerichtet. Besonders schlimm sind die Menschen in Teilen von Rheinbach und Swisttal betroffen. Das hat mit der Steinbachtalsperre zu tun.

Dramatische Zustände in der Voreifel. Nach den heftigen Regenfällen hatte der Rhein-Sieg-Kreis am Mittwoch gegen 23 Uhr beschlossen, die Swisttaler Ortsteile Odendorf, Essig, Ludendorf und Miel sowie die Rheinbacher Ortschaften Oberdrees und Niederdrees unterhalb der Steinbachtalsperre zu räumen. Dies erfolgte in Abstimmung mit dem Kreis Euskirchen. Laut Angaben des Rhein-Sieg-Kreises drohe die Steinbachtalsperre überzulaufen.

Die betroffenen Bürger aus Swisttal und Rheinbach sollten sich sofort selbstständig in die Georg-von-Boeselager-Schule Heimerzheim, Höhenring,  oder die Glasfachschule in Rheinbach, Zu den Fichten, begeben. Wer Unterstützung brauche, solle die 112 wählen, teilte der Rhein-Sieg-Kreis mit.

Ebenso wurden die Menschen der anderen Ortsteile von Rheinbach und Swisttal gebeten,wenn möglich höher gelegene Stockwerke aufzusuchen. Infolge des Unwetters waren Wassermassen von der Steinbachtalsperre in die Swist geflossen waren. Nach Angaben der Feuerwehr Euskirchen lief das Wasser über die Dammkrone der Staumauer der Steinbachtalsperre. Die Staumauer sei nicht gebrochen.

Dennoch: Unzählige vollgelaufene Häuser, zahlreiche unpassierbare Straßen, Sturzfluten, Stromausfälle und ein zusammengebrochenes Telefonnetz waren die Folge des Unwetters. Besonders stark betroffen waren Rheinbach und Swisttal. Zur Verstärkung waren auch Kräfte aus dem Rechtsrheinischen in den linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis gekommen. Die örtlichen Krisenstäbe waren teilweise von der Außenwelt telefonisch abgeschnitten. Ein ausgefallener Trafo hatte das Stromnetz in weiten Teilen der Voreifel lahmgelegt. Dadurch funktionierten Handy und Festnetztelefone teilweise nicht.

Alleine in Rheinbach waren bereits bis 18 Uhr mehr als 100 Einsätze zusammengekommen. Nicht nur der Notruf der Kreisleitstelle, auch die Einsatzkräfte der neun Rheinbacher Löschgruppen waren völlig überlastet. Unter anderem ergossen sich Sturzfluten durch die Innenstadt. Für Autos und Menschen gab es kein Vor und Zurück. Ampeln und Bäume ragten aus den Wassermassen auf der Hauptstraße heraus.

 Überschwemmt: Die Rheinbacher Hauptstraße.
Überschwemmt: Die Rheinbacher Hauptstraße. Foto: Privat

Wie viele Einsatzstellen es am späten Abend gab, konnte Rheinbachs Feuerwehrsprecher Thomas Knoch nicht sagen. Dafür seien es einfach zu viele gewesen. Fälle wie vollgelaufene Keller nahm die Wehr zwar auf, aber viel ausrichten konnten die Einsatzkräfte nicht. „Im Moment können wir eigentlich nichts unternehmen, weil es weiter regnet und ständig Wasser nachläuft“, berichtete Knoch. Die Wehr konzentrierte sich deswegen auf wirkliche Notfälle, bei denen Gesundheitsgefahr bestand.

Notstand herrschte auch in Swisttal. Der Orbach hatte sich in einen reißenden Strom verwandelt und überschwemmte Odendorf. Auch der Pegel der Swist stieg rasant an. „Der Stand von üblicherweise 0,5 Metern hatte bei der Messung im Ortsteil Morenhoven um 16 Uhr am Mittwoch die 1,90-Meter-Marke überschritten“, sagte Swisttals Feuerwehr-Sprecher Tobias Kalenborn. Und der Pegel sollte noch weiter steigen. Aus dem Gemeindegebiet wurden mehrere Personen gemeldet, die ihren Autos oder Häusern aufgrund des Wassers eingeschlossen waren.

Vollalarm wurde auch in Meckenheim ausgerufen. Bis 19 Uhr waren laut Feuerwehrsprecher Jens Hapke bereits 69 Einsätze zusammengekommen: vollgelaufene Keller und überschwemmte Straßenzüge. Besonders schlimm sah es Hapke zufolge in Altendorf/Ersdorf aus.

Dort war der Bach aus seinem Ufer getreten und die Straßen standen teilweise einen Meter tief unter Wasser. Die Autobahnpolizei sperrte wegen der Wassermassen nachts das Kreuz Meckenheim. Gesperrt war auch die L 123 zwischen Meckenheim und Adendorf. Dort lief das Wasser von den Feldern auf die Straße. Die Gräben entlang der Äcker hatten den Regen nicht mehr vollständig aufnehmen können.

 Knieftief im Wasser: In Oberdrees herrscht der Ausnahmezustand.
Knieftief im Wasser: In Oberdrees herrscht der Ausnahmezustand. Foto: Axel Vogel

Aus Alfter hatte Feuerwehrsprecherin Silke Simon bereits am frühen Abend eine „katastrophale Lage“ gemeldet. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bei der Alfterer Wehr bereits mehr als 50 Einsätze angesammelt. „Wir versuchen, zu priorisieren“, sagte Simon. Wer nur wenig Wasser im Keller habe, müsse länger warten oder auf Nachbarschaftshilfe setzen.

Laut Simon war der Hardtbach zwei bis drei Meter über dem Normalstand. Mit Wasser vollgelaufen waren nicht nur Privathäuser, sondern nach Simons Angaben etwa auch das Schulgebäude in Oedekoven, das aktuell umfassend saniert wird. In manchen Alfterer Häusern stand das Wasser laut Simon zwischenzeitlich so hoch in den Kellern, dass die Hausanschlüsse der Stromversorgung gefährdet waren. Den Bewohnern dieser Häuser habe man geraten, schnellstmöglich ihre Gebäude zu verlassen. Ansonsten galt der Appell, zu Hause zu bleiben.

 Durch die Fluten: Wie hier in Rheinbach hat der Regen zahlreiche Straßen unter Wasser gesetzt.
Durch die Fluten: Wie hier in Rheinbach hat der Regen zahlreiche Straßen unter Wasser gesetzt. Foto: Axel Vogel

In Bornheim waren 110 Feuerwehrkräfte im Dauereinsatz. Neben vollgelaufenen Kellern war auch ein Öltank auf einem Privatgrundstück ausgelaufen. Aufgrund der Hochwasser-Situation hat die Stadt den Rheinuferweg vom Zerrespfad bis einschließlich Hausnummer 269 auf der Rheinstraße gesperrt. Mit einer Aufhebung der Sperrung sei nicht vor Montag zu rechnen, hieß es aus dem Rathaus. Ebenso wurden am Mittwoch mehrere überflutete Straßen im Stadtgebiet gesperrt: die K 33 zwischen Rösberg und Metternich, die K 42 zwischen Sechtem und Bornheim, der Uedorfer Weg an der Autobahnunterführung sowie die Königstraße zwischen Apostelpfad und Mühlenstraße.

Laut Stadtsprecher Christoph Lüttgen wurde der Rüttersweg in Merten (Höhe Broichgasse) derart unterspült, dass sich die Fahrbahn rund 40 Zentimeter abgesenkt hat. Gefährlich war es auch im Gewerbegebiet Bornheim-Süd. Dort waren mehrere Ampeln ausgefallen.

Derweil waren nach Berichten von vor Ort rund 250 Menschen am Sechtemer Bahnhof gestrandet. Nach Angaben des Bahnunternehmens National Express hatte eine Störung an einem Stellwerk am Bonner Hauptbahnhof sowie ein umgestürzter Baum den Bahnverkehr zum Erliegen gebracht. Passagieren auf der Voreifelbahn ging es nicht viel besser. Auch auf der Strecke der S 23 musste der Zugverkehr zwischenzeitlich eingestellt werden.

Mehr Informationen und Bilder auf www.ga.de/starkregen