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Interview mit Bestsellerautorin: Ursula Poznanski über Spannungsliteratur für Jugendliche

Interview mit Bestsellerautorin : Ursula Poznanski über Spannungsliteratur für Jugendliche

Spannungsgeladene Rätsel gibt Bestsellerautorin Ursula Poznanski ihren Lesern in ihrem neuesten Werk „Aquila“ auf den Weg. Am Samstag, 24. Februar, gastiert sie in Rheinbach.

In „Aquila“ lassen Sie Ihre Protagonistin durch das toskanische Siena laufen, auf der Suche nach ihrer Erinnerung. Wie oft haben Sie Siena bereist, um so detailliert von den unterschiedlichen Stadtbezirken zu berichten?

Ursula Poznanski: Ich war drei Mal da – jeweils ein paar Tage. Allerdings nicht mehr, als ich mit dem Schreiben begonnen habe. Ich hatte fest vor, noch mal hinzufahren, aber das hat aus Zeitgründen nicht geklappt (lacht). Aber ich kenne Siena relativ gut. Es ist eine fantastische Stadt, wo alles wirklich Geschichte atmet und seine eigene Symbolik hat. Alles, was man früher mühevoll recherchieren musste, etwa wie lange es dauert, um von Punkt A zu Punkt B zu kommen, lässt sich mittlerweile mit Google Maps wahnsinnig gut erledigen.

Ein wichtiger Ort der Handlung spielt im Untergrund: die Bottini, das Kanalsystem von Siena. Sie müssen dort gewesen sein, um diesen unheimlichen Ort so unheimlich beschreiben zu können?

Poznanski: Das ist gar nicht so leicht, da reinzukommen. Da gibt es nur alle paar Monate Führungen, und die sind auf Jahrzehnte quasi ausgebucht. Es gibt aber ganz viele Materialien dazu. Ich habe ein original italienisches Buch aufgetrieben – mit sehr vielen Illustrationen – und mir helfen lassen, um zu verstehen, was dort geschrieben steht. Die lassen einen da nicht so ohne Weiteres rein, weil die Bottini keine Abwasserkanäle sind, sondern Frischwasser befördern.

Über alle 425 Seiten begleitet uns in „Aquila“ das Lied „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana. Was bedeutet Ihnen dieses Lied, unabhängig von der Rolle im Buch?

Poznanski: Von der Dynamik her hat dieses Lied etwas wahnsinnig Mitreißendes und andererseits Bedrohliches. Daher passt das perfekt. Das Lied löst bei Nika sofort Empfindungen aus, wenn sie es das erste Mal wieder hört. Es musste ein Lied sein, das fast jeder kennt, und das ein bisschen was Gewalttätiges ausstrahlt.

Auch in Ihrem Buch „Layers“ begegnen wir einer Hauptfigur, der das Gedächtnis einen Streich spielt. Hatten Sie in Ihrem Leben schon ähnliche Erfahrungen oder fasziniert Sie schlicht dieser Geisteszustand?

Poznanski: Um damit zu spielen, ist es für mich als Autorin ein spannendes Motiv: auf der Suche nach etwas zu sein, dass man eigentlich wissen müsste und was eigentlich da sein müsste. Inwieweit man den eigenen Wahrnehmungen oder den eigenen Erinnerungen trauen kann, ist etwas, mit dem zu spielen, großen Spaß macht.

Ihr Jugendbuch „Erebos“ hat Ihnen einen kometenhaften Aufstieg beschert. Ihr aktueller Band ist eher ein Thriller für Erwachsene. Was ist anders daran, für Jugendliche zu schreiben?

Poznanski: Ich mache beides, wobei Aquila für mich ganz klar ein Jugendbuch ist. Der Unterschied ist gar nicht mal so gravierend. Die Thriller für Erwachsene sind noch eine Ecke blutiger. Ich mache vielleicht im Jugendbuch bei der Sprache minimale Abstriche: Manche Formulierungen, die ich beim Erwachsenenbuch nehmen würde, verkneife ich mir im Jugendbuch, weil ich nicht möchte, dass sie das googeln müssen. Was die Komplexität der Geschichten und Charaktere angeht, ist es gleichwertig. Ich würde jugendliche Leser nicht als weniger kritisch oder weniger anspruchsvoll einschätzen – im Gegenteil. Die legen ein Buch viel schneller weg und kämpfen sich nicht über 20 Seiten, die sie nicht interessieren, in der Hoffnung, dass es nachher wieder spannender wird.

Jugendliche Leser gelten ja als besonders treue Fans. Wie äußert sich so etwas?

Poznanski: Wenn man mal eine gewisse Hürde übersprungen hat, wenn die Leser ein Buch des Autors wegen kaufen und nicht mehr zwingend wegen des Klappentextes oder des Covers, dann hat man schon so ein bisschen gewonnen. Beim Jugendbuch schossen beispielsweise die Vampirbücher wie Pilze aus dem Boden, bis keiner mehr Vampire sehen konnte. Und dann kommt das nächste große Ding, bis es keiner mehr sehen kann. Das ist bei Jugendbüchern etwas stärker als in anderen Segmenten. Wenn man es schafft, sich eine kleine Insel abseits dieser Trends zu schaffen, hilft das auch der Leserbindung. Ich habe das Gefühl, ein bisschen unabhängig von dem zu sein, was der Mainstream so macht. Weil ich meine eigene Linie gefunden habe, und die funktioniert zum Glück.

Sie verfügen über eine Gabe, fesselnd zu schreiben. Ich bin, was Literatur angeht, eigentlich kein Freund von Spannungsliteratur. Was haben Sie mit mir gemacht, dass ich das Buch nicht weglegen konnte?

Poznanski: Ich glaube, ich habe sie zum Miträtseln animiert. Das ist gerade das, was mich in der Spannungsliteratur beim Lesen dranhält. Es ist ein Spiel: Schafft es der Autor, mich an der Nase herumzuführen oder schafft er es nicht. Wenn er es nicht schafft, ist die Frage, an welchem Punkt der Geschichte ich ihm auf die Schliche komme. Und wenn er es bis zum Ende nicht schafft, bin ich dann zufrieden mit dem, was er mir am Schluss anbietet? Optimalerweise ist es so, dass ich sage: Wow, das hätte ich die ganze Zeit schon kommen sehen können, weil es versteckt war, aber ich habe es für etwas anderes gehalten. Im Spannungsroman kann man – anders als in anderen Gattungen – viel mehr mit dem Leser spielen: Kommst du drauf, oder kommst du nicht drauf? Kannst du mein Rätsel lösen, bevor ich es dir unter die Nase halte. Das trägt dazu bei, dass man an der Geschichte dranbleibt.

Während Ihres Studiums in Wien haben Sie sich einmal quer durch das Angebot der Uni studiert. Was raten Sie Menschen, die auf der Suche sind?

Poznanski: Damals war es ein Herumirren und nicht wissen, was ich machen will. Wenn es einen Studiengang kreatives Schreiben gegeben hätte, hätte ich mich darauf gestürzt. Alles Mögliche habe ich anstudiert, aber definitiv nichts fertig gemacht. Ich habe viel rumgejobbt und bei den Jobs meistens mehr Spaß gehabt als im Studium. Irgendwann bin ich ins Berufsleben gegangen, und das hat auch ohne Titel ganz gut funktioniert – obwohl ich in Wien lebe und Titel dort wirklich unfassbar wichtig sind. Aus heutiger Sicht würde ich sagen: Es gibt ohnehin keine Ausbildung mehr, die einen Erfolg garantiert. Darum würde ich jedem raten, sich auf das zu stürzen, was er wirklich gerne tut. Und wenn es ein bisschen länger dauert mit dem Suchen, dann dauert es eben ein bisschen länger.

Am Samstag, 24. Februar, 19.30 Uhr, liest Ursula Poznanski in der Aula des Sankt-Joseph-Gymnasiums in Rheinbach, Stadtpark 31. Karten kosten zehn, ermäßigt acht Euro und sind erhältlich in der Buchhandlung Kayser, Hauptstraße 28. Am Dienstag, 13. März, 17.30 Uhr, gastiert sie mit „Aquila“ bei der „Lit.Kid.Cologne“ in der Volksbühne am Rudolfplatz in Köln. Der Eintritt kostet acht Euro.