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Schottische Krimiqueen geehrt: Val McDermid nimmt Rheinbacher Glasdolch entgegen

Schottische Krimiqueen geehrt : Val McDermid nimmt Rheinbacher Glasdolch entgegen

Val McDermid nimmt die Auszeichnung der Rheinbacher Krimiwoche entgegen. Die 63-Jährige gesteht: „Erst als meine Romane ins Deutsche übersetzt wurden, hatte ich es geschafft.“

„Keep on killing, Val!“ Dieser Aufforderung – bitte weiter morden, Val –, die Verleger Winrich C.–W. Clasen bei der Verleihung des Rheinbacher Glasdolches an die schottische Bestseller-Autorin Val McDermid richtete und die Millionen Leser weltweit unterstützen dürften, kommt die Grande Dame der Krimi-Literatur nur allzu gerne nach. Über 30 Romane hat die 63-Jährige im Verlauf ihrer Karriere geschrieben, jedes Jahr kommt ein weiterer hinzu, dezidiert recherchiert und mit geschliffenem Stil in Szene gesetzt.

Für ihre Verdienste um die Welt des fiktiven Verbrechens ist sie nun während der Rheinbacher Krimiwoche in der Aula des Sankt Joseph-Gymnasiums mit einem passenden Mordwerkzeug ausgezeichnet worden – und nahm die Trophäe nach einer anregenden Mischung aus Lesung und Gespräch freudig in Empfang.

Es ist nicht der erste Dolch in der Sammlung von Val McDermid. Für den ersten Band ihrer Serie um das Ermittlerduo Carol Jordan und Tony Hill erhielt sie den Gold Dagger Award der britischen Krimikritiker, 2010 folgte der Diamond Dagger der Crime Writers' Association für ihr Lebenswerk. Und doch ist die Rheinbacher Auszeichnung, die erst zum zweiten Mal überhaupt verliehen und von Dozenten der Rheinbacher Glasfachschule geschaffen wurde, für die Autorin etwas ganz Besonderes.

„Erst als meine Romane ins Deutsche übersetzt wurden, hatte ich es geschafft“, gestand sie am vergangenen Mittwoch. „Dank Ihnen kann ich mir jeden Morgen Butter aufs Brot schmieren.“ Und ihre Leserschaft sich dafür an den Ermittlungen ihrer Detektivinnen, Inspektorinnen und Journalistinnen erfreuen. Auch dafür ist Val McDermid schließlich bekannt: Für ihre starken Frauenfiguren, viele von ihnen offen lesbisch lebend, tough, resolut, aber auch immer liebevoll gezeichnet.

Eine hervorragend aufgelegte Autorin

Zwei von ihnen, Karen Pirie und eben Carol Jordan, machten am Mittwoch ihre Aufwartung. Val McDermid erweckt sie zum Leben, mit ihrer rauchigen Stimme und ihrer eleganten Diktion, die zumindest bei „Out of Bounds“ ein wenig an die traumhafte Prosa von Dylan Thomas erinnerte – die Übersetzung, die Gisbert Haefs im Anschluss vorlas, konnte dieser Sprache leider nicht gerecht werden. Haefs war es auch, der McDermid immer wieder in Gespräche verwickelte, nach ihren Recherchen und ihren Erfahrungen mit der Polizei fragte. Dabei diskutierte er mit ihr auf Augenhöhe, hat er doch nicht nur selbst diverse Kriminalromane geschrieben, sondern auch Arthur Conan Doyle und Gilbert Keith Chesterton ins Deutsche übertragen, ebenso wie die gesammelten Songs von Bob Dylan sowie die Werke von Rudyard Kipling und Ambrose Bierce. Mit Verbrechen und herausragenden Stilistikern kennt Haefs sich also bestens aus.

Dank der versierten Moderation und einer hervorragend aufgelegten Autorin vereinigten sich Lesung, Gespräch und Preisverleihung letztlich zu einem wunderbaren, kurzweiligen und überaus interessanten Abend. Val McDermid erwies sich dabei als überaus offen, war vor, während und nach der Veranstaltung immer für das Publikum ansprechbar und plauderte gerne mit ihren Rheinbacher Fans. Die Bitte von Verleger Clasen, der mit dem Rheinbacher Buchhändler Christoph Ahrweiler die Auszeichnung ins Leben gerufen hatte, wäre somit kaum nötig gewesen: „Val, keep on killing – but don't use this dagger.“

Val McDermid wurde am 4. Juni 1955 in der schottischen Hafenstadt Kircaldy geboren. Nach dem Studium arbeitete sie als Literaturdozentin, Journalistin und Dramatikerin, bevor sie 1987 ihren ersten Roman veröffentlichte. Seitdem hat sie mehr als 30 Krimis geschrieben, die weltweit erfolgreich sind. Außerdem setzt sie sich für die Gleichstellung Homosexueller sowie für ein unabhängiges Schottland ein. Seit 2014 lebt sie mit ihrer Frau in Edinburgh.